von Konrad D. Fromm
   

Die gefährliche Messer-AfD

Das Bild des gefährlichen Fremden mit dem Messer ist ein sehr altes und wirkmächtiges Bild, das die Ängste der Menschen gut schüren kann. Auch in der Pressearbeit der AfD spielt der „Fremde“ mit dem Messer eine wichtige Rolle. Ein Kommentar.

Die Pressemitteilungen der AfD verzerren die Realität, Grafik: Konrad D. Fromm

Mit einer Inhaltsanalyse haben der Journalismus-Professor Thomas Hestermann und die Jura-Professorin Elisa Hoven die Pressemitteilungen der AfD aus dem Jahr 2018 unter die Lupe genommen. „Kriminalität in Deutschland im Spiegel von Pressemitteilungen der Alternative für Deutschland (AfD)“ lautet der Titel des Fachartikels, der in Ausgabe 3/2019 der Kriminalpolitischen Zeitung veröffentlicht wurde. Die Studie belegt, dass die AfD durch das extrem selektive Aufgreifen von Kriminalität in ihrer Öffentlichkeitsarbeit ein Weltbild schafft, dass mit der Realität nicht übereinstimmt und welches dazu beiträgt, Menschen zu verunsichern.

Rechtsextremismus kaum berücksichtigt

Hestermann und Hoven haben insgesamt 242 Pressemitteilungen des AfD Bundesverbandes bzw. von Landesverbänden oder Landtagsfraktionen ausgewertet, die sich mit Straftaten beschäftigten. Die Auswertung der AfD-Kommunikation wurde dann mit den tatsächlichen Werten für Kriminalität aus der Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) abgeglichen.

In den Meldungen der AfD stehen vor allem Taten gegen die Unversehrtheit von Leib und Leben im Mittelpunkt, also bspw. Tötungsdelikte (18,7 Prozent aller AfD-Meldungen) oder Angriffe auf die sexuelle Selbstbestimmung (14,3 Prozent). In der PKS machten Tötungsdelikte lediglich 0,1 Prozent aller Straftaten im Jahr 2018 aus, Übergriffe gegen die sexuelle Selbstbestimmung 1,2 Prozent.

Die AfD legt also einen deutlich stärkeren Fokus auf derartige Gewaltdelikte, als er sich in der Statistik ablesen ließe. Eigentumsdelikte wie Diebstahl, Betrug oder Sachbeschädigung, die in der amtlichen Kriminalitätsstatistik mit 61,9 Prozent auftauchen, bilden bei der AfD lediglich 5,9 Prozent der Fälle, über die berichtet wird. Auch beim Extremismus sieht es ähnlich aus. Bei der AfD spielt Rechtsextremismus kaum eine Rolle – wohl aber Linksextremismus (50,6 Prozent) und Religiöser Extremismus (32,9 Prozent).

Anteil Messerangriffe unter drei Prozent

Da die AfD regelmäßig auch mediale Berichterstattung über ihre Pressemitteilungen bewirkt bzw. auch einfordert – in sozialen Netzwerken wird dann gerne angeführt, da solle der „Öffentlichkeit etwas verschwiegen werden“ – zeigt die Einseitigkeit der AfD-Berichterstattung auch eine Einseitigkeit der Wahrnehmung mindestens im Dunstkreis der AfD-Anhänger. Die Folge: Deutschland wird als gefährlicher wahrgenommen, als es tatsächlich ist.

Womit wir wieder zum Fremden und dem Messer kommen. Wenn die AfD über eine Tatwaffe berichtet, dann ist es in ziemlich genau zwei Dritteln aller Fälle ein Messer (66,7 Prozent). Dabei liegt der Anteil von Gewalttaten mit Messern insgesamt in der PKS bei lediglich 2,8 Prozent. Und bei der Auswahl der Täter sieht es ähnlich aus.

Lediglich 2,5 Prozent aller Täter sind in der AfD-Darstellung Deutsche – der Rest sind Nicht-Deutsche bzw. auch explizit Ausländer, also 97,5 Prozent. In der PKS sind lediglich 34,5 Prozent aller Tatverdächtigen Ausländer. Rumänen, Polen, Serben, Italiener oder Russen, die immerhin 7,7 Prozent aller tatsächlichen Tatverdächtigen in Deutschland stellen, tauchen bei der AfD überhaupt nicht auf. Syrer, Afghanen, Iraker und Iraner hingegen, die 6 Prozent der Tatverdächtigen in der PKS abbilden, machen dagegen 49 Prozent aller Tatverdächtigen der AfD aus.

Dauerfeuer in der AfD-Filterblase

Die AfD selektiert also selbst im Feld der Ausländer und berichtet über genau die Menschen, die sowohl vom Phänotyp als auch von der Kultur einfach als Nicht-Deutsche wahrgenommen werden können und die dementsprechend leicht als Fremde zu identifizieren sind. Die AfD baut also gezielt auf dem sehr alten Angstbild des Fremden mit dem Messer auf.

