Corona durchkreuzt Rechtsrock-Pläne

Die aktuelle Corona-Pandemie wirkt sich nun auch auf geplante Rechtsrock-Events aus. Zuerst wurde in Italien und Ungarn reagiert. Weitere Absagen sind mehr als wahrscheinlich.

Freitag, 13. März 2020
Horst Freires

Betroffen sind einmal das Rechtsrock-Mekka Norditalien mit dem „Hot Shower“-Festival am 4. April und dem „Defend-Europe“-Spektakel am Folge-Wochenende. „Hot Shower“ kündigt an, dass sein internationales NSBM-Festival, was bereits achtmal stattgefunden hat, nun möglichst irgendwann im Oktober über die Bühne gehen soll. Dort eingeplant war im nächsten Monat eigentlich auch „Nordglanz“ aus Frankfurt/Main, in diesem Jahr bereits am 8. Februar beim französischen NSBM-Meeting „Call of Terror“ unterwegs.

In der Vergangenheit lief der Ticketvorverkauf für „Hot Shower“ unter anderem über den Online-Shop „Merchant of Death“ von Hendrik Möbus. Der 44-Jährige muss sich mit einem ein Jahr jüngeren Mitangeklagten aktuell in Berlin vor dem Amtsgericht wegen Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen sowie Volksverhetzung verantworten.

„Noie Werte“ für „Defend Europe“ eingeplant

Verschoben auf einen unbestimmten späteren Zeitpunkt ist auch die zweite Auflage von „Defend Europe“ am 11. April der „Veneto Fronte Skinheads“ (VFS) aus Verona. VFS hatte schon bis 2018 stets am Oster-Wochenende diverse Rechtsrock-Bands eingeladen und dazu auch jeweils Besucher aus ganz Europa angelockt. Das mit internationalen Bands gespickte Programm wurde auch über die „Blood&Honour“-Bewegung beworben. Mit eingeplant für das Konzert am diesjährigen Karsamstag waren „Noie Werte“ aus Baden Württemberg. Die 1987 in Esslingen gegründete Combo war bis 2010 aktiv, pausierte dann fast zehn Jahre lang und wurde im Vorjahr in abgeänderter Besetzung wieder reaktiviert. Bis 2008 in der Band aktiv war Oliver Hilburger. Heute engagiert er sich bei der rechtslastigen Gewerkschaft „Zentrum Automobil“, die er 2009 selbst gründete.

Komplett gestrichen wurde das für den 14. März vorgesehene italienische Rechtsrock-Event mit den Bands „Topi Neri“, „Ragazzi in Nero“ und „Daspo“ in der Region Vicenza. Es sollte eigentlich ein Album-Releasekonzert mit Beteiligung des rechten Labels Tuono Records für „Topi Neri“ werden. Konzertabsagen ohne Hinweis auf Planung mit einem späteren Termin liegen zudem aus Ungarn vor. Zum einen wurde für den 21. März ein geplanter Auftritt unter anderem mit den „Sons of Odin“ gecancelled. Außerdem ersatzlos abgesagt: Das „Nordic Rage Fest“ am 4. April in Budapest, bei dem auch „Burning Hate“ aus dem oberfränkischen Lichtenfels aufspielen sollten.

Metal-Spektakel ohne Veranstaltungsort

Eine Absage ganz anderer Art fingen sich die Organisatoren des „Darkness Guides Us“-Festival in Glasgow ein. Das Metal-Spektakel vom 20. bis 22. November steht momentan ohne Veranstaltungsort da, weil das vorgesehene „Classic Grand“ als Location den Festival-Machern die Zusage entzogen hat. Die Absage erfolgte, nachdem im Line Up mehrere Bands auftauchten, die direkt dem NSBM zuzuordnen oder mit dessen Szene verbandelt sind. Dabei geht es um die finnischen Bands „Satanic Warmaster“ um Sänger „Werwolf“ (Lauri Penttilä) und „Kalmankantaja“ sowie „Taake“ aus Norwegen, „Nocturnal Depression“ aus Frankreich und „Inferno“ aus Tschechien. Bereits zur Festival-Erstauflage im Vorjahr  stand mit „Kroda“ aus der Ukraine eine Combo aus dem NSBM-Dunstkreis auf der Bühne. Dabei war auch „Sarkrista“ aus Schleswig-Holstein, deren Auftritte zuletzt immer häufiger inmitten von NSBM-Bands zu beobachten sind. Für dieses Jahr gelistet ist in Schottland auch die dem NSBM bis dato nicht zuzurechnende Band „Groza“ aus Mühldorf am Inn.

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