von Redaktion
   

Deutsche Mütter-Fraktion

Der „Ring Nationaler Frauen“ in der NPD hat einen neuen Vorstand. Doch zwischen weiblicher Inszenierung und dem Alltag innerhalb der braunen Szene gibt es deutliche Widersprüche. Mit freundlicher Genehmigung des „blick nach rechts“ übernommen.

Der Rücktritt von Edda Schmidt kam überraschend. Kurzfristig teilte die 64-jährige Vorsitzende des „Rings Nationaler Frauen“ (RNF) Anfang März dieses Jahres ihren Mitkämpferinnen mit, dass sie ihr Amt nicht länger bekleiden wolle. Zur kommissarischen Leiterin wurde zunächst RNF-Gründungsmitglied Judith Rothe aus Sotterhausen, die „Mutter des Verbandes“, ernannt. 

Beim Bundeskongress der NPD-Frauenorganisation Ende April in Halberstadt, unter Ausschluss der Öffentlichkeit abgehalten, standen Neuwahlen auf dem Plan. Die ehemalige Anführerin Schmidt aus Baden-Württemberg wurde als „Frau des Jahres gewürdigt. Als alleinige Kandidatin für den RNF-Vorsitz stellte sich schließlich Sigrid Schüssler aus dem unterfränkischen Laufach zur Wahl. Die diplomierte Schauspielerin, szenebekannt als „Hexe Ragna“, gehört seit 2008 dem Landesvorstand der Neonazi-Partei in Bayern sowie der Redaktion der „Deutschen Stimme“ an. Sie gilt als durchsetzungsfähig und durchaus auch autoritär. Mit drei Nein-Stimmen und einer Enthaltung wurde die vierfache Mutter gewählt.

Insgesamt formierte sich der Vorstand fast völlig neu, neben der nationalen Vorzeige-Rentnerin Heidrun Walde überraschte die Wahl der 2009 geschassten, ehemaligen RNF-Chefin Gitta Schüßler zur stellvertretenden Vorsitzenden. In Folge ihrer Kritik am NPD-Landesverband Sachsen als „Männersekte“, wegen des Verzichts einer Kandidatin auf ihr errungenes Kommunalmandat zugunsten eines männlichen Nachrückers, hatte die einflussreiche sächsische Landtagsabgeordnete ihren Posten verloren. Auch von den eigenen Kameradinnen wurden Schüßler „feministische Ansichten“ vorgeworfen. Erwartungsgemäß setzten sie sich nicht gegen den Willen der Herren für sie ein. Dennoch blieb Schüßler dem RNF treu, baute die Strukturen in Sachsen emsig mit aus und zog regional die Fäden.

Der Rollenzuteilung in der „Volksgemeinschaft“ untergeordnet

Tatsächlich stellt der „Ring Nationaler Frauen“ seit seiner Gründung 2006 keine eigenen frauenpolitischen Forderungen auf. Die vom damaligen „Mädelring Thüringen“ um Mareike Bielefeld und Isabell Pohl vor Jahren kurzzeitig gestellte Forderung nach einem „nationalen Feminismus“ griff der RNF niemals auf. Im Gegenteil: Die NPD-Unterorganisation ordnet sich voll dem biologistischen Weltbild und der Rollenzuteilung in der angestrebten homogenen „Volksgemeinschaft“ unter. Feminismus und Gleichberechtigung gelten unter nationalistischen Frauen als „Irrlehre“ und „krankhafter Wahn der Umerzogenen“.

An diesem antiquierten Geschlechterbild scheint auch der neue Vorstand des Frauenrings nicht zu rütteln. Neu gewählt wurden Maria Frank, die Lebensgefährtin des Berliner NPD-Chefs Sebastian Schmidtke, sowie Jasmin Apfel, die Ehefrau des Parteivorsitzenden Holger Apfel, und die bisher öffentlich nicht aufgefallene Gabi Zellmann aus Thüringen.

Auch wenn der RNF Einhelligkeit propagiert, fällt auf, dass wichtige Szene-Aktivistinnen wie Ricarda Riefling, Judith Rothe oder Stella Hähnel nicht mehr an führender Stelle aktiv scheinen. Obgleich Hähnel jetzt eine gemeinsame Postanschrift mit dem „Ring Nationaler Frauen“ und der „Gemeinschaft Deutscher Frauen“ (GDF) im „Thinghaus“ in Grevesmühlen angibt.

Marine Le Pen als großes Vorbild

Zu eng scheinen die drei mit der streitbaren Dirndlträgerin Edda Schmidt verbunden, die immer wieder auch intern moderne Attituden einiger Ost-Frauen kritisierte. Hinter verschlossenen Türen motzte Schmidt: „Selbst bei uns im RNF gibt es Frauen vor allem aus der ehemaligen so genannten DDR, die von den Verhältnissen noch belastet sind, die meinen, wenn man sich um häusliche Dinge kümmere“, man dann das „Heimchen am Herd verkörpert und das sei abzulehnen! Ich bin da etwas anderer Meinung“.

