von Tim Mönch
   

Chemnitz: Neonazi-Demo mit Mobilisierungsschwächen

Am Samstag demonstrierten 270 Neonazis beim jährlich stattfindenden „Tag der deutschen Zukunft“ (TddZ) in Chemnitz. Rund 1.500 Gegendemonstrierende waren gegen den Aufmarsch auf der Straße. Immer wieder wurde versucht, diesen durch Sitzblockaden zu stoppen. Nächstes Jahr soll die zwölfte Auflage in Worms stattfinden.

Rund 270 Personen aus dem Neonazi-Spektrum kamen am Sonnabend nach Chemnitz, Fotos: Tim Mönch

Bei strahlendem Sonnenschein marschierten die Neonazis durch Chemnitz. Einige Teilnehmer wie der Dortmunder Neonazi Siegfried Borchardt hatten mit den sommerlichen Temperaturen sichtlich zu kämpfen und sahen schon bei der zweiten Zwischenkundgebung äußerst erschöpft aus.

Gestartet war der rechte Aufmarsch am Rande der Chemnitzer Innenstadt. Doch schon kurz nach Beginn musste die Demonstration eine unfreiwillige Pause einlegen, denn die Polizei monierte die mitgebrachten Trommeln. Diese sollten eigentlich den Marschrhythmus vorgeben, doch die Polizei untersagte dies mit Verweis auf den Auflagenbescheid. Ohne Trommeln, dafür aber mit den immer gleichen Parolen, zog der Neonaziaufmarsch am Hauptbahnhof vorbei in den Stadtteil Sonnenberg, in dem vor einigen Jahren noch eine Gruppe junger Neonazis unter dem Namen „Rechtes Plenum“ versucht hatte, einen „Nazi-Kiez“ zu errichten.

Chemnitzer Organisatoren bekommen Unterstützung aus Dortmund

Personen dieser mittlerweile aufgelösten Gruppe nahmen auch am TddZ teil. Beispielsweise Tim K., der als Ordner fungierte und vor Beginn der Demonstration den Lautsprecherwagen mit aufbaute. Mit Maik Arnold und Marcel B. nahmen auch Personen der verbotenen Kameradschaft „Nationale Sozialisten Chemnitz“ teil.

Unterstützung bekamen die Chemnitzer Organisatoren von Neonazis aus Dortmund. Die rechten Szenen der Städte sind seit Jahren gut miteinander vernetzt. Christoph Drewer von der extrem rechten Kleinstpartei „Die Rechte“ nahm als Ordner an der Demonstration, sein Bruder begleitete den Aufmarsch fotografisch und versuchte dabei gezielt Journalisten und Gegendemonstrierende zu fotografieren.

Zudem nahmen mit Stefan Trautmann, NPD-Kreisrat aus Döbeln, dem sächsischen NPD-Landeschef Jens Baur und Dieter Riefling von „Die Rechte“ weitere rechtsextreme Parteikader teil. Sven Skoda aus Dortmund, der regelmäßig durch häufig durch Reden hart an der Grenze zur strafrechtlichen Relevanz auffällt, trat als Redner auf und schwadronierte vom täglichen Kampf für die „nationale Sache“. Der JN-Vorsitzende Christian Häger verbreitete in seiner Rede wiederum den Mythos des „großen Austausch“.

„Tag der deutschen Zukunft“ auf dem absteigenden Ast

01.06.2019 Chemnitz "Tag der deutschen Zukunft"

Der TDDZ in Chemnitz war bereits die zehnte Auflage der jährlich stattfindenden neonazistischen Demonstration. Doch seit Jahren schaffen es die Organisatoren trotz bundesweiter Anreise nicht mehr, an frühere Teilnehmerzahlen heranzureichen. Einzig der Aufmarsch in Dortmund 2016 stach mit knapp 1.000 Teilnehmenden dabei heraus. Schon im letzten Jahr in Goslar nahmen nur rund 250 Personen teil und selbst Chemnitz mit dem Ruf einer rechten Hochburg konnte nicht mehr Personen mobilisieren.

Gegenprotest mit großer Demonstration und buntem Rahmenprogramm

Dem braunen Aufmarsch stellte sich eine große, antifaschistische Demonstration des Bündnisses „Chemnitz Nazifrei“ entgegen, an der sich rund 1.500 Personen beteiligten. Lautstark protestierte die Gegenveranstaltung in Sicht- und Hörweite. Mehrfache Blockadeversuche wurden von der Polizei allerdings unterbunden.

An einem gleichzeitig stattfindenden Kinderfest in der Chemnitzer Innenstadt nahmen hunderte Familien an einem bunten Programm teil. Begleitet wurde das Fest von einem Konzert für Kinder am Karl-Marx Monument. Dort spielte nach Abschluss der Demonstrationen auch noch die Hip-Hop Crew „Waving the Guns“.

Wie üblich wurde auf der Abschlusskundgebung der Neonazi-Demonstration der Austragungsort für das nächste Jahr bekannt gegeben. Ob in Worms 2020 wieder mehr Teilnehmende zu erwarten sind, ist äußerst fraglich.

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