Dämpfer für „Tage der nationalen Bewegung“

Das Rechtsrock-Event am Freitag und Samstag auf der „Konzertwiese“ im thüringischen Themar könnte für die Besucher durch polizeiliche Auflagen zu diversen „Unannehmlichkeiten“ führen.

Donnerstag, 04. Juli 2019
Horst Freires

Die NPD-Veranstaltung „Tage der nationalen Bewegung“ (TdnB) am 5. und 6. Juli im thüringischen Themar bleibt ein Rechtsrock-Event, auch wenn sie als politische Versammlung angemeldet wurde. Indiz dafür ist auch, dass monatelang für teilnehmende Bands geworben, Namen von Rednern hingegen auch einen Tag vor dem Ereignis nicht veröffentlicht wurden. Hauptverantwortlich zeichnet dabei der NPD-Bundesorganisationsleiter Sebastian Schmidtke, als helfende Kräfte stehen ihm allerdings Szene-Größen wie Tommy Frenck oder Patrick Schröder zur Seite.

Angemeldet sind auf der unter der Aufsicht von Frenck stehenden so genannten „Konzertwiese“ 800 bis 1200 Teilnehmer. Insgeheim erhoffen sich Schmidtke & Co. sicherlich einen größeren Zulauf, doch diverse „Unannehmlichkeiten“ könnten auch viele Neonazis abschrecken. Dazu gehören etwa polizeiliche Kontrollen, reichlich Fotojournalisten, keinerlei Parkmöglichkeiten in einem Zwei-Kilometer-Radius der Location und nicht zuletzt Auflagen der zuständigen Versammlungsbehörde, darunter vor allem ein Alkohol- und generelles Flaschenverbot, das sich vor dem Verwaltungsgericht Meiningen Anfang der Woche als gerichtsfest erwies und vom Oberverwaltungsgericht Weimar inzwischen bestätigt wurde. Und weil die nahe gelegene Tankstelle, die in der Vergangenheit als Getränkekauf-Anlaufstelle frequentiert wurde, am Wochenende geschlossen hat, entfällt eine weitere Option auf flüssiges „Hochprozentiges“.

Gerichtliches Alkoholverbot

Im Vorjahr pilgerten rund 2200 Besucher zum TdnB-Event. Anfang Oktober wurde nach von Neonazis ausgehenden Krawallen gegen Kontrollmaßnahmen und Absperrungen der Polizei die „Rock gegen Überfremdung“-Veranstaltung in Apolda abgebrochen. Dort hatte Schmidtke die Versammlungsleitung. Das gerichtliche Alkoholverbot für Themar ist auch den Apolda-Erfahrungen geschuldet. Der Berliner NPD-Funktionär steht in der rechten Szene nunmehr unter dem Erwartungsdruck, „liefern“ zu müssen.

Erst am 21. und 22. Juni erlitt der NPD-Bundesvize Thorsten Heise mit seinem „Schild- und Schwert“-Festival im sächsischen Ostritz einen Dämpfer mit rückläufigen Teilnehmerzahlen und unzufriedenen Besuchern. Die aktuelle Debatte um den Mord an den Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke und damit möglichen Zusammenhängen eines Umfeldes von hierzulande aktiven „Combat 18“-Kräften stellt derzeit auch kein szenezuträgliches Klima für Rechtsrock-Großereignisse dar. Kleinere konspirative Konzerte wie am 29. Juni im sächsischen Mücka hingegen haben weiterhin Konjunktur, auch wenn dort weniger kommerzieller Umsatz zu machen ist als bei Großevents.

„Oidoxie“ unter den „Attraktionen

Und genau in diesem Kontext ist auch der anstehende Themar-Termin zu sehen. Denn Versandhändler und Rechtsrock-Label haben hier natürlich ihre Zielgruppe im Auge. Initiativen, Gruppen, Kameradschaften sowie Parteikader von NPD und „Die Rechte“ wollen Informationen streuen und den direkten Austausch pflegen. Dadurch bleibt die Veranstaltung ein braunes Stelldichein. Lediglich Aktivisten der Splitterpartei „Der III. Weg“ grenzen sich ab, lädt man doch am 6. Juli zum eigenen Meeting unter dem Namen „Jugend im Sturm“ in „Mitteldeutschland“ ein.

In Themar, beworben übrigens auch durch das internationale „Blood&Honour“-Netzwerk, sind die Bands „Übermensch“, „Sturmwehr“ (Gelsenkirchen) und „Oidoxie“ (Dortmund) die vermeintlichen Rechtsrock-„Attraktionen“. Erstgenannte Combo um Sänger Frank Haack, der auch das Rechtsrock-Label Leveler Records aus Anklam aus der Taufe hob, spielt am 6. Juli dem Vernehmen nach ein Releasekonzert. Leveler Records tritt neben PC Records aus Chemnitz und Patrick Schröders Medien- und Social-Mediaprojekt „FSN-TV“ offiziell als Event-Unterstützer auf. Die Dortmunder werden Beobachtern zufolge dem internationalen „Combat 18“-Zirkel zugerechnet.

Diverse Info- und Verkaufsstände auf der „Konzertwiese“

Ebenfalls für die Bühne vorgesehen ist „Killuminati“, ein Projekt von Musikern aus verschiedenen Bundesländern, das 2018 noch bei der „Konkurrenz“ vom „III. Weg“ auftrat. Während schon seit längerer Zeit der italienische Band-Tausch von „SPQR“ hin zu „Acciaio Vincente“ vermeldet wurde, datiert die Absage von „Uwocaust“ (Uwe Menzel) aus Brandenburg erst aus dem Vormonat. Dafür springt „Sköll Dagaz“ aus Thüringen ein. Der Italo-Rechtsrock aus Mantua war bereits am 27. Oktober 2018 bei Tommy Frenck in Kloster Veßra zu hören.

Schmidtke wird nach eigenen Worten auf der „Konzertwiese“ diverse Info- und Verkaufsstände begrüßen. Er zählte dabei Patrick Schröders Bekleidungsmarke „Ansgar Aryan“ ebenso auf wie Leveler Records und PC Records. Außerdem teilte er mit, dass die Veranstalter des jährlich im Februar stattfindenden Dresden-Gedenkmarsches und die Organisatoren des ebenfalls jährlichen Juni-Events „Tag der deutschen Zukunft“ (TddZ) vor Ort sein werden. Für den TddZ 2020 bereits wird zum 6. Juni nach Worms mobilisiert.   

Weiteres „Jugend im Sturm“-Meeting vom „III. Weg“

Bei der „Jugend im Sturm“-Erstauflage im Vorjahr traf sich „Der III. Weg“ im Veranstaltungszentrum „Erfurter Kreuz“ im thüringischen Kirchheim (Ilm-Kreis). Allerdings interessierten sich nur 220 Besucher für die Partei-Präsentation. Trotzdem wird auch diesmal wieder auf den Mix von Infoständen, Reden, Kampfvorführungen der selbst ernannten AG „Körper & Geist“ und Musik gesetzt, wobei letzterer Programmpunkt im Vergleich zum Vorjahr doch sehr eingedampft wurde: Nur zwei Acts mit „Studio 3“ und dem Rapper „MaKss Damage“ (Julian Fritsch) aus Gütersloh werden angekündigt.

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