von Thomas Witzgall
   

Der Dritte Weg: Matthias Fischer neuer Parteivorsitzender

Die Neonazi-Partei Der Dritte Weg wird laut Parteikreisen nun vom langjährigen Neonazi-Kader Matthias Fischer geführt. Er löste den Gründungsvorsitzenden der Kleinstpartei, den früheren NPD-Funktionär Klaus Armstroff ab, der selbst Stellvertreter wird. Eine reine Rochade an der Spitze, die die eigentlichen Verhältnisse innerhalb der Organisation nun eindeutiger abbildet.

Fischer als neuer Parteichef in Wunsiedel, Foto: Thomas Witzgall

Bei der Neonazi-Demonstration in Wunsiedel verkündete Versammlungsleiter Tony Gentsch die personellen Veränderungen an der Spitze der Kleinstpartei und stellte Matthias Fischer als „frisch gewählten Parteivorsitzenden“ den nur rund 160 anwesenden Anhänger vor.

Mit dem gelernten Maler, Jahrgang 1977, mit dem Tattoo „Aryan Hope“ an der Kopfseite, übernimmt der seit Jahren bestimmende Kader nun auch formal die Führung der neonazistischen Kleinstpartei.  Fischer ist seit Jahrzehnten eine der führenden Figuren der deutschen Neonazi-Szene. Bereits 1998 stand der vor allem in Mittelfranken aktive Neonazi als Kontakt auf der „Garagenliste“ des NSU-Kerntrios. Ebenso fand sich der Name des von ihm zeitweise verantworteten Fan-Zines „Der Landser“ auf einer in der ausgebrannten Wohnung in Zwickau gefundenen Listen von extrem rechten Publikationen, von denen die Ermittler annehmen, dass das Kerntrio sie mit einer Geldspende bedacht hatte.

NPD nicht radikal genug

Fischer war bereits eine der bestimmenden Personen in der Dezember 2003 vom Bayerischen Innenminister verbotenen Fränkischen Aktionsfront (F.A.F). Wie bei so vielen neonazistischen Kameradschaftsaktivisten zog es ihn zum Schutz vor weiteren Organisationsverboten in die NPD. Er wurde Landesvorsitzender der Jungen Nationaldemokraten Bayern, Kreisvorsitzender in Fürth, Bezirksvorsitzender von Mittelfranken und kandidierte für den Bundestag. Mit Fischer sind in der Zeit vor allem die regelmäßigen Aufmärsche im fränkischen Gräfenberg zu einem dortigen Kriegerdenkmal verbunden.

Nachdem es ihm und anderen Kameradschaftsaktivisten zwei Mal nicht gelang, die NPD Bayern gegen als zu wenig radikal eingestufte Kreise zu übernehmen, trat er 2008 aus der Partei aus und zog einen Großteil der jungen Parteimitglieder mit sich. Die NPD Bayern verlor damals ihre Jugendorganisation und hat sich bis heute davon nicht erholt.

Das Freie Netz Süd

Die aktionistisch eingestellten Kader organisierten sich bald im Freien Netz Süd. Auch hier war Fischer der bestimmende Akteur und der politische Kopf. Während Gefängnisaufenthalten gingen dann auch Aktivitäten zurück. Die im Zuge einer Razzia im Juli 2013 gefundenen Dokumente zur Vorbereitung eines Vereinsverbots zeigten dann endgültig den hierarchischen Aufbau des laut Außendarstellung lediglich losen Netzwerkes. Als die Neonazis später gegen das Verbot klagten, stand Fischers Name ganz oben auf der Klägerliste zur Verhandlung am Bayerischen Verwaltungsgerichtshof.

Im September 2013 gründet sich dann in Heidelberg formal die neue Partei Der Dritte Weg. Den Vorsitz übernahm Klaus Armstroff, der für die NPD ein Mandat in einem Kreistag hielt. Das Freie Netz Süd berichtete wohlwollend über die Gründung. Die ersten Demonstrationen zeigten schnell, dass es die Kader des vom Verbot bedrohten Netzwerkes in die neue Partei zog. Dass es sich beim Dritten Weg auch um eine Nachfolgeorganisation des dann im Juli 2014 vom bayerischen Innenminister verbotenen FNS handelt, wird heute von niemanden mehr bestritten.

Partei ohne Interesse an erfolgreicher Wahlteilnahme?

Wohl aus Vorsicht vor etwaigen Verboten übernahmen Fischer und andere Kader zunächst keine formalen Funktionen bei der Kleinstpartei, waren aber bei den Veranstaltungen bestimmende Akteure. Erst mit einigem Abstand wurde Fischer und nach seinem Umzug von Franken nach Brandenburg zum „Gebietsleiter Mitte“ gewählt, einem Verband, in dem Der Dritte Weg seine ostdeutschen Stützpunkte von Sachsen bis Brandenburg und Berlin zusammenfasste.

Der Gebietsverband wurde laut Internetseite der Partei Ende Dezember 2020 aufgelöst, um die Schaffung von Landesverbänden zu ermöglichen, die identisch mit den Bundesländern sind. Das war nötig geworden, um mit Landeslisten bei Wahlen antreten zu können, die der Kader-Organisation vor allem dazu diente, den Parteienstatus zu erhalten. Bei den bisherigen Wahlen auf Bundes- und Landesebene, wo die Partei vereinzelt antrat, erzielte sie kaum nennenswerte Ergebnisse, weit weg von der Teilnahme an der staatlichen Parteienfinanzierung. Lediglich in Plauen reichte es zu je einem Mandat im Stadtrat und Kreistag. Seit dem „vierten Gesamtparteitag“ vom September 2017 führte er die Partei auch als stellvertretender Parteivorsitzender.   

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