Die AfD und das Compact-Magazin: Allianz der „Mutigen“

Als „Lügen-“ oder „Pinocchio-Presse“ bezeichnen Vertreter der AfD öffentlich-rechtliche Medien gern, klagen über eine ungerechte Behandlung ihrer Partei. Das Compact-Magazin springt in diese Bresche und schickt sich an, Sprachrohr der AfD zu werden.

Samstag, 12. März 2016
Redaktion
Mit André Poggenburg folgte der Spitzenkandidat der AfD in Sachsen-Anhalt der Einladung des Compact-Magazins nach Magdeburg. Im Vordergrund links: Compact-Chefredakteur Jürgen Elsässer (Foto: Robert Kiesel).
Mit André Poggenburg folgte der Spitzenkandidat der AfD in Sachsen-Anhalt der Einladung des Compact-Magazins nach Magdeburg. Im Vordergrund links: Compact-Chefredakteur Jürgen Elsässer (Foto: Robert Kiesel).
„Lesen, was andere nicht schreiben dürfen“. Mit diesem Slogan wirbt das von Beobachtern als rechtspopulistisch charaktisierte Compact-Magazin um neue Leser. Die ungeschminkte Wahrheit, so der Subtext, finden Leser in diesem, vom Querfront-Journalisten Jürgen Elsässer als Chefredakteur geführten Magazin. Zu Ende gedacht könnte sich das Magazin auch „Alternative zur Mainstream- oder Lügenpresse“ nennen. Tut es aber nicht. Vielleicht, weil Elsässer zwar auf der Erfolgswelle der AfD reiten, sich an deren Ende aber nicht nass machen will?

Compact und die AfD: Im Mut vereint

Auf einer vom Compact-Magazin GmbH aus Werder (Havel) organisierten Veranstaltung unter dem Titel „AfD vor dem Durchbruch“ zeigte sich am Donnerstagabend in Magdeburg eindrucksvoll, wie ambivalent das Verhältnis zwischen Elsässers Compact-Magazin und der Alternative für Deutschland wirklich ist. Da wehrte sich Elsässer gegen die jüngst vom Nachrichtenmagazin „Stern“ gewählte Bezeichnung seines Heftes als „AfD-Kampfblatt“, um Minuten später von „einer Familie“ zu sprechen, „die in dieser Stunde zusammenstehen und den wichtigen Kampf um Deutschlands Zukunft unterstützen“ müsse. Da lobte André Poggenburg, Spitzenkandidat der AfD in Sachsen-Anhalt, die Rolle des Mediums Compact im „Gebilde des alternativen Widerstands“, um kurz darauf über die „feindselige Einstellung der Medien“ seiner Partei gegenüber zu klagen. Schnell wurde klar: Die Gemeinsamkeiten zwischen Compact-Magazin und AfD beschränken sich nicht darauf, mit „Mut zur Wahrheit“ den gleichen Slogan zu verwenden. Bestes Beispiel: Die Einschätzungen zum Ausgang der am Sonntag anstehenden Wahlen in drei Bundesländern. „Wir werden in Rheinland-Pfalz über zehn kommen, wir werden in Baden-Württemberg die SPD überholen und wir werden in Sachsen-Anhalt 20 plus x bekommen. Und das muss erreicht werden“, erklärte Jürgen Elsässer und nicht etwa André Poggenburg den dank der jüngsten Umfragewerte für die AfD wohl zurecht euphorisierten Zuhörern. „Wir“, die AfD, weniger journalistische Distanz, mehr Identifikation geht kaum. Dass Poggenburg, offenbar ebenfalls elektrisiert vom absehbaren Wahlerfolgs seiner Partei in Sachsen-Anhalt, mit Blick auf den Wahltag von einem „20stelligen Ergebnis“ sprach, geschenkt.

Elsässer: „Gemeinsam in die Zukunft gehen“

Und auch sonst bemühte sich Elsässer kaum, seine Nähe zur AfD und deren politischer Ausrichtung zu verhehlen. „Mein Name ist Jürgen Elsässer, ich bin Deutscher und werde nicht zusehen, wie dieses Land vor die Hunde geht“, begann er seine Rede. Elsässer sprach von einem „schleichenden Austausch der Bevölkerung“, der in Deutschland vonstatten gehe. Zwei Millionen „irreguläre Einwanderer“ wären 2015 nach Deutschland gekommen, so Elsässer zum Beleg seiner These. Dass er offizielle Zahlen damit mal eben verdoppelte, läuft bei Compact wohl eher unter dem Label journalistische Verknappung statt Lügenpresse. Elsässer schloss mit dem Aufruf: „Compact will der schweigenden Mehrheit eine Stimme geben. Die schweigende Mehrheit braucht eine starke Partei, diese Partei gibt es schon. Also lasst uns gemeinsam Hand in Hand in die Zukunft gehen!“ Den johlenden Beifall für Elsässer und den ehemaligen litauischen Präsidentenberater Algis Klimaitis, der in Bezug auf die Europäische Union mehrfach von „Rassenvermischung“ gesprochen hatte, hätte gern auch ein Team des ZDF gefilmt. Der Reporterin und ihrem Kameramann wurde jedoch vor Beginn der Veranstaltung der Zugang zur Halle versagt. Der eingangs zitierte Compact-Slogan hätte für diesen Abend also leicht angepasst werden müssen. Zutreffender wäre gewesen: „Sehen, was andere nicht filmen dürfen“. Zuerst erschienen beim Vorwärts; Autor: Robert Kiesel
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