Brauner Überzeugungstäter

Knasterfahrener österreichischer Neonazi-Kader steht erneut wegen NS-Wiederbetätigung vor Gericht.

Freitag, 02. Dezember 2011
Anton Maegerle

Der hinlänglich auch in Deutschland bekannte österreichische Neonazi Franz Radl (Jg. 1967) muss sich mit drei Gesinnungskameraden noch in diesem Jahr wegen des Verdachts auf NS-Wiederbetätigung nach Paragraph 3 g Verbotsgesetz vor dem Grazer Landgericht verantworten.

Franz Radl, bereits 1992 und 1995 wegen NS-Wiederbetätigung rechtskräftig zu Haftstrafen verurteilt und entsprechend knasterfahren, ist laut Anklageschrift „seit Anfang der 1990er Jahre propagandistisch für den Nationalsozialismus tätig.“ Zumindest seit 2005 bemühe sich Radl auch über das Internet, Personen, vor allem Jugendliche, für den Nationalsozialismus anzuwerben, heißt es. Die Staatanwaltschaft Graz misst Radl deshalb „besondere Gefährlichkeit“ im Sinne des Paragraphen 3g Verbotsgesetz zu und charakterisiert ihn als „einen der aktivsten Vertreter der rechtsradikalen antijüdischen Szene in Österreich.“ Radl soll, so die Anklage, womöglich mit anderen Personen,  die Propaganda-Homepage www.honsik.com des mit ihm befreundeten Holocaust-Leugners Gerd Honsik (Pseudonym: „Prof. Guido Raimund)  betrieben haben. Sowohl Radl als auch der damalige Justizflüchtling Honsik, der zum Zeitpunkt der Installation der Homepage im vermeintlich sicheren Spanien weilte,  vertreten die These der so genannten „Gaskammerlüge“ beziehungsweise des „Holocaustschwindels“. 

Die Staatsanwaltschaft hat festgestellt, dass Radl von 2003 bis 2009 bei den von Lisbeth Grolitsch geleiteten rechtsextremen Vereinen „Deutsches Kulturwerk“ und „Deutsche Kulturgemeinschaft“ (beide: Graz) geringfügig beschäftigt war. Grolitsch (Jg. 1922), vormals BDM-Gau-Unterführerin und Grand Dame des österreichischen Rechtsextremismus, pflegt bis heute eine anhaltende Treue zu ihrem Idol Hitler. „Die nach wie vor dem Nationalsozialismus und der Person Adolf Hitler verhaftete Gesinnung“ von Radl, zeige sich, so die Anklageschrift, unter anderem in einer E-Mail an Jürgen Schwab. Radl warf darin dem Nationalrevolutionär Schwab vor, in einem Vortrag im Haus der Sängerschaft Gothia in Graz „den Nationalsozialismus, den Führer und Reichskanzler, die Reichsregierung und überhaupt das Deutsche Reich und das Deutsche Volk diskreditiert“ zu haben.

„Rassismus ist gesunder Volkserhaltungstrieb“

In diesem Zusammenhang wird Radl auch das auf seinem MP3-Player abgespeicherte Lied „EIN FÜHRER“ der band „Arisches Blut“ angelastet. Darin heißt es unter anderem: „Was SS und SA geschaffen gibt es lang nicht mehr im deutschen Land, die Juden wollen nur raffen. Wo ist denn unser Führer? ... Wir schwören auf Adolf Hitler ewige Teue. So wird Deutschland gegen die Juden gerächt. Deutschland steh auf gegen jüdische Gierigkeit!“

Den drei weiteren Angeklagten, Gerhard Taschner (Jg. 1985),  Markus Liendl (Jg. 1980) und der Schüler Daniel S. (Jg. 1990), wird unter anderem vorgeworfen, Aufkleber mit der „Aufschrift „Freiheit für Honsik!“ an diversen Stätten angebracht zu haben. Auf dem Laptop von Taschner hatten die Ermittler Lieder wie „Judenschwein“ von „Kommando Freisler“ entdeckt. In dem Hetzsong heißt es: „Denn in Deutschland weiß jedes Kind, dass Juden nur zum Heizen sind ... die Ölvorräte enden bald, dann wird`s in der Bude kalt. Aber Leute hört gut her, Juden gibt`s wie Sand am Meer“. Auf seiner Facebook-Seite bezeichnete sich Taschner selbst als „politischen Soldaten“ und  erklärte: „Rassismus ist gesunder Volkserhaltungstrieb“. Als Lieblingsmusiker nannte Taschner  die verbotene deutsche Neonazi-Band „Landser“ und den zwischenzeitlich verstorbenen Barden Michael Müller.

Der Maurer Liendl ist bereits einschlägig unter anderem wegen Körperverletzung und Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte vom Amtsgericht Dresden und vom Bezirksgericht Korneuburg wegen Vergehens eines tätlichen Angriffs auf einen Beamten verurteilt. Im Zimmer von S., der  im Haus seiner Mutter wohnt, fand die Kripo eine Hakenkreuzfahne.

 

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