„Deutschland ist auch Frauensache“

Die NPD-Unterorganisation „Ring Nationaler Frauen“ steht unter der Fittiche der Parteistrategen – auf dem RNF-Bundeskongress in Halberstadt wurde ein Großteil der Redezeit von männlichen Funktionären bestritten.

Montag, 25. Oktober 2010
Andrea Röpke

Im roten Backsteinbau „Lolo`s Hof“ in der Otto-Spielmann-Straße in Halberstadt fand am vergangenen Samstag der Bundeskongress des „Rings Nationaler Frauen“ (RNF) statt. Judith Rothe aus dem Mansfelder Land hatte die bundesweit anreisenden Frauen und Männer konspirativ ins „Zentrum der nationalen Bewegung“ geladen. Pressevertreter und Öffentlichkeit waren im 2009 eröffneten „Bürgerbüro“ der NPD nicht erwünscht.

Kurz vor Mittag an dem Samstag begann die Versammlung der NPD-Unterorganisation. Nach eigenen Angaben begrüßte die Bundesvorsitzende des RNF, Edda Schmidt aus Bisingen in Baden-Württemberg, die Anwesenden. Erstmalig wurde eine „Frau des Jahres“ gekürt. Die Ehrung ging wenig überraschend an Ursel Müller von der „Hilfsorganisation für nationale politische Gefangene und deren Angehörige“ (HNG). Im Rahmen eines drohenden Verbotsverfahrens waren vor wenigen Wochen zahlreiche Wohnungen von HNG-Anhängern durchsucht worden.

„Selbstlos für die nationale Sache“

Müllers Neonazi-Verein genießt mit seinen über 500 Mitgliedern vor allem Kultstatus innerhalb der militanten männlichen Szene. Auf der Gefangenenliste der HNG wird nur eine Frau aufgeführt. So steht neben einschlägigen Gewaltverbrechern wie dem Polizistenmörder Kay Diesner nur die wegen Holocaust-Leugnung verurteilte Anwältin Sylvia Stolz. Die Betreuungsarbeit dagegen wird seit Jahren maßgeblich von weiblichen Neonazis erledigt, sie wirken allerdings vorgeblich im Hintergrund. Der „Ring Nationaler Frauen“ würdigte die Mainzerin Ursel Müller als Frau, „die sich selbstlos für die nationale Sache hingibt“.

Edda Schmidt, die innerhalb der gesamten „Bewegung“ als äußerst reaktionär und völkisch gilt, war ehemalige Schriftleiterin der verbotenen „Wiking-Jugend“, sie wurde in ihrem Amt als Bundesvorsitzende bestätigt. Zu ihren Stellvertreterinnen wählten die Delegierten Judith Rothe, Direktkandidatin im kommenden Landtagswahlkampf in Sachsen-Anhalt, sowie die Chefin des NPD-Unterbezirks Oberweser, Ricarda Riefling. Zum weiteren Vorstand gehören Jennifer Bargiel, RNF-Vorsitzende aus Rheinland-Pfalz, Heidrun Walde, Vorzeige-Oma und Landtagswahlkampf-Kandidatin aus dem Salzland, die Brandenburgerin Stella Hähnel und Jasmin Apfel aus Sachsen, die den RNF einst aus Protest gemeinsam mit Gitta Schüßler zeitweilig verlassen hatte.

„Persönliche feministische Absichten“ vorgeworfen

Unter der Führung von ostdeutschen Frauen wie Gitta Schüßler, Landtagskandidatin der NPD in Sachsen, schien sich der RNF kurz nach seiner Gründung 2006 als eigenständige Gruppierung an der Seite der Männer behaupten zu wollen. Als Folge ihrer Kritik am Vorgehen männlicher NPD-Funktionäre nach den Kommunalwahlen in Mecklenburg-Vorpommern kam es im Sommer 2009 zum Sturz von Schüßler, ihr wurden „persönliche feministische Ansichten“ vorgeworfen. Es gab Spaltungstendenzen beim RNF. Der gemächlichen Hardlinerin Schmidt aus Baden-Württemberg gelang es, die Ehefrauen führender NPD- und Kameradschaftskader wieder unter einen Hut zu bekommen.

Wie sehr die Frauenorganisation der NPD unter den Fittichen der männlichen Strategen steht, ist auch an der Rednerliste beim diesjährigen Bundeskongress zu sehen: Ein Großteil der Redezeit wurde dem stellvertretenden Parteivorsitzenden Frank Schwerdt, dem Spitzenkandidaten der NPD in Sachsen-Anhalt Matthias Heyder, dem DVU-Vorsitzenden Matthias Faust sowie dem NPD-Landeschef aus Nordrhein-Westfalen Claus Cremer überlassen. Gemeinsam wurde zum Abschluss des Kongresses, kurz vor 20.00 Uhr, das „Lied der Deutschen“ gesungen, heißt es auf der RNF-Homepage.

„Erhalterinnen unseres Volkes“

Cremer, der mit der stellvertretenden Vorsitzenden der HNG und ehemaligen führenden Kameradschaftsaktivistin Daniela Wegener liiert ist, würdigte die Arbeit der Frauen mit folgenden Worten: „Der heutige Tag hat erneut gezeigt, dass in der NPD viele Frauen vertreten sind, die neben ihrer wichtigen und ehrenvollen Aufgabe als Mütter auch aktiv für die Interessen unserer Heimat eintreten. So sind diese Frauen nicht nur die Erhalterinnen unseres Volkes, sondern auch Kampfgefährtinnen im täglichen Einsatz für ein besseres Deutschland.“ Er endet mit der PR-Parole: „Deutschland ist eben auch Frauensache.“

Wie wenig Verantwortung Frauen tatsächlich bei der braunen „Aufbauarbeit“ übertragen wird, zeigte ein zeitgleiches Treffen am 23. Oktober im Szene-Treff „Zum Thingplatz“ in Sotterhausen. Auf dem ehemaligen Gasthof-Gelände von Judith Rothe und ihrem Partner Enrico Marx spielten zunächst nur die Söhne Fußball. Das Hoftor blieb fest verschlossen. Am Eingang zum Haus prangte ein Schild: „Deutsches Reichsgebiet“.

Gegen 15.00 Uhr trudelten an dem Samstag Kameradschaftsaktivisten aus dem gesamten Bundesland ein, unter anderem aus Stendal, Merseburg, Aschersleben, Magdeburg und auch aus dem thüringischen Schmalkalden-Meiningen. Die Vorbereitung des alljährlichen „Winterfests der Nationalen Bewegung“ am 6. November steht an. Unter den Anreisenden waren einige junge Frauen. Einige an der Hand von Glatzköpfen, andere folgten ihnen etwas verunsichert auf Abstand. Zwei junge Frauen reisten alleine an.

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