von Robert Scholz
   

Der Extremismus der Mitte

Beim Störungsmelder ist ein interessantes Anschauungsbeispiel veröffentlicht worden, wie die der Politikwissenschaft entstammende Extremismustheorie in Bausch und Bogen verdammt werden kann, weil sie soziologisch kaum Erklärungen liefert.

Lässt man die Kritik an der Extremismustheorie beiseite, findet man in dem Aufsatz von Benjamin Mayer und Ulf Meyer-Rewerts eine sehr gut lesbare Etymologie des Terminus „Extremismus der Mitte“.

Kommentare(1)

Jerry Sonntag, 23.Januar 2011, 15:05 Uhr:
Ich glaub, ich habs schon mal geschrieben, tu es aber problemlos nochmals.
Die Einordnung in "links" und "rechts" ist nicht als materielle Gesellschaftsanalyse zu begreifen, sondern in Bezug auf politische Programmatik. Insofern ist es selbstverständlich falsch, extremistisch-rechte oder -linke Modelle nur in gesellschaftlichen Randgruppen zu verorten. Daß die (zumindest jetzt von mir angenommenen) Katalysatoren für die jeweilige Richtung, nach rechts drängende Angst und nach links drängende subjektiv wahrgenommene Not, in jedem Milieu auftreten können, ist selbstverständlich.

Fundamental für die Extremismustheorie ist aber sicher nicht die Herkunft der Wählerschaften, sondern die Ausrichtung gegenüber dem herrschenden System, in unserem Fall also der sozialen, rechtsstaatlichen und föderalen Demokratie (in nichtdemokratischen Staaten sind wiederrum z.B. auf Demokratie abzielende Gruppierungen extremistisch, was gerne unbeachtet gelassen wird).
Wo das Freiheitsprinzip fundamental zugunsten eines Kollektivs abgelehnt wird, spricht man von Linksextremismus.
Wo das Prinzip der (rechtlichen) Gleichheit von Gruppen und der Menschen im allgemeinen verneint wird, handelt es sich um Rechtsextremismus.

Sollte es einen Mittelextremismus geben, muß sich auch dieser politisch, und nicht sozial, begründen lassen. Eine massive Einschränkung der Parteienvielfalt bis hin zum Einparteienstaat auf der Basis strengster Systemkonformität (jeder Zweifel an der Verfassung führt zum Verbot) wäre mittelextremistisch.
Ob die in radikalen Teilen z.B. der FDP vorhandenen Strömungen, ein Zensuswahlrecht einzuführen oder das Sozialstaatsprinzip gänzlich aufzugeben, als mittel- oder rechtsextrem zu betrachten sind, ist Ansichtssache.

Kurz und gut, eine Studie, die Bekanntes wiederholt, und den Kern der Sache komplett verpaßt.
 

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