von Tim Schulz
   

Compact-Magazin: „Oppositionskonferenz“ mit Höcke in Leipzig

Das „Compact-Magazin“, mittlerweile eines der auflagenstärksten Blätter am rechten Rand, veranstaltet schon seit Jahren sogenannte Konferenzen verschiedener Verschwörungstheoretiker und neurechter Akteure. Unter dem Motto „Opposition heißt Widerstand“ lädt Herausgeber Jürgen Elsässer am Samstag nach Leipzig ein. Der Veranstaltungsort wurde bis zuletzt geheim gehalten – ein Gegenbündnis will das Treffen verhindern.

Ideologen unter sich

Die Referentenliste liest sich wie ein Who-is-Who der neurechten Szene: Mit Björn Höcke tritt wohl eine der bedeutendsten Identifikationsfiguren des völkischen Flügels der AfD auf, zudem wird der AfD-Bundestagsabgeordnete Martin Reichardt angekündigt. Weitere Redner seien Martin Sellner, Wortführer der rechtsextremen „Identitären Bewegung“ und Pegida-Frontmann Lutz Bachmann. Die Veranstaltung ist beispielhaft für den Schulterschluss zwischen der AfD, dem intellektuellen, neurechten Milieu und den Kräften auf der Straße, die sich als eine außerparlamentarische Opposition verstehen.


Alexander Gauland, Jürgen Elsässer und Björn Höcke zusammen auf einer Mahnwache in Berlin

Interessant ist zudem ein weiterer Redner: Oliver Hilburger, Gründungsmitglied der Rechtsrockband „Noie Werte“, deren Musik nicht zuletzt als „Soundtrack“ für das erste Bekennervideo des NSU diente, wird von den Veranstaltern als „oppositioneller Betriebsrat“ angekündigt. Dieser ist dem „Zentrum Automobil e.V.“ zuzuordnen, einer rechten Scheingewerkschaft, die sich als Alternative zur IG Metall darzustellen versucht.

Neurechte Netzwerker

Dabei arbeitet die Organisation scheinbar auch mit „Ein Prozent“ aus dem Umfeld von Götz Kubitschek zusammen. Das rechte Vernetzungsprojekt, das neben AfD-Mitgliedern auch ehemalige NPD-Kader wie Michael Schäfer einbindet und etwa in Halle mit der Identitäten Bewegung kooperiert, will auf der Konferenz einen Preis für den „Helden des Widerstands“ verleihen. An wen der Preis gehen soll, bleibt offen. Klar ist aber, was „Widerstand“ hier meint: Engagement für eine völkische Gesellschaftsordnung.

Das als Querfront-Projekt gegründete Compact-Magazin entwickelte sich in den letzten Jahren immer mehr zum Sprachrohr eben jener gesellschaftlicher Kräfte. Vor allem für die Klientel von Pegida fungiert es als Stichwortgeber. Immer wieder kann man dessen Titelseiten auf den Plakaten der Dresdner Bewegung sehen. Ebenso ist das Heft eine wichtige Wahlkampfstütze für die AfD, ganze Titel werden verschiedenen Politikern der Partei gewidmet. Und diese wird stärker: Entgegen den allgemeinen Trends auf dem Pressemarkt steigen die Verkaufszahlen von „Compact“ aufgrund der starken Polarisierung im Medienbereich. Das Ressentiment der „Lügenpresse“ wirkt scheinbar.

Wenig verwunderlich ist da der Aufruf zum Protest gegen die Veranstaltung. Dahinter steht das Bündnis „No Compact“, das mit diversen Protestaktionen gegen die Veranstaltung vorgehen will. So gab es Donnerstagabend einen Vortrag der Publizistin Jutta Ditfurth, mit der Compact-Chefredakteur Elsässer in einem mehrjährigen Rechtsstreit steht. Das Motto des Bündnisses für den morgigen Samstag lautet: „stören, erschweren, verhindern“. Die Organisatoren haben den Veranstaltungsort bis zuletzt geheimgehalten, laut No Compact soll es sich um den Eventpalast handeln.

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