Dass letzten Endes bei der AfD die „Altparteien“ an all der Kriminalität Schuld tragen, verwundert am Ende nicht weiter. Aufsummiert kommen Politik und Behörden auf drei Viertel aller Nennungen. Dass dies haltlos ist, mag jedem vernunftbegabten Menschen bewusst sein. Im Dauerfeuer einer AfD-Filterblase mag dieses Bewusstsein aber schnell verblassen.

Rassismus geschürt

Die rechtspopulistische AfD verzerrt mit ihrer Öffentlichkeitsarbeit die Wahrnehmung der öffentlichen Sicherheit. Bei der AfD stehen Gewalttaten im Vordergrund, obwohl es deutlich wahrscheinlicher ist, in Deutschland Opfer eines Online-Betrugs als eines Überfalls zu werden. Durch die Fokussierung auf nicht-deutsche Täter, insbesondere jene, die auch einfach als „Fremde“ „zu erkennen“ sind, wird Rassismus und Fremdenfeindlichkeit bewusst geschürt. Und mit der überproportionalen Darstellung von Messern als Tatwaffe wird ein altes und im Kern rassistisches Bild kultiviert.

Die AfD betreibt nicht mehr und nicht weniger als klassische Propaganda. Dass diese verfängt, die Angst in Teilen der Bevölkerung vor Kriminalität zunimmt, muss gerade bei den etablierten Parteien als Anlass genommen werden, über den eigenen Umgang mit Kriminalität und die eigenen Deutungsmuster nachzudenken. Denn wer ebenfalls nur einseitige Erklärungsmuster nutzt, um öffentlich das Thema Kriminalität in Deutschland zu diskutieren, wer Angst verbreitet, wo Zuversicht notwendig wäre, der bereitet am Ende nur der AfD das Bett.

Kommentare(6)

Joachim Datko Montag, 05.August 2019, 21:51 Uhr:
Die AfD hat recht!

Messerattacken von Asylbewerbern gibt es auch bei uns in Regensburg.

Hier ein Beispiel:
siehe:
https://www.wochenblatt.de/polizei/regensburg/artikel/254732/zeugen-schildern-blutbad-nach-teppichmesser-angriff-vor-diskotheken

Im Polizeibericht wurde die Attacke bagatellisiert und die Nationalität des Täters nicht genannt. Angehörige des Opfers und Zeugen haben die Dramatik der Tat ans Licht gebracht.

Joachim Datko - Ingenieur, Physiker
 
Konrad D. Fromm Dienstag, 06.August 2019, 12:20 Uhr:
Sehr geehrter Herr Datko,

vielen Dank, dass Sie sich die Zeit genommen haben, meinen Kommentar zu lesen. Es freut mich immer, wenn sich ein breites Publikum mit diesen wichtigen Themen beschäftigt. Denn immer häufiger zeigt sich, dass von einem Abschluss der Reeducation des deutschen Volkes noch längst nicht gesprochen werden kann, Denkweisen, die zum Aufstieg des Nationalsozialismus beitrugen, immer noch viel zu verbreitet sind.

Ich habe mir auch gern den von Ihnen verlinkten Artikel durchgelesen. Handwerklich ist das unterste Schublade. Auch ohne mich näher mit dem Fall zu beschäftigen, kann ich die Sichtweise der Polizei voll und ganz nachvollziehen. Es ist übliche Praxis, dass die Berichterstattung der Polizei nüchtern und neutral erfolgen soll, die Nationalität von Tätern oder Opfern erst einmal keine Rolle spielt.

Es ist auch journalistische Praxis, Hören-Sagen nicht einfach ungeprüft weiter zu verbreiten - aber genau das wird in diesem Beitrag gemacht. Von der Aufenthaltsdauer in der Notaufnahme wird auf die Schwere der Verletzung geschlossen. Dabei sind vier Stunden an einem Wochenende spätabends eher sehr zügig und sprechen sehr dafür, dass die Verletzungen durch das Teppichmesser in der Tat nur oberflächlich waren. Arterienverletzungen wären operiert worden.

Als Ingenieur sollten Sie wissen, wie wichtig solche Details sind. Wenden Sie dieses Wissen bitte auch auf Ihre Medienlektüre an.