Jetzt könnte sich ein Teil dieser Fraktion durchgesetzt haben. Immerhin gilt die sächsische Sektion des RNF um Gitta Schüßler, Jasmin Apfel und Katrin Köhler als eine der aktivsten. Mag sich die Zwickauerin Schüßler auch bei offiziellen Parteianlässen geläutert und zurückhaltend zeigen, im Internet verhehlt die Neonazistin emanzipatorische Ansätze weniger. Auf die Anmerkung einer Kameradin, Erziehung sei ein „Naturgesetz und keine Arbeit“, bemerkte sie rigoros: Es gehe doch vor allem um die Möglichkeit der „Wahlfreiheit“ für Frauen, frei zu entscheiden, ob sie arbeiten gehen und das Kleinkind zur Fremdbetreuung geben möchten.

Voller Lobes sind die neue RNF-Vorsitzende Sigrid Schüssler – wie auch ihre Stellvertreterin Gitta Schüßler – inzwischen für die rechtsextreme französische Präsidentschaftskandidatin Marine le Pen, der Vorsitzenden des Front National. „Sensationelle Marine“ heißt es auf der RNF-Homepage, die nationalistische Französin verstehe es „in perfekter Weise“, „Weiblichkeit mit knallharten politischen Zielen zu verbinden“. So verlange sie „rigorose Kürzungen bei der Sozialhilfe für Nichtfranzosen“ oder ein Referendum zur Wiedereinführung der Todesstrafe, was eine der RNF-Anführerinnen zu einem: „Marine le Pen ist mein großes Vorbild“ beflügelt. Über deren „Frausein“ und das nicht vorhandene „Emanzipationsgefasel“ von Marine Le Pen begeistert sich die neue RNF-Vorsitzende.

Abverlangt werden Opferbereitschaft und Unterwürfigkeit

Sexismus und Gewalt gegen Frauen sind keine offenen Themen innerhalb der Neonazi-Szene.  Propagiert wird gern die scheinbar heile Welt deutscher Familien. Sogar der Parteivorsitzende Holger Apfel geht verstärkt mit einer lächelnden, blonden Familie auf Wählerfang.

Doch der braune Alltag sieht oft anders aus: Überforderte junge Mütter, wenig Geld, Ehemänner, die sich kaum um die eigenen Kinder kümmern, Stiefkinder ablehnen und ihren Frauen wenig Raum zur freien Entfaltung lassen. Zwar spielen Mädchen und Frauen in den Szene-Kampagnen gegen den deutschen „Volkstod“ eine Rolle und ernten als deutsche Mütter breite Anerkennung, doch werden ihnen typische NS-Attribute wie Opferbereitschaft, Pflichterfüllung und Unterwürfigkeit abverlangt.

Nicht nur hinter vorgehaltener Hand wird über die wenigen führenden Frauen innerhalb von NPD und „Freien Kameradschaften“ gelästert. Oft gehen Bemerkungen auch unter die Gürtellinie. Zuletzt im Falle der im Februar wiedergewählten NPD-Landesvorsitzenden von Rheinland-Pfalz, Dörthe Armstroff. Bei Facebook ließen sich zwei Neonazis über die umstrittene Aktivistin aus, sie verhöhnten sie als Sexobjekt, unterstellten ihr Untreue und Faulheit. Der eine, ein szenebekannter Kameradschaftsaktivist aus Ludwigshafen schrieb abschließend: „Naja, wo der Teufel machtlos ist schickt er das Weib... Mehr sag ich nicht mehr zu LV RLP!“ (Fehler im Original).

„Häusliche Gewalt ganz rechts“


Zwischen Wirklichkeit und nationaler Außendarstellung liegen oft Welten. So scheiterte kürzlich auch Ricarda Riefling an der eigenen Inszenierung. Die Niedersächsin, vierfache Mutter und eine der ganz wenigen Neonazistinnen, die es bisher bis in den Bundesvorstand der NPD geschafft haben, sorgte jüngst für ungewollte Schlagzeilen.

„Häusliche Gewalt ganz rechts“ titelte die „Hildesheimer Allgemeine Zeitung“ am 17. März dieses Jahres über einen Zweispalter. Die Zeitung berichtete, das rechtsextreme Ehepaar Riefling habe sich einen handgreiflichen Streit geliefert, bei dem die Polizei anrücken musste. Eine Tochter des NPD-Paares wählte den Notruf, weil ihre Eltern sich prügelten und aufeinander losgingen. Der Oberstaatsanwalt Bernd Seemann bestätigte gegenüber dem Lokalmedium, dass sowohl gegen den mehrfach verurteilten 43-Jährigen als auch gegen seine 14 Jahre jüngere Ehefrau als Beschuldigte ein Körperverletzungsverfahren geführt werde.

