Brüder im Geiste

Die rechtsextreme tschechische Arbeiterpartei für soziale Gerechtigkeit (Dělnická stranasociální spravedlnosti - DSSS) hat einen Repräsentanten des ukrainischen „Rechten Sektors“ (Prawy Sektor) eingeladen.

Freitag, 28. Februar 2014
Anton Maegerle

In einer Pressemitteilung behauptet die DSSS, dass es die Mitglieder und Sympathisanten des „Rechten Sektors“ waren, die den Sieg über Präsident Viktor Janukowitsch maßgeblich erkämpften. Hunderte paramilitärische Kämpfer hatte der gewalttätige und militant antikommunistische „Rechte Sektor“ an vorderster Front auf dem Unabhängigkeitsplatz von Kiew gestellt. Feindbild des „Rechten Sektors“, einer Melange aus Chauvinisten, Neonazis, Hooligans und Politschlägern, ist Aussagen ihres Führers Dmitry Jarosch (42) zufolge „der russische Imperialismus“. Ziel der Partei ist eine „nationale Revolution“ und die Beseitigung der „inneren Okkupation“ durch die Überreste des sowjetischen Machtapparats. Die Mitglieder lehnen liberale und demokratische Werte ab.

Landesweit schätzt die Gruppierung ihr Mobilisierungspotenzial auf 5000 Personen. Im Netzwerk „vkontakte“ sollen sich mehr als 300 000 Sympathisanten tummeln. Der Sprachwissenschaftler Jarosch, der aus der Industriestadt Dniprodserschynsk im Zentrum der Ukraine stammt, ist seit den frühen 90er Jahren politisch aktiv. 1994 hatte er eine Organisation namens „Trisub“ ins Leben gerufen, die sich – wie heute der „Rechte Sektor“ – der Verteidigung des ukrainischen Nationalismus und dem nationalistischen Kult um den Partisanenführer Stepan Bandera verschrieben hat.

Der von der bundesdeutschen NPD als „Held des ukrainischen Nationalismus“ gelobte Bandera stand in den Jahren 1941 bis 1959 an der Spitze der „Organisation Ukrainischer Nationalisten“ (OUN). Deren militärischer Arm, die im Oktober 1942 gegründete „Ukrainische Aufstandsarmee“ (UPA) kollaborierte zeitweilig im Zweiten Weltkrieg mit den deutschen Besatzern, war in die Ermordung von mehr als 100 000 polnischen, tschechischen und jüdische Menschen verwickelt.

Die seit März 2010 unter dem Namen „Arbeiterpartei für soziale Gerechtigkeit“ fungierende tschechische Neonazi-Partei ist aus der verbotenenen nationalistischen Delickna strana („Arbeiterpartei“) hervorgegangen. Die Partei und ihr Vorsitzender Tomas Vandas arbeiten eng mit der NPD zusammen. Agitationsschwerpunkt der DSSS sind Demonstrationen gegen die Roma-Minderheit.

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