von Marc Brandstetter
   

„De Meckelbörger Bote“: NPD geht in Schwerin auf Stimmenfang

In vielen Regionen Mecklenburg-Vorpommerns macht die NPD Stimmung mit Flugschriften, die vordergründig lokalpolitische Informationen vermitteln, in Wirklichkeit aber rechtsextremistische Propaganda transportieren. Bislang blieben die Einwohner von Schwerin davon verschont – bis letzte Woche die Erstausgabe des „Meckelbörger Boten“ für die Landeshauptstadt erschien.

Letzte Woche fanden einige Schwerinerinnen und Schweriner eine vierseitige Infobroschüre in ihren Briefkästen, auf die sie wahrscheinlich gerne verzichtet hätten. Der „Meckelbörger Bote“, nimmt für sich selbst in Anspruch, „einer gleichgeschalteten Medienlandschaft entgegenzuwirken“, denn „er berichtet über all Jenes, was von den offiziellen Medien gezielt oder fahrlässig entstellt dargestellt bzw. komplett totgeschwiegen wird“. So jedenfalls sieht es NPD-Fraktionschef Udo Pastörs in seinem „Gastkommentar“.

Das „Volkstreue Mitteilungsblatt für die Landeshauptstadt Schwerin“ bewegt sich – wenig überraschend – auf klassisch rechtsextremistischen Pfaden. Auf der ersten Seite fordern die Autoren „mehr Volkskunst“ statt „ultramoderner Stücke“ im Schweriner Theater. Den entsprechenden Aufführungen möchte man die finanzielle Förderung kappen – die „entartete Kunst“ lässt grüßen.

Der Mittelteil lässt endgültig die lokalpolitische Maske fallen. Mit dem Artikel „Wir wollen leben“ versucht der „Meckelbörger Bote“ an die neonationalsozialistische Kampagne „Die Unsterblichen“ anzuknüpfen, die derzeit für Furore sorgt. In einem ultranationalistischen, in pathetischem Duktus formulierten Beitrag heißt es dort: „Wir wollen leben, so wie unsere Ahnen in den Jahrhunderten vor uns lebten – als Deutsche. Und solange Deutsche den Funken der Freiheit in andere Herzen ihres Volkes tragen, solange wird unser Volk nicht im Einheitsbrei der Demokraten untergehen.“ Fett gedruck folgt die Aufforderung an die Leserschaft, sich in diese Phalanx einzureihen: „Nun ist es an Dir! Schließ dich uns an, besinn Dich auf Deine eigene Identität und werde Teil eines unsterblichen Volkes!“ (sic!).      

Dazu passt, dass der „unerschrockene Berichterstatter“ der „Kameradschaft Schwerin“ Platz für eine Anzeige einräumt, in der die Neonazis um neue „Mitstreiter“ werben. Allzu viel dürfen die potentiellen Interessenten aber nicht erwarten, denn außer einer konspirativen Plakataktion und einem Interview auf der von NPD-Landesvize David Petereit verantworteten Internetseite „MUPinfo“ trat die Gruppierung bislang nicht in Erscheinung.

Auch zur Darstellung des vom NPD-Landesverband mit Inbrunst gepflegten „Kümmerer-Images“ nutzt die NPD ihre Flugschrift. Sie bietet per Anzeige „Hartz IV-Beratungen“ an oder verspricht unter dem Motto „Deutsche helfen Deutschen“ Nachhilfe zu vermitteln.

Dass die NPD in der Landeshauptstadt verhältnismäßig schlecht Fuß fassen kann, verdeutlichen nicht nur die Wahlergebnisse der Rechtsextremisten in Schwerin, sondern auch ein Artikel auf der letzten Seite. In dicken rotten Lettern begibt sich die Partei auf Immobiliensuche, da ein „volkstreuer Anlaufpunkt“ fehle. Dort soll ein „nationales Jugendzentrum“ und eine Bürgerbüro untergebracht werden. Diesen Plan verfolgt die NPD erfolglos schon seit Jahren.

Es ist Teil der Strategie der NPD, mit dünnen „Informationszeitschriften“ ihre Propaganda in der Häuser und Wohnungen Mecklenburg-Vorpommerns zu tragen. Ein direkter Bezug zu dieser Partei wird aber erst auf den zweiten Blick ersichtlich. Denn nicht nur die thematische Ausrichtung lässt auf die rechtsextremistischen Verfasser schließen. Der angegebene Kontakt verrät die Urheberschaft des Pamphlets. Verantwortlich im Sinne des Pressegesetzes ist Torgai Klingebiel, Vize des NPD-Kreisverbandes Nordwestmecklenburg und Wahlkreismitarbeiter von NPD-Landeschef Stefan Köster. Als Kontaktadresse wird der „Grüner Weg“ in Grevesmühlen genannt. Aufmerksame Beobachter wissen schnell, welche Immobilie sich dahinter verbirgt: das Thinghaus, landesweit bekannter Treffpunkt der Neonazis.  

Foto: Screenshot MUPinfo

Kommentare(4)

Schweriner Sonntag, 27.Mai 2012, 10:59 Uhr:
Eine sehr gute Rezension.

Heute vormittag waren die sogar in der Innenstadt unterwegs und haben ihren Boten verteilt. Aber was will man da schon allein gegen machen.
 
Kabal Sonntag, 27.Mai 2012, 11:42 Uhr:
„Nun ist es an Dir! Schließ dich uns an, besinn Dich auf Deine eigene Identität und werde Teil eines unsterblichen Volkes!“

Das Volk der Dummen und Zukurzgekommenen ist vermutlich tatsächlich das einzig unsterbliche. Allein ein Blick auf die Titelseite des "Boten" weckt unweigerlich die Frage, in welcher Welt diese Menschen leben. Und was ist eigentlich "Volkskunst"?
 
BrechtLeser Dienstag, 29.Mai 2012, 00:12 Uhr:
Ich besinne mich meiner Identität als Preuße 5 er Generation, und werde versuchen die Verbreitung dieses sehr wertvollen Schriftstückes zu verhindern.

Kann die NPD sich überhaupt noch selbst ernst nehmen?
Für mich erscheint das schjon fast Satirisch zu sein. Soviel Müll kann man doch sonst gar nicht produzieren, und dann auch noch drucken.
 
Klaus Dienstag, 29.Mai 2012, 07:39 Uhr:
@ BrechtLeser: Eine sehr gute Zeitung, aber was will man gegen zuviel Dummheit und Unverständnis machen.
Bei Ihnen ist das wie bei einem Bauer der ein Stück Land besitzt wo nur Steine liegen, da kann auch nichts wachsen.
 

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