von Marc Brandstetter
   

Brauner Wahlkampfabschluss im „Thinghaus“

Die NPD setzt zum Wahlkampfendspurt an. In Mecklenburg-Vorpommern lädt sie heute zum „Tag des offenen Thinghauses“ ein – „Personen, die antideutschen Parteien oder Organisationen angehören“, sind allerdings nicht willkommen.

Es ist ein offenes Geheimnis, dass die NPD Mecklenburg-Vorpommern den Bundestagswahlkampf – verglichen mit zurückliegenden Wahlkämpfen – eher stiefmütterlich behandelt. Zu groß sind die Meinungsverschiedenheiten mit Parteichef Holger Apfel, dessen vermeintlich weichgespülter Kurs an der neonazistischen Basis auf wenig Gegenliebe stößt. Außerdem haben die NPD-Aktivisten hierzulande längst zwei andere Ziele im Visier: Bei den Wahlen zum Europäischen Parlament möchten sie ihr Aushängeschild, den Vorsitzenden der Landtagsfraktion Udo Pastörs, nach Straßburg entsenden. Außerdem sollen bei den Kommunalwahlen im nächsten Frühjahr erneut möglichst vielen Mandate erkämpft werden.

Wahrscheinlich hat sich die Bundesparteispitze von ihrem Vorhaben, das Resultat von 2009 zu bestätigen (1,5 Prozent), längst verabschiedet. Der Partei dürfte es nur noch darum gehen, die magische 0,5-Prozent-Hürde zu nehmen, um auch zukünftig in den Genuss staatlicher Gelder zu kommen. Denn die Rechtsextremisten finanzieren sich zu gut 40 Prozent aus Mitteln der Parteienfinanzierung. Hierfür ist allerdings auch ein gutes Abschneiden an der Ostsee notwendig, wo die NPD vor vier Jahren immerhin 3,4 Prozent einfahren konnte. In Sachsen waren es sogar noch 0,7 Prozentpunkte mehr (4,1 Prozent).

Um die „Kameraden“ zu motivieren, aber auch um Sympathisanten anzusprechen, laden die Rechtsextremisten für den heutigen Samstag zum „Tag des offenen Thinghauses“ nach Grevesmühlen ein. Im letzten Jahr konnte diese Veranstaltung einigen Zulauf verbuchen. Die Veranstalter versprechen „nette Leute, gute Laune und interessante Gespräche“. Nicht anwesend sein wird der Eigentümer des Geländes im Gewerbegebiet der Stadt: Sven Krüger, einst Mitglied des Landesvorstandes, verbüßt eine mehrjährige Haftstrafe, u. a. wegen gewerbsmäßiger Hehlerei.

Ein Flyer, der im Stil und Optik an ähnliche Werbezettel der vierziger und fünfziger Jahre angelehnt ist, kündigt ferner eine „Tombola für den guten Zweck“ und einen „Kuchenwettbewerb“ an. Scheinbar haben die Organisatoren im Vorjahr hiermit gute Erfahrungen gemacht. Ein Kinderfest – „für Kinder bis 15 Jahre kostenlos“ –, bei dem auch die Kunstfigur „Fuchs Reinar“ auftreten soll, rundet den Wahlkampfabschluss ab.

Politik kommt bei einer Veranstaltung wie dieser nicht zu kurz. Am Samstag stellen sich vor Ort auch die ansässigen Projekte wie das rechtsextreme Internetportal „MUPinfo“ oder das „Netzwerk für Tolerie und Demokranz“ vor. Den Fragen der Besucher werden sich der hiesige Spitzenkandidat Pastörs und Landeschef Stefan Köster stellen. Die beiden NPD-Größen haben keinen weiten Weg, unterhalten sie doch bereits seit 2010 im Grünen Weg 5a ihre Bürgerbüros.

Einstellen müssen sich politisch nicht genehme Personen oder Journalisten im Übrigen darauf, obwohl der Flyer verspricht, „Wir laden Sie herzlich ein uns zu besuchen“ [sic!], dass sie keinen Einlass erhalten werden. Die Veranstalter weisen auf ihr Hausrecht hin und drohen, Personen „antideutscher Parteien oder Organisationen“ und alles „antinationale“ von der Veranstaltung auszuschließen.

Foto: Screenshot

Kommentare(6)

GNWP Sonntag, 22.September 2013, 09:00 Uhr:
Oh man, so viel zur "Offenheit" des Ladens...Ihr peinlichen Vögel!!!
 
MrAspie Montag, 23.September 2013, 17:29 Uhr:
@Stefan:

1. WAS steht auf "90% der linkslastigen Flyer"? Und wie kommst Du zu dieser Statistik?

2. Woraus schliest Du wer zu diesen welche Meinung vertritt?
 
Stefan Dienstag, 24.September 2013, 10:10 Uhr:
MrAspie:

http://endstation-rechts.de/index.php?option=com_k2&view=item&id=8441:es-darf-gerockt-werden-finanzierung-von-%E2%80%9Ejamel-rockt-den-f%C3%B6rster%E2%80%9C-steht&Itemid=419

http://www.boell-mv.de/veranstaltungen/mehr/cal/event///tx_cal_phpicalendar/2013/09/19//blut_und_ehre_lesung_gespraech_mit_andrea_roepke/

Und das sind nur 2 Sachen die ich hier auf die Schnelle gefunden habe. Bitte nicht immer blöder darstellen als man ist. Schau bei Indy nach, da gibt es etliche Aufrufe, der Großteil, welche diesen Passus enthällt. Dazu gebe ich dir gerne noch genug Links, die von Ausschlüssen von Gesprächsrunden handeln, wo der Passus fehlte. Da wollten Nazis eben mal mit reden, nicht nur über sich reden lassen...

Frage 2 versteh ich leider nicht.

Brumm Brumm, der rote Panzer fährt weiter im Glashaus...
 
Roichi Dienstag, 24.September 2013, 15:28 Uhr:
@ Stefan

Jetzt fehlt allerdings noch, wo diese Veranstaltungen einen "Tag der offenen Tür" darstellen?
Das müsstest du nämlich auch noch begründen, wenn du deinen Vergleich anbringen willst.
Da helfen dir auch deine Militärspielzeuge nicht weiter.
 
Stefan Mittwoch, 25.September 2013, 08:54 Uhr:
@MrAspie: haha, welche normale Bürger sich eine NPD Veranstaltung gerne antun würde? Schau dir nur die letzten Pressefeste an, da waren soviele normale Einwohner, die sich eben nicht von der Presse heiß machen lassen wollten... Du hast Besseres zu tun? Die Länge deines Textes sagt dann doch was anderes. Ich aber wirklich, daher muß ich mich leider verabschieden. Und was jetzt wieder kommt, ist mir bewußt...
 
MrAspie Donnerstag, 26.September 2013, 09:29 Uhr:
@Stefan:

Wenn Dir bewusst ist, was jetzt kommt: Wieso hast Du dann nicht gleich ein paar Links zu entsprechenden Berichten beigefügt, anhand derer ich meine bisherige Einschätzung überprüfen und ggf korrigieren kann?
 

Die Diskussion wurde geschlossen