von Tim Schulz
   

"SS-Siggi" geht in Haft

Der bundesweit bekannte Neonazi Siegfried Borchardt soll heute eine Haftstrafe angetreten haben, wie ein rechtsextremes Szene-Portal berichtete. Borchardt ist mehrfach vorbestraft, auch wegen Gewaltverbrechen. In der jüngeren Vergangenheit kam es wiederholt zu polizeilichen Maßnahmen gegen die Neonaziszene in Dortmund.

Siegfried Borchardt muss mal wieder ins Gefängnis, diesmal wegen Beleidigung von Polizisten.

„Dortmund Echo“, ein rechtsextremes Onlineportal aus dem Umfeld der Partei Die Rechte, vermeldete heute den Haftantritt von Siegfried Borchardt. Der militante Neonazi war Mitte September wegen Beleidigung zunächst zu einer Geldstrafe verurteilt worden, die im Berufungsverfahren in eine viermonatige Haftstrafe umgewandelt wurde. Eine Aussetzung der Strafe zur Bewährung kam laut Staatsanwaltschaft nicht infrage, da Borchardt in der Vergangenheit wiederholt gegen Bewährungsauflagen verstieß. Hintergrund: Am Rande einer Privatfeier im Sommer 2017 beleidigte Borchardt mehrere Polizisten, die seine Personalien aufgrund einer Beschwerde von Anwohnern aufnahmen.

Bestätigt wurde die Meldung bisher nicht. Die Staatsanwaltschaft Dortmund war bis zum Veröffentlichungszeitpunkt nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.

Langjährige Neonazi-Ikone

Borchardt ist seit mehren Jahrzehnten als Neonazi aktiv. Beobachter rechneten ihn lange Zeit zu den prägenden Figuren der neonazistischen Szene Dortmunds. Die Stadt im Ruhrgebiet gilt als rechtsextremer Hotspot Westdeutschlands. Anfang der 80er Jahre gründete Siegfried Bochardt mit der „Borussenfront“ einen rechtsextremen Schlägertrupp, wirkte in der 1995 verbotenen Freiheitlichen Deutschen Arbeiter Partei (FAP) mit und baute im Laufe der 90er Kameradschaftsstrukturen in Dortmund auf. Seit 2012 ist der Rechtsextremist im Umfeld von Die Rechte aktiv, saß kurze Zeit für die Splitterpartei im Dortmunder Stadtrat. In den letzten Jahren wurde es allerdings zunehmend still um Borchardt. Szenekennern zufolge verfügt er kaum mehr über Einfluss in den lokalen Strukturen.

Im Laufe seiner „Karriere“ sammelte der 64-Jährige diverse Vorstrafen, die über Beleidigungen hinausgehen, etwa Landfriedensbruch oder schwere Körperverletzung. 

Wächst der Druck auf die Szene?

Borchardt ist nicht der erste Dortmunder Neonazi, der in den vergangenen Wochen in das Visier der Behörden geriet: Vor wenigen Tagen wurde bei einer Razzia im Stadtteil Dorstfeld Steven F. festgenommen. Der Rechtsextremist war laut den Justizbehörden an mehreren gewalttätigen Überfällen und Körperverletzungen beteiligt und bedrohte jüdische Mitbürger. Erst im Februar wurde zudem Sascha Krolzig, Co-Vorsitzender von Die Rechte, wegen Volksverhetzung und Beleidigung zu sechs Monaten Haft ohne Bewährung verurteilt. Auch diese Verurteilung hatte einen antisemitischen Hintergrund: Krolzig diffamierte den Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinde Herford/ Detmold. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Update, 11. Dezember

Mittlerweile hat die Staatsanwaltschaft Dortmund den Haftantritt bestätigt.

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