von Redaktion
   

Der III. Weg-Hobbypolitiker will in den Kreistag - und erhält Unterstützung von Neonazi-Terrorist Wiese

Nach eigenen Angaben schickt die Neonazi-Kleinstpartei Der Dritte Weg (III. Weg) ihren Vorsitzenden Klaus Armstroff am 25. Mai in Bad Dürkheim in das Rennen um ein Kreistagsmandat. Damit versuchen die Hobbypolitiker erstmals parlamentarisch Fuß zu fassen. Unterdessen gründete die Splitterpartei einen Stützpunkt in München. Zu der Veranstaltung steuerte der verurteilte Neonazi-Terrorist Martin Wiese eine Rede bei.

Der Dritte Weg marschiert in Wunsiedel (Foto: Thomas Witzgall)

„Wählt deutsch!“ steht in großen Lettern auf den Wahlplakaten des Vorsitzenden der Neonazi-Kleinstpartei „Der Dritte Weg“ (III. Weg) zu den Kreistagswahlen im rheinland-pfälzischen Bad-Dürkheim. Das Ziel ist damit klar umrissen. Der örtliche Stützpunkt habe, so Bundeschef Klaus Armstroff, die benötigten 250 Unterstützungsunterschriften innerhalb kürzester Zeit gesammelt. Diese würden nun geprüft und dann dem zuständigen Wahlleiter übergeben. Einem Wahlantritt am 25. Mai stehe nichts entgegen.

Die Kriegskasse der laut Eigenbeschreibung „jungen, nationalrevolutionären Partei“ scheint nicht üppig gefüllt. Um die hunderte angekündigten Werbemotive an den Laternenmasten bringen zu können, lassen die Hobbypolitiker bei ihren Veranstaltungen die Spendenbüchse kreisen. Bei einem Kegelturnier, bei dem die Führter „Böse-Banden-Bande“ gegen „Die Nationalen“ aus Nürnberg und Umgebung antrat, sei ein stattlicher Betrag zusammengekommen. Dieser solle nun in den Wahlkampf in Bad-Dürkheim fließen, teilte die Partei auf ihrer Webseite mit.

Offensichtlich reichen die Mitgliederbeiträge, die sich laut Finanzordnung auf mindestens 6,00 Euro im Monat belaufen, hierfür nicht aus. Zukünftige Mandatsträger – aber auch Minister, Staatssekretäre oder sonstige Wahlbeamte aus den Reihen des III. Weges (!) – möchte die Partei zur Kasse bitten, und zwar nicht zu knapp. Diese sollen gleich 70 Prozent ihrer Zuwendungen an die Neonazis abführen.

Neonazi-Kleinstpartei peilt Kreistagsmandat an

Mit ihrer Kandidatur in Bad Dürkheim versucht der III. Weg, der laut Parteiprogramm für einen „deutschen Sozialismus“ eintritt, parlamentarisch Fuß zufassen. In der gut 18.000 Einwohner zählenden Stadt konnte der Elektriker Amstroff, der in der Vergangenheit vor allem mit revisionistischen Formulierungen aufgefallen war, zuvor als Vertreter der NPD Erfahrung sammeln. Derzeit gehört der 56-Jährige, der noch zur letzten Bundestagswahl auf dem Ticket der NPD für den „Reichstag“ kandidierte, dem Kreistag als parteiloser Abgeordneter an. Bis vor wenigen Monaten war er außerdem im NPD-Landesvorstand aktiv, der damals von seiner Frau Dörthe geleitet wurde. Bis sie im vergangenen Sommer eine Machtprobe gegen den Pirmasenser Stadtrat Markus Walter verlor, der ihr auf dem Chefsessel nachfolgte. Privat betreibt die Familie Armstroff ein Gästehaus, in dem eine Ferienwohnung gemietet werden kann.

Bayerische Neonazis haben den III. Weg unterdessen als mögliches Auffangbecken entdeckt, sollte es zu einem Verbot ihrer Netzwerkstruktur „Freies Netz Süd“ (FNS) kommen. Damit folgen sie dem Beispiel der „Kameraden“ aus Nordrhein-Westfalen, die nach dem Verbot ihrer Kameradschaften in der von Christian Worch gegründeten Partei Die Rechte eine neue politische Heimat gefunden haben. Bei der Gründung des Stützpunktes München vor wenigen Tagen brachte der FNS-Führungskader und frühere Aktivist der verbotenen „Fränkischen Aktionsfront“ (F.A.F) Matthias Fischer die nach Parteiangaben 70 anwesenden Sympathisanten auf Linie.

Neonazi-Terrorist und III. Weg-Unterstützer Martin Wiese; Foto: Rüdiger Löster

Unterstützung erhielt der Ex-Landeschef der NPD-Parteijugend Junge Nationaldemokraten (JN), der auf seinem Kopf in Form eines „Aryan Hope“-Tattoos seine Gesinnung trägt, von dem verurteilten Neonazi-Terroristen Martin Wiese. 2003 waren dessen Anschlagspläne auf die Grundsteinlegung der Münchner Synagoge aufgeflogen, als „Rädelsführer“ wanderte er u. a. wegen Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung für sieben Jahre hinter Schloss und Riegel.

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