Braunes Spektakel am Pfingstsamstag

Auf dem Festplatz im thüringischen Hildburghausen soll  am 23. Mai ein Neonazi-Event unter der Losung „Rock für Meinungsfreiheit“ stattfinden.

Donnerstag, 21. Mai 2015
Horst Freires

Im Netz bleiben sie virtuell, die online von Patrick Schröder aus der Oberpfalz verantworteten propagandistischen Radio- und TV-Sendungen, die es seit Ende 2012 gibt. Real wird der Mix aus Musik und neonazistischer Indoktrinierung am Samstag von 14.00 Uhr bis Mitternacht in Hildburghausen, wenn zum inzwischen dritten Mal ein so genanntes „H8–Live“-Event angeboten wird, das neuerdings mit der geänderten Losung „Rock für Meinungsfreiheit“ als Kundgebung beworben wird. Seit geraumer Zeit wird das Ereignis auch international angekündigt, unter anderem durch die hierzulande seit 2000 verbotene „Blood&Honour“-Bewegung.

In kursierenden Einladungen ist davon die Rede, dass es um einen Solidaritätsbeitrag für den Schröder-Sender „FSN.TV“ geht. Ganz klar ist dabei die monetäre Seite gemeint. Der Sendebetreiber ist unter anderem verurteilt worden, in einer seiner ausgestrahlten Programme den Hitler-Gruß gezeigt zu haben. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Auch wegen Ordnungswidrigkeiten gegen Bestimmungen des Rundfunkstaatsvertrages und Verstößen gegen den Jugendschutz wurde der NPD-Funktionär, der auch bei einem florierenden Szene-Versandhandel (Ansgar Aryan) mitmischt, zuletzt belangt. Es gibt seit einigen Jahren durchaus Kritiker, die dem Anfang-30-Jährigen vorwerfen, persönliche kommerzielle Interessen an vorderste Stelle zu rücken.

Auf der Rednerliste für das braune Spektakel am Pfingstsamstag auf dem Hildburghausener Festplatz findet sich mit Sebastian Schmidtke aus Berlin einer der derzeit umtriebigsten NPD-Spitzenfunktionäre. Neben dem Bundesorganisationsleiter der Partei soll auch  David Köckert (NPD Thüringen) sprechen. Hinzu kommt Tommy Frenck, der mit dem „Bündnis Zukunft Hildburghausen“ einer kommunalpolitischen NPD-Tarnliste ein Gesicht gibt. Berührungsängste zur neu entwachsenen parteipolitischen Konkurrenz gibt es nicht, wird doch auch Alexander Kurth vom sächsischen Landesverband „Die Rechte“ angekündigt.

Sonderbus-Anreise aus Südwestdeutschland

Zum Line-Up der Bands gehören „Sleipnir“ (Marco Bartsch/Nordrhein-Westfalen), „Überzeugungstäter“ (Sachsen), „Faust“ (Hessen), „Killuminati“ (bundesländerübergreifend), „Ahnenblut“ und die mehrere Jahre pausierende Band „Mjölnir“ (Schreibweise Veranstalter: Mjöllnir) aus Nordrhein-Westfalen. Unterstützung findet die Veranstaltung unter anderem auch durch das in Chemnitz ansässige Label PC Records sowie durch den Szene-Versand Leveler Records aus Anklam. Seitens „Killuminati“, die erst seit diesem Jahr zusammen live auftreten, wird im Internet sogar auf eine Sonderbus-Anreise aus Südwestdeutschland verwiesen. Die Ordnungsbehörden haben den Bands zur Auflage gemacht, ihre Titellisten zur Überprüfung vorzulegen.

Auf dem Gelände soll es diverse Händlerstände mit Devotionalien und Szene-Accessoires geben. Unter anderem wird auch eine Balaclava-Küche angepriesen, eine nationalistische Kochshow, die von vermummten Protagonisten vorgeführt wird – im Vorjahr bei FSN.TV erstmals aus der Taufe gehoben.

Lokale Bündnisse gegen Rechtsextremismus mobilisieren mit dem Aufruf für die Bildung einer Menschenkette zum friedlichen örtlichen Protest gegen das braune Spektakel am Pfingstsamstag in Hildburghausen.

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