von Redaktion
   

"Deutsche Stimme": Sächsische NPD bald mit mehr Einfluss?

Der Einfluss der sächsischen NPD auf den "Deutsche Stimme"-Verlag wird sich Medienberichten zufolge erhöhen. In Zukunft sollen der NPD-Landtagsabgeordnete Andreas Storr und NPD-Fraktionsberater Peter Schreiber die Geschäftsführung übernehmen.

Dass sich der parteieigene Deutsche Stimme-Verlag in finanziellen Schwierigkeiten befindet, ist schon lange kein Geheimnis mehr. Der Rechenschaftsbericht weist für das Jahr 2010 einen Verlust von rund 35.000 Euro aus.

Der Verlag ist im sächsischen Riesa angesiedelt, in dem gleichen Gebäude unterhalten Bundesparteichef Holger Apfel und der sächsische NPD-Parlamentarier Jürgen Gansel ihr Bürgerbüro. Laut 50.000 Euro beim sächsischen Landesverband der NPD leihen. Diesen Anlass nutzten Holger Apfel und Udo Pästors aus, um sich persönlich Einfluss auf die Inhalte des Parteiorgans zu sichern.

So heißt es: „Die Gesellschafter beschließen hierüber hinaus, daß der neue Geschäftsführer auf der Grundlage des Geschäftsführeranstellungsvertrages zukünftig in enger Zusammenarbeit und bei wichtigen Entscheidungen unter Weisungsbefugnis des Parteivorsitzenden, Holger Apfel, oder seines Stellvertreters, Udo Pastörs, als ermächtigte Gesellschafter, seine Tätigkeit ausführen soll.“

Doch auch Bräuniger scheint es trotz der Anleihen nicht gelungen zu sein, den maroden Verlag zu sanieren. Ende September feierte er mit 200 Litern Freibier und einem Konzert der „Lunikoff-Verschwörung“ seinen Abschied.

Laut dem „Blick nach Rechts“ sollen nun Andreas Storr und Peter Schreiber die Geschäftsführung des Versandhandels übernehmen.

Andreas Storr ist darüber hinaus Abgeordneter im sächsischen Landtag und Bundesschatzmeister der NPD. Schreiber ist parlamentarischer Berater der NPD-Landtagsfraktion und vertritt die Partei im Stadtrat von Strehla sowie im Kreistag Meißen.

Schon allein diese Mehrfachbelastung deutet daraufhin, dass die NPD-Kader kein anderes kompetentes Personal zu finden scheinen, welches den Verlag aus der finanziellen Misere retten könnte.

Indem nun Personal der sächsischen NPD die Führung des Verlages übernimmt, erreicht Apfel noch ein weiteres Ziel. So kann die NPD-Führungsetage nämlich vermeiden, dass aus den Reaktionsstuben gegen ihre vermeintlich weichgespülte Linie geschossen wird.

Die von Apfel ausgerufene „seriöse Radikalität“ stößt an der großteils neonationalsozialistisch ausgerichteten Parteibasis auf wenig Gegenliebe – zumal zählbare Resultate in Form von neuen Mitgliedern, neuen Kooperationspartnern oder achtbaren Wahlergebnisse ausbleiben.

Der Konflikt zwischen dem „radikaleren“ und dem „gemäßigteren“ Parteiflügel sorgt auch in jüngster Zeit für verhärtete Fronten. Besonders in Sachsen und Bayern sagten sich radikale Neonazis von der Partei wegen ihrer „systemangepassten“ Richtung von der NPD los.

Die NPD ist und bleibt eine heterogene Partei mit ihrem bekannten Dilemma: Das „bürgerliche“ Auftreten als „Kümmerer“, um gute Wahlregenbisse zu erreichen, und der Straßenkampf mit subkulturellen Parteianhängern sind unvereinbar.


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