Braunes Vogtland

Die Polizei in Greiz beendete am 16. Mai die Geburtstagsfeier eines stadtbekannten Rechtsextremisten. Nur wenige Stunden zuvor war an dem Samstag ein paar Kilometer weiter ein neuer Anlaufpunkt für Neonazis aus der Region, der Szeneladen „Nordlicht“ eröffnet worden.

Mittwoch, 20. Mai 2009
Maik Baumgärtner

Im Dreiländereck zwischen Thüringen, Sachsen und Bayern liegt das Vogtland, eine Region bekannt für ihre malerischen Landschaften, hohe Arbeitslosigkeit und eine militante rechtsextreme Szene. Hier, im sächsischen Netzschkau, eröffnete jetzt der Kreisvorsitzende der NPD-Greiz, Thomas Meisser, einen neuen Anlaufpunkt für Neonazis aus der Region. Zur Eröffnungsfeier des Szeneladens „Nordlicht“ waren rund 70 Personen aus dem Umfeld der NPD und der Freien Kameradschaften anwesend. Doch diesmal formierte sich auch eine Gegenkundgebung: unter dem Motto „Schöner Leben ohne Nazis – für ein weltoffenes Vogtland“ demonstrierten an dem Wochenende etwa 120 Menschen gegen die Eröffnung des Ladens.

Im Umfeld des neuen Geschäfts war es bereits wenige Tage vor der Eröffnung zu Übergriffen auf vermeintlich linke Jugendliche gekommen, wobei diese geschlagen und ihr Auto beschädigt wurden.

Thomas Meisser ist kein Unbekannter im Vogtland. Er nahm in der Vergangenheit nicht nur an den bei Greiz stattfindenden „Rudolf Heß-Gedenkturnieren“, einer rechtsextremen Fußball- und Alkoholorgie, teil, sondern ist auch wichtiges Bindeglied zwischen der NPD und den regionalen Kameradschaftsaktivisten.

Nur ein paar Stunden später und wenige Kilometer entfernt setzte sich das Erlebniswochenende im thüringischen Greiz während einer Geburtstagsfeier für einige der bereits in Netzschkau anwesenden Neonazis fort. Zum alltäglichen Bild in dieser Stadt gehören unzählige Autos mit Aufschriften wie „Todesstrafe für Kinderschänder“, sowie braune Propagandaaufkleber im gesamten Stadtgebiet. Seit Anfang dieses Jahres kam es auch vermehrt zu Sachbeschädigungen am Eigentum vermeintlich linker oder alternativer Jugendlicher sowie zu Bedrohungen und Körperverletzungen. So auch am 16. Mai, wobei es laut Polizeimeldung zu einer „gefährlichen Körperverletzung“ und Pöbeleien von „rechten“ Jugendlichen kam. Kurz zuvor wurde bereits ein 23-Jähriger verhaftet, weil er den „Hitlergruß“ gezeigt hatte. Da die Polizei alle Täter der braunen Geburtstagsfeier zuordnen konnte, wurde diese wenig später von der Bereitschaftspolizei aufgelöst. Bei dem Organisator soll es sich um Norman Wilkens, stellvertretender Kreisvorsitzender der NPD-Greiz, gehandelt haben. Wilkens verbüßte zwischen 2003 und 2007 eine Haftstrafe wegen eines Brandanschlags auf eine Flüchtlingsunterkunft in Greiz-Irchwitz.

Seit Jahren können sich braune Strukturen in Greiz fast ungestört entwickeln, während das lokale „Bürgerbündnis“ hinter verschlossener Tür tagt und nicht wahrnehmbar ist. Dort, wo noch 2003 die Flüchtlingsunterkunft stand, ist heute nur noch eine Brachfläche zu sehen. Kein Schild, keine Tafel, nichts weist auf den Brandanschlag hin. So verwundert es auch nicht, dass eine Anwohnerin im Vorbeigehen sagt: „Wir sind froh das die hier weg sind“. Sowohl die Zivilgesellschaft, als auch die Stadtoberen müssen sich jetzt dem Problem stellen und offensiv und transparent gegen die wachsende rechtsextreme Szene vorgehen. Die Gefahr, dass Wilkens und Meisser, beide Kandidaten für die Kommunalwahl im Juni, bald mit ihnen an einem Tisch sitzen werden ist groß und die Probleme werden dann nicht kleiner.

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