Chris Ares löst Shitstorm gegen AfD aus

Der rechtsextreme Rapper Chris Ares will in Bischofswerda ein rechtes Jugendzentrum eröffnen – doch seit sich auch die im Stadtrat vertretene AfD-Fraktion geschlossen dagegen aussprach, ist die Gliederung einem Shitstorm ausgesetzt. Nicht der einzige Rückschlag für Ares – Amazon entfernte gestern sein Album von der Plattform, einen Tag vor der geplanten Veröffentlichung.

Chris Ares - bei Amazon und Deezer mittlerweile entfernt, Spotify listet ihn weiterhin, Foto: Screenshot

„Abartig: AfD stimmt gegen patriotisches Jugendzentrum von Chris Ares“, heißt es selbst auf dem rechtspopulistischen Blog „Journalistenwatch“ angesichts der Vorfälle der letzten Tage. Die Aussage steht beispielhaft für die Welle der Empörung, die derzeit über die AfD rollt, konkret die Fraktion im Stadtrat von Bischofswerda.

Die fünfköpfige Fraktion hatte sich während der Stadtratssitzung am Dienstag geschlossen und mit allen anderen Parteien gegen die Pläne von Chris Ares ausgesprochen, in der östlich von Dresden gelegenen Kreisstadt ein rechtes Jugendzentrum zu errichten. In der Einrichtung, die laut Ares angemietet wurde, soll auch Kampfsporttraining ermöglicht werden.

AfD wolle „lieber mit der FDP und der CDU gemeinsam ein Jugendzentrum aufbauen“

Eine Reaktion Ares´ ließ nicht lange auf sich warten. In einer Videobotschaft thematisiert der rechtsextreme Rapper sein Vorhaben, dass er nach eigener Aussage unter dem „Deckmantel patriotisches Jugendzentrum“ veröffentlicht habe. „Diese Gruppe kämpft scheinbar offen gegen uns- und gemeinsam mit dem Staat“, so Ares. Zudem hätte er mit dem Fraktionsvorsitzenden der AfD telefoniert, dieser hätte ihm zu verstehen gegeben, dass man solche „Typen nicht da haben und lieber mit der FDP und der CDU gemeinsam ein Jugendzentrum aufbauen“ wolle.

Innerhalb kürzester Zeit entfesselte sich eine Kampagne aus dem Unterstützerumfeld von Ares gegen die AfD. Diese sah sich gezwungen, auf die Vorwürfe zu reagieren und veröffentlichte am Donnerstag eine Stellungnahme auf Facebook, in der es heißt, dass es zum geplanten „patriotischen Jugendzentrum“ keine Abstimmung im Stadtrat gegeben hätte. Somit hätte die AfD „auch nicht für oder gegen etwas stimmen“ können. Die Argumentation auf formaler Ebene kam bei vielen Unterstützern des Rappers offenbar nicht gut an, viele gingen mit der Partei hart ins Gericht.

Der AfD-Politiker Dubravko Mandic meldete sich unter dem Titel „Sachsen-AfD bekämpft Chris Ares“ ebenfalls zu Wort und stellt sich hinter den Mann. In einem Rundumschlag hält Mandic mit Drohungen gegen Mitglieder seiner Partei nicht zurück: „Wir haben hier Krieg, auch in der Partei. (...) Und wer hier meint, dass er mit dem Gegner, mit dem politischen Feind, so wie Meuthen, zusammenarbeiten muss, dessen Karriere ist gefährdet. Den werden wir medial und innerparteilich zur Strecke bringen.“

Ares´ Pläne gehen über die des Jugendzentrums hinaus. Seit Längerem spricht er nebulös von einem Dorf in Ostdeutschland, natürlich „patriotisch“, dass errichtet werden soll. Dieses Vorhaben konkretisierte der Rechtsextreme, mittlerweile ist die Rede von vier Häusern zwischen Dresden und Pulsnitz, diese seien nach Aussage von Ares bereits errichtet, der Eigentümer würde sie zur Verfügung stellen. Angeblich sollen beide Projekte bereits im Herbst anlaufen.

Amazon entfernt Ares - Spotify nicht

Einen weiteren Rückschlag musste Ares, der mit bürgerlichem Namen Christoph Zloch heißt, erst gestern verkraften. Auf Amazon sollte heute sein neues Album erscheinen, das er seit Monaten bewirbt und dessen Veröffentlichung aufgrund von Corona immer wieder verschoben worden sein. Doch es kam anders. Offenbar löschte Amazon alle Produkte des Rappers von der Plattform, etwa 1.000 Boxen sollen dort hinterlegt worden sein, die nun an Ares zurückgehen. Auch seine erhoffte Chartsplatzierung dürfte damit vom Tisch sein.

Spotify führt Chris Ares weiterhin, Foto: Screenshot

Gänzlich ohne Vertrieb steht Ares dennoch nicht da. Wie bereits mehrfach in der Vergangenheit geschehen, nutzt er den neurechten Arcadi Verlag, der Ares eine eigene Kategorie im Online-Shop widmet. Während die Musikplattform Deezer die Musik von Ares gelöscht hat, wird diese auf Spotify weiterhin gelistet, inklusive des neuen Albums. Der Streamingdienst wurde bereits öffentlich dafür kritisiert, rechten Künstlern bzw. Organisationen eine Plattform zu bieten. So kann das rechte Netzwerk „Ein Prozent“ weiterhin den Dienst nutzen, auch nach Einstufung des Verfassungsschutzes als rechtsextremer Verdachtsfall scheint das Unternehmen kein Problem darin zu sehen.

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