Foto: Screenshot ring-nationaler-frauen.de

Kommentare(9)

BRB Freitag, 18.Mai 2012, 12:19 Uhr:
So etwas gibt es natürlich nur bei den sogenannten "Nazis".Wahrscheinlich sind alle Frauen, die in den Frauenhäusern leben, Opfer ihrer Nazi Ehemänner geworden.Wieder einmal eine Lüge des Antirechts Rotfrontkämpferbundes.Denn offizielle Verfassungsschutzberichte besagen das durch eure Linken Antifanten viel mehr Gewalttaten begangen werden als von rechts.Es wird Zeit Endstation Links zu gründen und sich genau wie diese ganzen Antirechts Vereine sich mit Millionen Euros von Steuergeldern alimentieren lassen.Ihr solltet euch mal an diese Behörde wenden http://www.verfassungsschutz.de/de/arbeitsfelder/af_linksextremismus/aussteigerprogramm_links/
 
Columbin Freitag, 18.Mai 2012, 15:19 Uhr:
Die Frau auf dem Foto sieht aus wie eine Chinesin...
 
Amtsträger Freitag, 18.Mai 2012, 16:46 Uhr:
Lieber BRB,

erst stellen Sie selbst eine Behauptung auf, die so nicht im Artikel wiederzufinden ist.

Niemand hat behauptet häusliche Gewalt existiert nur bei Rechtsextremisten!

Dann kritisieren Sie genau diese Behauptung als Lüge, um dann weitere unsachliche Kommentare darüber abzulassen.

Die Alimentation von Aussteigerprogrammen begründet sich übrigens nicht an der Anzahl rechtsextremer Straftaten, sondern an deren Schwere.

Ohnehin ist ein Vergleich von linker und rechter PMK aufgrund der absolut unterschiedlichen Phänomenologie Unsinn.
 
Björn Freitag, 18.Mai 2012, 19:12 Uhr:
@Columbin

Endstation berichtete darüber vor einiger Zeit. Der RNF hatte wohl eine neue Netzaddresse bekommen und die alte hat irgendeine Partnervermittlung genommen. Daher ist das Bild.
 
WW Freitag, 18.Mai 2012, 21:24 Uhr:
BRB, wollten Sie uns irgendetwas mitteilen?
 
Steiner Samstag, 19.Mai 2012, 04:22 Uhr:
„Häusliche Gewalt ganz rechts“ titelte die „Hildesheimer Allgemeine Zeitung“ am 17. März dieses Jahres über einen Zweispalter.

Wenn Zeitungen schon so einen Mist schreiben ist es doch kein Wunder das viele denken das Gewalt überwiegend von Rechts kommt und das auch noch dazu als Häusliche Gewalt,aber von Schmierenblättern erwartet man ja nichts anderes außer Lügen!
 
Chewie Samstag, 19.Mai 2012, 04:43 Uhr:
@ BRB:

"So etwas gibt es natürlich nur bei den sogenannten "Nazis"."

Hat das irgendwer behauptet?

"Wahrscheinlich sind alle Frauen, die in den Frauenhäusern leben, Opfer ihrer Nazi Ehemänner geworden."

Auch das hat niemand gesagt.

"Wieder einmal eine Lüge des Antirechts Rotfrontkämpferbundes."

Die einzige Lüge, die ich hier erkennen kann, ist die Unterstellung von Ansichten, die Sie sich selbst zurechtfanatasiert haben.

"Denn offizielle Verfassungsschutzberichte besagen das durch eure Linken Antifanten viel mehr Gewalttaten begangen werden als von rechts."

Diese offiziellen Berichte zu verlinken oder die Quelle anzugeben, kommt Ihnen aber nicht in den Sinn? Haben Sie sich das wieder ausgedacht, so wie Ihre Eingangsbehauptungen auch? Oder scheuen Sie sich davor, sich im einzelnen mit den Qualitäten der Gewalttaten auseinanderzusetzen?

"Es wird Zeit Endstation Links zu gründen"

Niemand hält Sie davon ab.

"und sich genau wie diese ganzen Antirechts Vereine sich mit Millionen Euros von Steuergeldern alimentieren lassen."

Achsoo, Sie wollen GELD. Wie idealistisch. Und auch gleich Millionen.

"Ihr solltet euch mal an diese Behörde wenden http://www.verfassungsschutz.de/de/arbeitsfelder/af_linksextremismus/aussteigerprogramm_links/ "

Warum? Und was hat mit Ihrem vorrausgehenden Geschwurbel zu tun?
 
Amtsträger Samstag, 19.Mai 2012, 11:09 Uhr:
Der Steiner möchte sich auch in die Opferrolle begeben...

IMich würde ja interessieren wie der angesprochene Artikel weiter geht. Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit wird dort das Phänomen häusliche Gewalt nicht auf Rechtsextremisten begrenzt...
 
WW Samstag, 19.Mai 2012, 13:34 Uhr:
Steiner, können Sie uns bzgl. des Vergleichs der "Hildesheimer Allgemeinen Zeitung" und "Nationalzeitung" einmal erläutern, was ein "Schmierblatt" ist?
 

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