Deutsche Mütter-Fraktion

Der „Ring Nationaler Frauen“ in der NPD hat einen neuen Vorstand. Doch zwischen weiblicher Inszenierung und dem Alltag innerhalb der braunen Szene gibt es deutliche Widersprüche. Mit freundlicher Genehmigung des „blick nach rechts“ übernommen.

Freitag, 18. Mai 2012
Redaktion
Deutsche Mütter-Fraktion
Der Rücktritt von Edda Schmidt kam überraschend. Kurzfristig teilte die 64-jährige Vorsitzende des „Rings Nationaler Frauen“ (RNF) Anfang März dieses Jahres ihren Mitkämpferinnen mit, dass sie ihr Amt nicht länger bekleiden wolle. Zur kommissarischen Leiterin wurde zunächst RNF-Gründungsmitglied Judith Rothe aus Sotterhausen, die „Mutter des Verbandes“, ernannt. 

Beim Bundeskongress der NPD-Frauenorganisation Ende April in Halberstadt, unter Ausschluss der Öffentlichkeit abgehalten, standen Neuwahlen auf dem Plan. Die ehemalige Anführerin Schmidt aus Baden-Württemberg wurde als „Frau des Jahres gewürdigt. Als alleinige Kandidatin für den RNF-Vorsitz stellte sich schließlich Sigrid Schüssler aus dem unterfränkischen Laufach zur Wahl. Die diplomierte Schauspielerin, szenebekannt als „Hexe Ragna“, gehört seit 2008 dem Landesvorstand der Neonazi-Partei in Bayern sowie der Redaktion der „Deutschen Stimme“ an. Sie gilt als durchsetzungsfähig und durchaus auch autoritär. Mit drei Nein-Stimmen und einer Enthaltung wurde die vierfache Mutter gewählt.

Insgesamt formierte sich der Vorstand fast völlig neu, neben der nationalen Vorzeige-Rentnerin Heidrun Walde überraschte die Wahl der 2009 geschassten, ehemaligen RNF-Chefin Gitta Schüßler zur stellvertretenden Vorsitzenden. In Folge ihrer Kritik am NPD-Landesverband Sachsen als „Männersekte“, wegen des Verzichts einer Kandidatin auf ihr errungenes Kommunalmandat zugunsten eines männlichen Nachrückers, hatte die einflussreiche sächsische Landtagsabgeordnete ihren Posten verloren. Auch von den eigenen Kameradinnen wurden Schüßler „feministische Ansichten“ vorgeworfen. Erwartungsgemäß setzten sie sich nicht gegen den Willen der Herren für sie ein. Dennoch blieb Schüßler dem RNF treu, baute die Strukturen in Sachsen emsig mit aus und zog regional die Fäden.

Der Rollenzuteilung in der „Volksgemeinschaft“ untergeordnet

Tatsächlich stellt der „Ring Nationaler Frauen“ seit seiner Gründung 2006 keine eigenen frauenpolitischen Forderungen auf. Die vom damaligen „Mädelring Thüringen“ um Mareike Bielefeld und Isabell Pohl vor Jahren kurzzeitig gestellte Forderung nach einem „nationalen Feminismus“ griff der RNF niemals auf. Im Gegenteil: Die NPD-Unterorganisation ordnet sich voll dem biologistischen Weltbild und der Rollenzuteilung in der angestrebten homogenen „Volksgemeinschaft“ unter. Feminismus und Gleichberechtigung gelten unter nationalistischen Frauen als „Irrlehre“ und „krankhafter Wahn der Umerzogenen“.

An diesem antiquierten Geschlechterbild scheint auch der neue Vorstand des Frauenrings nicht zu rütteln. Neu gewählt wurden Maria Frank, die Lebensgefährtin des Berliner NPD-Chefs Sebastian Schmidtke, sowie Jasmin Apfel, die Ehefrau des Parteivorsitzenden Holger Apfel, und die bisher öffentlich nicht aufgefallene Gabi Zellmann aus Thüringen.

Auch wenn der RNF Einhelligkeit propagiert, fällt auf, dass wichtige Szene-Aktivistinnen wie Ricarda Riefling, Judith Rothe oder Stella Hähnel nicht mehr an führender Stelle aktiv scheinen. Obgleich Hähnel jetzt eine gemeinsame Postanschrift mit dem „Ring Nationaler Frauen“ und der „Gemeinschaft Deutscher Frauen“ (GDF) im „Thinghaus“ in Grevesmühlen angibt.

Marine Le Pen als großes Vorbild

Zu eng scheinen die drei mit der streitbaren Dirndlträgerin Edda Schmidt verbunden, die immer wieder auch intern moderne Attituden einiger Ost-Frauen kritisierte. Hinter verschlossenen Türen motzte Schmidt: „Selbst bei uns im RNF gibt es Frauen vor allem aus der ehemaligen so genannten DDR, die von den Verhältnissen noch belastet sind, die meinen, wenn man sich um häusliche Dinge kümmere“, man dann das „Heimchen am Herd verkörpert und das sei abzulehnen! Ich bin da etwas anderer Meinung“.

