von Robert Scholz
   

Dem System erlegen - Felix Menzel über „Medienrituale und politische Ikonen“

Um die Wahrnehmungsschwelle der Massenmedien zu überschreiten, fordert Felix Menzel, Chef von „Blaue Narzisse“, sein rechtes politisches Millieu dazu auf, Ikonen zu schaffen. Diesen Appell packt der Student der Kommunikationswissenschaft in eine Medienkritik, die keine ist und begibt sich damit in eine Sackgasse.

Wer eine giftige Abrechnung mit den Medien erwartet, wird enttäuscht. Allenfalls partiell greift Felix Menzel auf den 96 Seiten des 13. Bandes der Reihe Kaplaken die Medien an, die meiste Zeit geht er auf Kuschelkurs und überlegt, wie Konservative das Meiste aus ihnen herausholen können.

Mit dem bekannten kanadischen Medientheoretiker Marshall McLuhan spricht Menzel die Medien fast heilig, indem er einräumt, dass man sie als „Ersatzreligionen des 21. Jahrhunderts“ (45) verstehen könne. Einen Vorwurf formuliert er aber doch, so würden Medien religiöse Praktiken lediglich nachahmen (46), was aufgrund des daraus resultierenden „Wirrwarr(s) von Erlebnissen“ dazu führe, dass keine „einigermaßen stabilen Identitäten“ gebildet und erhalten werden können (47).

Stattdessen führe die mediale Vernetzung der Welt zum „globalen Dorf“, das Menzel erneut in Anlehnung an McLuhan durch die Zurückdrängung „durchdachten, geschriebenen Text(es)“ zugunsten „visueller Zeichen“ und des „gesprochene(n) Wort(es)“ geprägt glaubt (ebd). Menzel sieht hier also die Reduzierung von Komplexität, die in den Medien unter anderem zur Emotionalisierung der Berichterstattung führe. Menzel konstatiert dies, kritisieren tut er es nicht.

Im „globalen Dorf“ werde die verloren gegangene „Identität jenseits von Staat und Kirche“ (51) nun wiederum durch Rituale ersetzt. Für „Konservative oder Rechte“ sind dies in erster Linie Ausgrenzungsrituale, so Menzel. Als Beispiele nennt er die „Sprachregeln der Political Correctness“ (52) oder aber „,rechte‘ Skandale“ (56). Medien-Rituale erfüllen nach seiner Auffassung die Funktion gesellschaftlicher Selbstreinigung und Selbstvergewisserung. So schreibt Menzel in Bezug auf die Kampagne gegen den ehemaligen designierten Kultusminister Thüringens, Peter Krause: „Es ging (...) nicht um die Person Krause oder seine Ansichten, sondern um das Zelebrieren eines Rituals, welches deutlich machen sollte, wem Ehre und soziale Reputation zuteil kommen darf und wem nicht.“ (58)

Statt nun aber, wie man es von einem Konservativen vielleicht erwarten sollte, die Mechanismen der Medien anzuprangern, nimmt Menzel sie hin und fordert indirekt sogar, sich ihnen anzupassen. Mit der Erschaffung von Ikonen sollen, ginge es nach ihm, künftig auch die Konservativen auf der Medienklaviatur mitspielen. Direkt fordert Menzel das „rechtskonservative Milieu“ dazu auf, „den Kampf um symbolische Macht“ (87) aufzunehmen. Ikonen, die identitätsstiftend seien, der Selbstvergewisserung dienen, Orientierung für Handlungen geben und eine Gruppe nach Außen repräsentieren (72), sollen dabei helfen. Mit Ikonen hofft der mit 23 Jahren jüngste zeitgenössische Autor eines Kaplaken-Bandes (Ausgrenzungs-)Rituale zu durchbrechen (66).

Allerdings stellt Menzel selbst fest, dass der „Neuen Rechten“ (93) Schlüsselbilder fehlen, in denen sich ihr Weltbild bündele. Als ersten Versuch „diese Bilder oder — optimistischer gesprochen — Ikonen zu schaffen“, wertet Menzel die „konservativ-subversive-Aktion“. Zudem schlägt er vor, „vorhandene Medienikonen (...) zu reaktualisieren“ oder aber Bilder aus Archiven hervorzukramen und zu popularisieren.

Ikonen würden „ein komplexes historisches Ereignis verkürzen“ und seien mit einem „Informationsverlust“ verbunden, dafür seien sie „leichter erinnerbar“, schreibt Menzel (75).  Unwillkürlich fragt man sich da, ob Verkürzung und Informationsverlust nicht gerade das Problem von Menzels politischem Milieu ist und es in dieser Situation ratsam ist, mit gleichem Mittel zu antworten?

Mag sein, dass das funktioniert, konservativ ist die Anbiederung an ein die Oberflächlichkeit förderndes Mediensystem jedenfalls nicht.

menzelkaplakenFelix Menzel
Medienrituale und politische Ikonen

96 Seiten, kartoniert mit Fadenheftung

Schnellroda: Edition Antaios 2009

ISBN: 978-3-935063-83-8
8,50 EUR




















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