Brauner „Antikriegstag“

Zum sechsten Mal hintereinander wollen Neonazis in diesem Jahr am ersten Samstag im September in Dortmund aufmarschieren.

Dienstag, 03. August 2010
Tomas Sager

Der „Nationale Antikriegstag“ in der Westfalenmetropole ist zu einem festen Termin im Kalender der bundesdeutschen Neonazi-Szene geworden. Von 240 Teilnehmern beim ersten Anlauf Anfang September 2005 stieg die Teilnehmerzahl bis 2008 kontinuierlich auf 1200. Im vorigen Jahr mussten die Veranstalter einen Rückschlag hinnehmen: Nur 700 „Kameraden“ kamen. Das hatte zwei Ursachen: Zum einen war ein Verbot des Polizeipräsidenten erst am Tag vor der Veranstaltung aufgehoben worden. Zum anderen mussten sich die Neonazis mit einer stationären Kundgebung ohne Demonstrationszug durch die Stadt zufrieden geben.

Diesmal, am 4. September, sollen es nach der Vorstellung der Organisatoren rund um Dennis Giemsch, der als „Kopf“ der „Autonomen Nationalisten“ im östlichen Ruhrgebiet gilt, wieder deutlich mehr Teilnehmer werden. Als Redner sind nach derzeitigem Stand Pierre Krebs vom „Thule-Seminar“, Gottfried Küssel, Alt-Neonazi aus Österreich, Andy Knape, der Landesvorsitzende der Jungen Nationaldemokraten in Sachsen-Anhalt, Christian Worch sowie Giemsch selbst vorgesehen, der im vorigen Jahr in seinem Redebeitrag Hitler als „großen deutschen Politiker“ gefeiert hatte. Außerdem soll es wie in den vorigen Jahren „Grußworte“ verschiedener anderer extrem rechter Gruppen aus Europa geben.

„Solidaritätskonzerte“ zur Finanzierung

Bundesweit rühren die Organisatoren seit Wochen die Werbetrommel für die Veranstaltung, die mit einem „Antikriegstag“ nichts, mit Antisemitismus, Antiamerikanismus und Geschichtsfälschung umso mehr zu tun hat. „Mobilisierungsveranstaltungen“ mit Dortmunder Beteiligung fanden bisher in Baden-Württemberg, Berlin und Sachsen-Anhalt statt. 5000 Plakate, 55 000 Flugblätter und 65 000 Aufkleber wollen die Organisatoren bislang an die Wände und unter die Leute gebracht haben.

Zur Finanzierung trugen in der Vergangenheit regelmäßig „Solidaritätskonzerte“ bei. In diesem Jahr fand bereits ein solches Anfang Juli im Ruhrgebiet statt. Dabei spielten die Neonazi-Musikgruppen „Libertin“ und „Projekt Vril“ – zwei Bands, die häufig bei von Rechts-„Autonomen“ organisierten Konzerten auf der Bühne stehen.

Beiden Bands ist im direkten Vorfeld noch eine besondere Aufgabe zugedacht. Am Montag kündigten die Dortmunder Neonazis an, es werde am 3. September, am Vorabend des geplanten Aufmarschs, mitten in der Innenstadt eine „Kundgebung mit mehreren Live-Bands“ geben. Mit dabei: „Libertin“ und „Projekt Vril“. Weitere Gruppen seien angefragt. „Gerade jugendliche Neuinteressenten“, so meinen die braunen „Antikriegstags“-Organisatoren, würden so die Möglichkeit geboten bekommen, „eine Veranstaltung mit Rechtsrockmusik zu besuchen“.

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