„Der III. Weg“ expandiert im Sauerland

Die braune Splitterpartei rührt derzeit die Werbetrommel für den „Tag der Heimatreue“ am 8. August in Olpe. In Siegen haben die Neonazis ein Parteibüro eröffnet.

Freitag, 17. Juli 2020
Horst Freires

Beim „III. Weg“ hat man sich Olpe im Sauerland als vorrangige Aktionsregion auserkoren. Laut jüngst veröffentlichtem Verfassungsschutzbericht von Nordrhein-Westfalen werden der Minipartei in dem Bundesland insgesamt 35 Mitglieder zugerechnet. Mit der regional konzentrierten Offensive des „Stützpunktes Sauerland“ verbunden ist vor allem die Person Julian Bender, der aus Olpe kommt und als Gebietsleiter West fungiert. Den „Tag der Heimattreue“ verstehen Bender & Co. als eigenes Schaufenster, in dem sie sich öffentlich präsentieren möchten.

Infostände und Musikbeiträge

2018 war es die erste Werbeveranstaltung dieser Art, die „Der III. Weg“ in einem westdeutschen Bundesland auf die Straße brachte und nicht in Thüringen, Sachsen oder Brandenburg. Im vergangenen Jahr wurde dann dort in Straßenfestmanier angeknüpft. Eine Fortsetzung war ausgemachte Sache, denn die Anmeldung für das nun anstehende Happening am 8. August erfolgte bereits 2019.

Der parteiinterne Stellenwert zeigte sich im Vorjahr durch die Anwesenheit des Bundeschefs des „III. Wegs“ Klaus Armstroff, begleitet von weiteren Parteikadern wie Matthias Fischer oder Mario Matthes. Das Programm am 8. August sieht Infostände, Mitmach-Aktivitäten, Selbstverteidigungskurse der parteieigenen Arbeitsgruppe „Körper & Geist“, Handwerkermarkt und Reden vor. Wie schon fast üblich soll es dazu auch Musikbeiträge geben. Dafür werden der Rapper „Makss Damage“ (Julian Fritsch), der parteiinterne Liedermacher „Studio Drei“ (Andreas Schüßler) sowie die Liedermacherin „Varghona“ (Franzy Schulz) angekündigt.

Braunes Gedenken für nächsten März angemeldet

Zum Jahrestag der Bombardierungen durch Alliierte reklamiert Neonazi-Partei inzwischen ein eigenes instrumentalisiertes Gedenken in Olpe. Für die braune Geschichtsaufarbeitung mit Datum 28. März wurde bereits für nächstes Jahr eine Veranstaltungsmeldung bei der Stadt eingereicht.

Neben Olpe will „Der III. Weg“ vor allem im 30 Kilometer entfernten Siegen seine dort schon zuvor zu beobachtende Graswurzelarbeit fortsetzen. Deshalb wurde gerade ein offizielles Parteibüro eröffnet. Siegen ist bereits seit Jahrzehnten ein Neonazi-Hotspot, ob zu Zeiten von „Freiheitlicher Arbeiterpartei“ (FAP) oder der „Sauerländer Aktionsfront“. Ein Grund für die Standortauswahl dürfte auch die seit 1990 bestehende offizielle Städtepartnerschaft zwischen Siegen und Plauen sein. In Plauen hat „Der III. Weg“ bereits Parteibüros und stellt eine feste Größe im neonazistischen Spektrum dar. Das „III. Weg“-Büro in Siegen ist eine Provokation. Einer ersten Demonstration des Bündnisses „Siegen gegen Rechts“ mit 1000 Teilnehmern soll weiteres pro-aktives Handeln folgen.

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