Hochachtungsvoll
Konrad D. Fromm - Journalist, Schriftsteller
 
Radetzki Sabine Dienstag, 06.August 2019, 13:18 Uhr:
Sehr geehrter Herr Fromm,

machen Sie es sich da nicht ein biusschen leicht mit der Antwort auf den Kommentar von Herrn Datko. Ein Messerangriff bleibt ein Messerangriff, egal ob es sich jetzt nur um oberflächliche Verletzungen handelt oder tiefere. Allein die Tatsache, dass jeamnd sich so etwas überhaupt traut, auf eine unschuldige Person mit einem Messer oder anderen spiten Gegenstand losztugehen, zeigt doch, wie gewaltbereit diese Täter sind. Sie schützen den Täter mit Iherer Aussage u. nicht die Opfer!!! Traurig, dass es solche Menschen wie Sie gibt, die alles verharmlosen. Spätestens dann wenn Sie selbst zum Opfer werden oder eine Ihnen nahestehende Person, dann würden Sie anders denken. Schon mal darüber nachgedacht, dass auch wenn die Person nur oberflächlich verletzt wurde, sie auch innerlich verletzt wird tief in seiner Seele, man leidet unter Angststörungen u. traut sich nicht mehr unter Menschen.Mit freundlichen Grüßen

Sabine Radetzki


 
Joachim Datko Dienstag, 06.August 2019, 16:35 Uhr:
Ich werte das von mir geschilderte Vorkommnis als dramatisch. Es ist auch nur einer von vielen Fällen.

Wir hatten unlängst in Regensburg zwei Messerattacken von Asylbewerbern innerhalb kürzester Zeit. Wer will solchen Messerstechern auf der Straße begegnen?

Zitat: "Im Raum Regensburg gab es im Mai zwei Messerattacken, die für Aufsehen gesorgt haben. In der Nacht vom 6. Mai wurde ein 15jähriger von einem 14jährigen schwer verletzt. Opfer und Täter sind zwei unbegleitete minderjährige Flüchtlinge aus Syrien. Am Mittwoch wurde in einer Asylbewerberunterkunft in Regenstauf ein 24jähriger Mann aus Eritrea von einem seiner Mitbewohner durch Stiche in den Oberkörper verletzt."

Siehe:
https://www.regensburg-digital.de/mehr-gefuehlte-sicherheit-durch-messerverbot/17052019/

Die Regierungsparteien werden von den Wählern schon abgestraft:

Bundestagswahl: Regierungsparteien -13,8 % (SPD -5,2 %, CDU/CSU -8,6 %)
Europawahl: Regierungsparteien -17,9 % (SPD -11,5 %, CDU/CSU -6,4 %)
 
Roichi Dienstag, 06.August 2019, 23:00 Uhr:
War so klar, dass jetzt wieder die AfD Fanboys ankommen.

Dass die AfD falsch liegt, warum und wie genau die AfD das ganz bewusst macht, steht im Artikel.
Weiterhin ist eine Aufrechnung von Einzelfällen zufälliger Ortsverteilung nicht aussagekräftig, aber das weis sowohl Herr Datko, als auch die AfD. Es dennoch zu tun zeigt nur, dass die Analyse des Artikels vollkommen zutrifft.

Aber wenn wir schon bei Einzelfällen sind, müsste ich dann nicht viel mehr Angst vor der AfD und deren Gehilfen haben? Gewaltbereite Nazis, Angriffe auf Menschen mit Messern, Schusswaffen, Schlagwaffen, Fäusten, Brandsätzen und das täglich.
Aber wird bestimmt von den Fanboys nicht so schlimm gesehen. Mal sehen, was als Rechtfertigung kommt.
 
K.D.Fromm Mittwoch, 07.August 2019, 10:08 Uhr:
Sehr geehrte Frau Radetzki,

nicht ich mache es mir leicht, sondern derjenige, der solche aufgebauschten Meldungen weiterverbreitet. Ich war zudem in meiner Bundeswehrzeit bei den Sanitätern und weiß daher sehr wohl um die Gefährlichkeit von Messerverletzungen. Auch darum, dass oberflächliche Schnittwunden höllisch bluten können.

Aber in meinem Kommentar und in der Antwort an Herrn Datko ging es nicht um die Frage von Schuld und Sühne, das Täter-Opfer-Verhältnis spielte keine Rolle. Es geht in der Betrachtung einzig und allein um die mediale Berichterstattung über Kriminalität.

Ich habe mir die Mühe gemacht, mir den Artikels von Herrn Datko in Ruhe durchzulesen. Dass der Autor des Artikels schon mindestens einmal wegen von ihm verfasster Beiträge vor Gericht stand, habe ich nicht einmal erwähnen müssen. Auch nicht Bezüge hinsichtlich seiner politischen Orientierung. Der Artikel selbst war journalistisch schlecht genug.

Es sagt viel über Sie aus, dass Sie diese Debatte gänzlich ignorieren und mir lieber Schlechtigkeit, Empathielosigkeit und Verharmlosung vorwerfen. Übrigens ein sehr beliebtes Mittel rechter Kreise, die inhaltliche Diskussion zu verweigern und eine unliebsame Person lieber zu diskreditieren.

Und jetzt Frau Radetzki, Marsch nach Hause. Es wird dunkel draußen. Und wir wollen ja nicht, dass Ihnen in diesem Krisengebiet namens Deutschland, in dem täglich tausende Menschen von marodierenden Banden erdolcht werden, etwas zustößt.

BG K.D.Fromm
 

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