Braunes Spektakel in Mittelfranken

Einen Tag vor der Europawahl hält die NPD im mittelfränkischen Scheinfeld ihren „Bayerntag“ ab. Im Ort formiert sich derweil Widerstand gegen das Neonazi-Event.

 

Dienstag, 06. Mai 2014
Johannes Hartl

Der NPD-Landesverband Bayern bewirbt im Internet seit einiger Zeit den inzwischen siebten „Bayerntag“. Unter dem Motto „Freiheit statt EU!“ soll das braune Spektakel am 24. Mai, also einen Tag vor der Europawahl, in der mittelfränkischen Kleinstadt Scheinfeld abgehalten werden. In ihrem Programm kündigt die rechtsextreme Partei ein Event „mit Reden, Musik und Spaß sowie kulinarischen Köstlichkeiten aus Bayern“ an. Beginnen soll die Veranstaltung ab 12.00 Uhr, Einlass ist bereits eine Stunde zuvor.

Als Redner wird außer dem NPD-Landesvorsitzenden Karl Richter und seinem Stellvertreter Sascha Roßmüller auch der Bezirksvorsitzende der NPD in Mittelfranken, Ralf Ollert, erwartet. Während die angekündigten Redner Richter und Ollert vor allem als Stadträte der NPD-Tarnliste „Bürgerinitiative Ausländerstopp“ (BIA) in München beziehungsweise Nürnberg bekannt sind, sorgte Landesvize Roßmüller in der Vergangenheit mehrfach wegen seiner Mitgliedschaft bei dem Rocker-Club „Bandidos“ für Aufsehen. Erst kürzlich ist er höchstrichterlich mit seiner Revision gegen den Entzug der Gewerbeerlaubnis für sein Sicherheitsunternehmen gescheitert. (bnr.de berichtete)

Rechtsrock-Konzert am Abend geplant

Neben den Reden steht auch „Musik und Kultur“ auf dem Programm. Dafür soll nicht nur ein „Liedermacher Alex aus Thüringen“ sorgen, sondern auch der so genannte „Druide Burgos von Buchonia“, der laut Plakaten der NPD über „Naturreligiöses“ berichten werde. Durch eine angekündigte „Kinderbetreuung + Spiele“ will die rechtsextreme Partei zudem ein Programm für die Kinder aus einschlägigen Familien bieten.

Als abschließende Veranstaltung ist am selben Abend auch noch ein Rechtsrock-Event geplant, das von dem NPD-Aktivisten Patrick Schröder aus Mantel in der Oberpfalz organisiert wird. Damit knüpft der Moderator der Neonazi-Sendung „Frei-Sozial-National-TV“ (FSN-TV) an das „Live-H8“-Konzert aus dem Vorjahr an, das damals von den Behörden verschwiegen worden war und im Oktober mit bis zu 1000 Teilnehmern ebenfalls in Scheinfeld stattgefunden hat.

Angekündigt sind für das diesjährige Neonazi-Spektakel einschlägige Rechtsrock-Bands wie „Nahkampf“ aus Bremen, „Sturmwehr“ aus Gelsenkirchen, „Terroritorium“ aus Hannover und „Words Of Anger“ aus Schleswig-Hohlstein. Als „Special Guest“ wird bei FNS-TV außerdem die Gruppierung „Faust Rache“ beworben.

„Politisch-kultureller Nachmittag“

Offiziell angemeldet sind bei der Stadt drei NPD-Veranstaltungen. Zuerst ist für den Zeitraum von 9.00 bis 20.00 Uhr ein „Friedensgebot gegen Intoleranz“ mit 100 Personen und zur selben Zeit in der Innenstadt eine Aktion unter dem Motto „Meinungsfreiheit muss man schützen gegen die, die oben sitzen“ mit acht Personen registriert. Diesen Aktionen soll dann schließlich von 12.00 bis 18.00 Uhr ein „politisch-kultureller Nachmittag“ und ab 20.00 Uhr bis 4.00 Uhr am nächsten Morgen das „Live-H8 II“-Festival von Patrick Schröder folgen. Für das Rechtsrock-Konzert werden bis zu 900 Teilnehmer erwartet, wovon allerdings aus Platzgründen nur 430 direkt in die Räumlichkeiten Diskothek gelassen werden dürfen.

Während allen voran der NPD-Kader Schröder zuletzt — auch mit provokanten Aktionen — die Werbetrommel für seine Veranstaltung gerührt hat, formiert sich im Ort inzwischen deutlicher Widerstand gegen das anstehende Neonazi-Spektakel.

Gemeinsam mit „Scheinfeld ist bunt“, dem „Bündnis gegen Rechts im Landkreis Neustadt/Aisch – Bad Winsheim“, dem „Bündnis für Toleranz im Steigerwald“ sowie den „Nordbayerischen Bündnissen gegen Rechts“ rufen der Scheinfelder Stadtrat und Bürgermeister Claus Seifert (SPD) zu Protesten gegen die geplanten NPD-Aktionen und das Rechtsrock-Konzert auf. Nachdem die Neonazis die fehlenden Proteste im Vorjahr offenbar als Einladung verstanden hätten, muss ihnen nun gemeinsam gezeigt werden, „dass sie mit ihrem Hass gegen religiös gläubige, Flüchtlinge, Arme und Reiche, Nicht-Deutsche, Menschen mit unterschiedlicher sexueller Orientierung und Geschlechtsidentität, Demokratinnen und Demokraten, Menschen mit Behinderung und vielen anderen nicht willkommen sind“. Dies soll am 24. Mai durch demokratische Proteste zum Ausdruck gebracht werden, die ab 14.00 Uhr mit einer Auftaktkundgebung in der 4600-Einwohner Stadt beginnen werden.

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