Brauner Kampfsport mit theoretischem Überbau

Unter dem Namen „Heureka“ soll im Mai erneut ein Kongress der international vernetzten rechten Kampfsport-Bewegung stattfinden. Veranstaltet wird das Meeting von der Szene-Marke „Wardon 21“, die sich der Philosophie einer gesunden Lebensführung verschrieben hat.

Dienstag, 26. März 2019
Horst Freires

In den vergangenen Jahren hat die international vernetzte Kampfsport-Szene an Bedeutung gewonnen, gerade auch bezüglich der Aktivitäten hierzulande. Ein besonderer Zweig dieser rechten Bewegung propagiert den Gesundheitsaspekt. Wie bereits im Vorjahr will genau dieses Spektrum sich am 11. Mai zu einem Kongress treffen, der den Namen „Heureka“ trägt.

Was ansonsten eine Materie von schweißtreibender Prügelorgie samt brutalen Kampfpraktiken bis hin zu blutenden Verletzungen ist, bekommt mit dem Meeting quasi einen theoretischen Überbau. Dabei stehen Schulung und Diskussion im Mittelpunkt – also Bildungscharakter statt Kampfdoktrin. Allein die Titulierung Kongress beinhaltet schon etwas Elitäres. Wo genau man sich versammeln will, lässt ein Ankündigungsflyer allerdings offen. Es ist lediglich von „Mitteldeutschland“ die Rede.

Einer, der „Heureka“ ankündigt, ist Frank Kraemer, der in der Vergangenheit bereits einige Male die Werbetrommel für überregionale Events wie de, „Kampf der Nibelungen“ (KdN) gerührt hat. Kraemer ist in der braunen Szene vor allem als Rechtsrock-Musiker der Band „Stahlgewitter“ bekannt. In den vergangenen Jahren hat er sich aber darüber hinaus breiter aufgestellt. Kraemer agiert mit „Sonnenkreuz“ als Online-Versandhändler und stellt Videoclips unter dem Titel „Dritter Blickwinkel“ ins Internet. Dazu hat er Ende vergangenen Jahres mit Hilfe der rechtsextremen Stiftung „Europa Terra Nostra“ (ETN) das Buch „Werde unsterblich“ vorgelegt – Kraemers publizistisches Debüt. Er genießt die öffentliche Aufmerksamkeit wie gerade erst beim ETN-Stand auf der Leipziger Buchmesse.

Pierre Krebs vom „Thule-Seminar“ als Referent

Für den „Heureka“-Kongress ist Kraemer als Referent vorgesehen. Neben ihm werden Alexander Deptolla, einer der KdN-Organisatoren und umtriebiger Dortmunder Neonazi, Pierre Krebs als neurechter Theoretiker vom „Thule-Seminar“ sowie Andreas Göbel, ein zwischen Geschichtsrevisionismus und Verschwörungstheorien hin und her wechselnder Aktivist aus Siegen, der auch unter dem Spitznamen „Der vegane Germane“ bekannt ist, als Teilnehmer aufgeführt.   

„Heureka“ wird dem Werbeflyer zufolge von Vertretern der Kampfsportmarke „Wardon 21“ veranstaltet, die erstmals 2017 als Trainingsgruppe auftauchte. Diese hat sich der Philosophie einer gesunden Lebensführung verschrieben: Kein Alkohol, keine Drogen, gesunde Ernährung, gekoppelt mit körperlicher Ertüchtigung. Alles ist ein nachgeahmter Abklatsch der vor etlichen Jahren in eher alternativen Kreisen bekannt gewordenen Jugendbewegung „Straight Edge“. Bilder wie vom vergangenen Wochenende beim neonazistischen Skinhead-Rechtsrock-Festival im sächsischen Ostritz, wo der überwiegende Teil der rund 500 Besucher stark angetrunken anzutreffen war, sind bei „Wardon 21“ geradezu undenkbar.

„Kampf der Nibelungen“-Vertreter in Moskau

Als unmittelbares Vorbild für die eigenen Aktivitäten dürfte „Wardon 21“ ein Trainingsprogramm aus Russland dienen, das unter dem Namen „PPDM – Father Frost Mode“ agiert. Führungsfigur dahinter ist Maksim Savelyev. Dieser hat schon deutschen und österreichischen Neonazis Anschauungsunterricht gegeben. Am 9. Dezember vergangenen Jahres weilten KdN-Vertreter und Personen aus dem „Wardon 21“-Umfeld als Zaungäste beim MMA-Kampfspektakel „Hammer of Will Fight“ in Moskau. Diese Kontakte werden kontinuierlich gepflegt. So tauchen zum Beispiel „Grüße aus Gera“ als Facebook-Eintrag bei PPDM auf. Beim KdN-Turnier vom 13. Oktober in Ostritz wiederum stellte „Wardon 21“ einen Essensstand. Die angebotenen Speisen gab es entweder gegen Barzahlung oder gegen Ableistung von Fitnessübungen wie Liegestütz. Auf der eigenen Facebook-Seite verfasst „Wardon 21“ martialische Poesie wie „Unser Körper ist unsere Festung, die einen gesunden Geist birgt.“ Aktive Unterstützung erfährt hierzulande die PPDM-Gruppierung auch durch die Motorradgemeinschaft „Russlanddeutsche Wölfe MC“.      

2018 kamen rund 80 Besucher zur Erstauflage der „Heureka“-Zusammenkunft. Einer der Referenten dort war Denis Nikitin, der Begründer der russischen Kampfsport-Bekleidungsmarke „White Rex“, zudem berüchtigter Hooligan und Kampfsport-Ikone in der rechten Szene. Er befand sich in Begleitung ukrainischer Freunde. Nikitin ist übrigens nicht sein bürgerlicher Name, wie vor kurzem „Der Spiegel“ recherchierte, sondern er heißt eigentlich Kapustin. Er soll mit seinen Eltern 2001 als jüdischer Kontingentflüchtling aus Russland nach Deutschland gekommen sein, hat offenbar sogar eine Meldeadresse in Köln.

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