von Marc Brandstetter
   

Der braune Sumpf in Thüringen: Burschenschaft mit engen Kontakten in Neonazi-Szene

Thüringen kommt nicht aus den Schlagzeilen. Das rechtsextremistische Milieu des Freistaates hat tiefe Wurzeln geschlagen und ist noch lange nicht trockengelegt. Wie eng das Geflecht zwischen einzelnen Burschenschaften, der NPD und den Freien Kameradschaten ist, offenbart nun eine Anfrage der Linken-Landtagsabgeordneten Katharina König an das Innenministerium.

Die Jenaer Burschenschaft „Normannia“, die vom Verfassungsschutz schon vor Jahren als „Sammelbecken für rechtsextreme Strukturen und Neonazis“ eingeschätzt wurde, spaltete sich nach Auskunft der Landesregierung des Freistaates 1999 von der „Jenesia“-Burschenschaft ab. Eine massive Unterwanderung durch staatliche Informanten erst kürzlich publik wurde, übernahmen hierbei Ordnerdienste. Unter den anwesenden THS-Mitgliedern war mit Tino Brandt ein später enttarnter V-Mann und NPD-Spitzenkader.  

Das Papier offenbart noch weitere Einblicke in das braune Innenleben der Burschenschaft. Demnach existierte eine „enge Verzahnung“ zwischen rechtsextremistischer Szene und der Verbindung, teilte das Ministerium mit. Für Veranstaltungen nutze man das sogenannte Braune Haus in Jena, das vor nicht allzu langer Zeit Ziel einer Razzia gewesen war. Persönliche Kontakte zu den Mitgliedern der Organisation pflegten auch Ralf Wohlleben, ehemaliger Landesvize der NPD und Andre Kapke, eine weitere Neonazi-Größe aus Thüringen. Beiden stehen im Verdacht, zum Unterstützerkreis der rechtsextremistischen Terrororganisation Nationalsozialistischer Untergrund (NSU) gehört zu haben. 

Wohlleben wird beschuldigt, der Zwickauer Zelle über einen Mittelsmann eine Waffe und Munition besorgt zu haben. Deren erster Mord datiert auf den 9. September 2000, also in den Zeitraum, in dem Wohleben nach Erkenntnissen des Thüringer Verfassungsschutzes noch Kontakte zu der Mörder-Bande unterhalten haben soll. Die Behörden gehen davon aus, dass zehn Morde, mehrere Banküberfälle und Sprengstoffanschläge auf das Konto der Gruppe gehen. 

Kommentare(4)

Schreiber Donnerstag, 06.September 2012, 18:47 Uhr:
Allgemeinplätze! Und sonst?
Wer den Burschenschaftern einen Raum vermietet wird von der Antifa terrorisiert. so weit, so bekannt. Kein Wunder das die sich im Braunen Haus einmieten. Und die persönlichen Kontakte mit Wohlleben und Kapke lassen sich dabei schlecht vermeiden, gehört den beiden doch dieses Objekt.
Alles in Allem nur mal wieder rote Hetze gegen Nationale die prompt von den roten Differenzierern zu Nazis gestempelt werden.


Bei uns im Angelverein ist ein NPD-Mitglied das sogar im Vereinsheim seinen Geburtstag gefeiert hat. Ein Glück gabs dazu noch keine Anfrage im Innenministerium. Sonst hätten wir noch die Ehre gehabt das hier über die braunen Strukturen in den deutschen Angelvereinen gehetzt worden wäre. Aber was nicht ist ...

Halleluja.
 
Bürger Freitag, 07.September 2012, 10:17 Uhr:
ICh frage mich, warum der Autor von "einzelnen Burschenschaften" spricht, dann aber nur die Normannia nennen kann. Diskret wird somit ein Einzelfall auf andere Burschenschaften übertragen. Zudem fehlt die Information, dass die Normannia unter den Burschenschaften weitgehend isoliert war, da sie niemals in die "Deutsche Burschenschaft" aufgenommen wurde.
Aufgrund dieser fehlenden Informationen wirkt der Artikel wie Kampagnenenjournalismus. Kritisch sollte zudem - im Sinne der Totalitarismustheorie - auch erwähnt werden, welchen Hintergrund die Partei der Anfragestellerin hat. Als Nachfolgerin der SED ist es grotestk, sich als Hüterin der Demokratie aufzuspielen, während man selbst seine Vergangenheit nicht aufgearbeitet hat und eine Kommunistische Plattform duldet.
 
Marcus Samstag, 08.September 2012, 05:28 Uhr:
Der Name "Burschenschaft" ist nicht geschützt. Daher wäre es umso wichtiger gewesen zu erwähnen, dass Normannia Jena keine Mitgliedsburschenschaft des Verbandes Deutsche Burschenschaft ist.
 
Lars Dienstag, 11.September 2012, 06:29 Uhr:
Die Normannen haben also mal Veranstaltungen in einem Haus gemacht, dass von Wohlleben und Co. gemietet und Jahre später einmal durchsucht wurde. Damit haben sie "natürlich" Kontakt zur NSU gehabt. Leute, geht es auch noch ein paar Stufen unter der NSU?

Sind die Normannen denn eigentlich mal mit ablehnenden Äußerungen zur Demokratie hervorgetreten, die sie durch einen autoritären Staat auf einer rassistischen Grundlage (Menschen werden in höher- und minderwertig eingeteilt) ersetzen wollen? Denn nur das würde deren Etikettierung als rechtsextrem rechtfertigen.
 

Die Diskussion wurde geschlossen