„Combat 18“-Strukturen in Nordrhein-Westfalen

Nach Erkenntnissen der NRW-Landesregierung sind C18-Mitglieder in dem Bundesland weiterhin aktiv.

Donnerstag, 28. März 2019
Redaktion

Dass die 1992 gegründete, europaweit tätige neonazistische Gruppierung „Combat 18“  („Kampftruppe Adolf Hitler“) in Nordrhein-Westfalen – vor allem in Dortmund – seit knapp zwei Jahrzehnten einen Schwerpunkt hat , ist vielfältig belegt worden. Auch Schießübungen von „Combat 18“-Mitgliedern unter anderem aus Dortmund ab dem Jahr 2000 wurden nachgewiesen. „Combat 18“ (C18) gilt als der bewaffnete Arm des im Jahr 2000 in Deutschland verbotenen Neonazi-Netzwerks „Blood&Honour“.

2007 wurde in Dortmund ein Tunesier durch ein bekanntes, bis heute sehr aktives „Combat-18“-Mitglied niedergeschossen. Am 4. Juni vergangenen Jahres trat eine Gruppe von C18-Anhängern, darunter der Anführer William Browning sowie der mit ihm bekannte NPD-Funktionär Thorsten Heise, gemeinsam bei dem von der Minipartei „Die Rechte“ organisierten „Tag der deutschen Zukunft“ in Dortmund auf. Dies wurde als ein Treffen des C18-Netzwerkes gedeutet.

Schießtraining in Tschechien

Die nordrhein-westfälische Landesregierung hat soeben in ihrer Antwort auf eine Kleine Anfrage der Grünen-Landtagsabgeordneten Verena Schäffer bestätigt, dass C18-Mitglieder in NRW weiterhin aktiv sein. Ende 2017 hatte das Bundesamt für Verfassungsschutz mitgeteilt, dass eine Gruppe von C 18-Anhängern an der Grenze durch GSG 9 Beamte kontrolliert wurde. (bnr.de berichtete) Die Aktivisten kamen von einem Schießtraining in Tschechien. Seit Dezember 2015 seien, so legt die Geschäftsführerin der Grünen-Landtagsfraktion Schäffer in ihrer Anfrage dar, zwölf solcher Schießübungen im europäischen Ausland festgestellt worden, in Deutschland seit November 2017 fünf.

Die Landesregierung gehe von einer einstelligen Zahl von, äußerst konspirativ agierenden, „Combat 18“-Anhängern in NRW aus, teilt diese in ihrer Antwort mit. So wurden in jüngster Zeit mehrere C18-Aktivitäten in NRW nachgewiesen: Im September 2018 störten mehrere Neonazis eine Veranstaltung der Grünen Jugend in Lünen. Bei einer Neonazi-Demonstration in Dortmund im Oktober 2018 trug ein Teilnehmer ein C18-T-Shirt. Im Januar 2019 zeigten C18-Aktivisten vor dem Hermannsdenkmal bei Detmold Plakate mit der Forderung „Freiheit für unsere inhaftierten Brüder“.

84 Straftaten bekannt geworden

Von den 12 namentlich bekannten C18-Mitgliedern aus NRW – von denen drei inzwischen dem Bundesland fortgezogen seien – sind gemäß einer Auswertung des Bundeskriminalamts von Ende 2017 insgesamt 84 Straftaten bekannt, die in der Antwort im Detail aufgeführt werden. 40 Prozent hiervon wurden demnach in Dortmund begangen, gefolgt von Köln (13 Delikte) sowie Hamm, Duisburg und Gelsenkirchen. Bei den Straftaten dominierten Körperverletzungen.

Die NRW-Sicherheitsbehörden beobachteten die Entwicklung von C18 „wegen der Gewaltbereitschaft intensiv“, heißt es abschließend. Die Landtagsabgeordnete Verena Schäffer spricht von einer „besorgniserregenden Entwicklung“: Die „ohnehin schon gewaltbereite Szene“ sei in den vergangenen Jahren offenbar „dazu übergangen, die eigene Gewalt zu professionalisieren.“ (J.M.)

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