Jetzt könnte sich ein Teil dieser Fraktion durchgesetzt haben. Immerhin gilt die sächsische Sektion des RNF um Gitta Schüßler, Jasmin Apfel und Katrin Köhler als eine der aktivsten. Mag sich die Zwickauerin Schüßler auch bei offiziellen Parteianlässen geläutert und zurückhaltend zeigen, im Internet verhehlt die Neonazistin emanzipatorische Ansätze weniger. Auf die Anmerkung einer Kameradin, Erziehung sei ein „Naturgesetz und keine Arbeit“, bemerkte sie rigoros: Es gehe doch vor allem um die Möglichkeit der „Wahlfreiheit“ für Frauen, frei zu entscheiden, ob sie arbeiten gehen und das Kleinkind zur Fremdbetreuung geben möchten.

Voller Lobes sind die neue RNF-Vorsitzende Sigrid Schüssler – wie auch ihre Stellvertreterin Gitta Schüßler – inzwischen für die rechtsextreme französische Präsidentschaftskandidatin Marine le Pen, der Vorsitzenden des Front National. „Sensationelle Marine“ heißt es auf der RNF-Homepage, die nationalistische Französin verstehe es „in perfekter Weise“, „Weiblichkeit mit knallharten politischen Zielen zu verbinden“. So verlange sie „rigorose Kürzungen bei der Sozialhilfe für Nichtfranzosen“ oder ein Referendum zur Wiedereinführung der Todesstrafe, was eine der RNF-Anführerinnen zu einem: „Marine le Pen ist mein großes Vorbild“ beflügelt. Über deren „Frausein“ und das nicht vorhandene „Emanzipationsgefasel“ von Marine Le Pen begeistert sich die neue RNF-Vorsitzende.

Abverlangt werden Opferbereitschaft und Unterwürfigkeit

Sexismus und Gewalt gegen Frauen sind keine offenen Themen innerhalb der Neonazi-Szene.  Propagiert wird gern die scheinbar heile Welt deutscher Familien. Sogar der Parteivorsitzende Holger Apfel geht verstärkt mit einer lächelnden, blonden Familie auf Wählerfang.

Doch der braune Alltag sieht oft anders aus: Überforderte junge Mütter, wenig Geld, Ehemänner, die sich kaum um die eigenen Kinder kümmern, Stiefkinder ablehnen und ihren Frauen wenig Raum zur freien Entfaltung lassen. Zwar spielen Mädchen und Frauen in den Szene-Kampagnen gegen den deutschen „Volkstod“ eine Rolle und ernten als deutsche Mütter breite Anerkennung, doch werden ihnen typische NS-Attribute wie Opferbereitschaft, Pflichterfüllung und Unterwürfigkeit abverlangt.

Nicht nur hinter vorgehaltener Hand wird über die wenigen führenden Frauen innerhalb von NPD und „Freien Kameradschaften“ gelästert. Oft gehen Bemerkungen auch unter die Gürtellinie. Zuletzt im Falle der im Februar wiedergewählten NPD-Landesvorsitzenden von Rheinland-Pfalz, Dörthe Armstroff. Bei Facebook ließen sich zwei Neonazis über die umstrittene Aktivistin aus, sie verhöhnten sie als Sexobjekt, unterstellten ihr Untreue und Faulheit. Der eine, ein szenebekannter Kameradschaftsaktivist aus Ludwigshafen schrieb abschließend: „Naja, wo der Teufel machtlos ist schickt er das Weib... Mehr sag ich nicht mehr zu LV RLP!“ (Fehler im Original).

„Häusliche Gewalt ganz rechts“


Zwischen Wirklichkeit und nationaler Außendarstellung liegen oft Welten. So scheiterte kürzlich auch Ricarda Riefling an der eigenen Inszenierung. Die Niedersächsin, vierfache Mutter und eine der ganz wenigen Neonazistinnen, die es bisher bis in den Bundesvorstand der NPD geschafft haben, sorgte jüngst für ungewollte Schlagzeilen.

„Häusliche Gewalt ganz rechts“ titelte die „Hildesheimer Allgemeine Zeitung“ am 17. März dieses Jahres über einen Zweispalter. Die Zeitung berichtete, das rechtsextreme Ehepaar Riefling habe sich einen handgreiflichen Streit geliefert, bei dem die Polizei anrücken musste. Eine Tochter des NPD-Paares wählte den Notruf, weil ihre Eltern sich prügelten und aufeinander losgingen. Der Oberstaatsanwalt Bernd Seemann bestätigte gegenüber dem Lokalmedium, dass sowohl gegen den mehrfach verurteilten 43-Jährigen als auch gegen seine 14 Jahre jüngere Ehefrau als Beschuldigte ein Körperverletzungsverfahren geführt werde.

Foto: Screenshot ring-nationaler-frauen.de
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