von Mathias Brodkorb
   

Der Moritz Schwarz der 'Sezession'? Umstrittener Jungjournalist wird Kubitscheks Chef-Interviewer

Pünktlich zum Jahreswechsel macht sich Götz Kubitschek in der aktuellen Ausgabe der "Sezession" Gedanken über die Zukunft seiner "metapolitische(n) Zeitschrift von rechts". Er kündigt dabei nicht nur eine Erweiterung der Redaktion, sondern auch die Etablierung einer Interviewrubrik an. Diese soll dabei in Zukunft vom umstrittenen Nachwuchsautor Martin Böcker gespeist werden.

Böcker war in jüngerer Vergangenheit vor allem als Interviewer neu-rechter Intellektueller sowie als Kolumnist des Blogs der rechtskonservativen Wochenzeitung "Junge Freiheit" (JF) in Erscheinung getreten. Seit dem 3. Dezember 2009 schreibt er nun auch für das Blog der neu-rechten Theoriezeitschrift "Sezession".  Seine Diskussionsbeiträge auf www.sezession.de blieben dabei insbesondere in den eigenen Reihen keinesfalls unwidersprochen. Seine sich gegen das lamoryante rechte Teilsegment richtenden spitzen Bemerkungen lösten nicht nur hitzige Kommentare aus, sondern riefen ausdrücklich Widerspruch hervor. Während Böcker Integration grundsätzlich für machbar und die Lage für rettbar hält und er in Richtung Kubitschek davor warnt, sich besser nicht "in politisch nicht durchsetzbaren Planspielen über die Abwanderung von Ausländern um Kopf und Kragen zu schreiben", brauchte JF-Autor Martin Lichtmesz nur einen Tag, um dies alles für einen "fatale(n) Irrtum" zu halten und zu warnen: "Die Deutschen sind heute nicht einmal imstande, sich selbst eine Identität zu geben, geschweige denn irgendjemand andern." Was also solle "Integration" unter solchen Umständen eigentlich noch bedeuten?

Und auch Kubitschek hatte - nach Böckers zweitem Beitrag - vorerst die Nase davon voll, von diesem "jungen Mann" die Welt erklärt zu bekommen. "Qualitätssicherung und Zurückweisung sollte auf dem Felde der Publizistik streng betrieben werden – zumal, wenn es sich um das Netz-Tagebuch der schönsten, besten und wahrsten Rechten handelt", merkte er in etwas gereiztem Ton vor ein paar Tagen an. Bis an den Rand der "Respektlosigkeit" gingen seine Beiträge, deren Wirksamkeit sich letztlich der jahrelangen Arbeit im Kleinen verdankten, die andere geleistet hätten. "Und nun, um es kurz zu machen: Böcker überschätzt sich und uns alle mit (damit meine ich: unser Volk), und er kennt auf der anderen Seite den Respekt vor dem alltäglichen Leben noch nicht (so scheint es jedenfalls). (...) Er wettert zurecht gegen die Prediger der Aussichtslosigkeit und sieht den Ausweg doch nur dort, wo wiederum ich von einer totalen Kapitulation sprechen möchte – in der Akzeptanz der Überfremdung."

Dieser streitbare junge Mann soll nun also - als "linker Flügel der Neuen Rechten" sozusagen - für die Druckausgabe der "Sezession" arbeiten. In jedem Heft ein Böcker-Interview - kündigt Kubitschek an. Zuerst erscheint allerdings eine Sonderausgabe der "Sezession" von bereits geführten Gesprächen Böckers mit Kubitschek, Lehnert, Weißmann und Lichtmesz - Dieter Stein hingegen ist als Herausgeber von "Junge Freiheit" (JF) auffälligerweise nicht dabei, obwohl Böcker auch mit ihm sprach - und zwar zuerst.

Ob daraus allerdings etwas Dauerhaftes werden kann, darf man zumindest bezweifeln. Kubitschek gibt Böcker vorerst allerdings noch jede Menge Kredit: "Das Gute an den jungen Männern ist, daß sie ihre Lebenserfahrung noch vor sich haben und daß sie dabei hoffentlich begreifen, wieviel Anstrengung es kostet, etwas zu schaffen, zu erhalten und weiterzugeben. Der Respekt davor stellt sich nur bei Rüpeln nicht von selber ein." Die Erweiterung der Redaktion um Siegfried Gerlich, Frank Lisson und nicht zuletzt Martin Lichtmesz verspricht zumindest für das Publikum interessante Kontroversen. Wir nehmen schon mal die Plätze ein.

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