Braune Umtriebe an der Wupper

Während sich der Wuppertaler „Die Rechte“ -Vorsitzende derzeit mit drei „Kameraden“ wegen einer Prügelattacke vor dem örtlichen Landgericht verantworten muss, gerieren sich einige seiner „Parteifreunde“ unter dem Label „Stadtschutz Wuppertal“ als Ordnungshüter.

Donnerstag, 11. September 2014
Tomas Sager

Das Berufungsverfahren gegen den „Rechte“-Kreischef Matthias D. und die drei anderen (bnr.de berichtete) vor dem Wuppertaler Landgericht nähert sich in diesen Tagen seinem Ende. Nach Überzeugung des örtlichen Jugendschöffengerichts hatten die vier gemeinsam mit weiteren Neonazis im September 2011 Personen, die sie dem linken Spektrum zurechneten, brutal angegriffen und mit Schlagstöcken verletzt. Das Gericht hatte sie im März 2013 in erster Instanz wegen einer gemeinschaftlichen gefährlichen Körperverletzung zu Haftstrafen zwischen 26 und 30 Monaten verurteilt. Dagegen hatte das Quartett Berufung eingelegt.

Bei der Attacke vor drei Jahren soll sich Matthias D. besonders hervorgetan haben. Ihn verurteilte das Jugendschöffengericht zu zweieinhalb Jahren Haft. Sein Kreisverband machte in den letzten Tagen in anderem Zusammenhang Schlagzeilen – nicht wegen der Militanz seines Vorsitzenden, sondern umgekehrt, weil sich die Neonazi-Partei als „Ordnungshüter“ gerierte. Nachdem eine Gruppe von Salafisten medienwirksam eine so genannte „Scharia-Polizei“ durch die Straßen der Wupper-Stadt geschickt hatte, die vor Glücksspiel, Alkohol, Musik und weiteren Verderbnissen warnen sollte, reagierte „Die Rechte“ mit einem „Stadtschutz Wuppertal“.

Als Vorbild diente eine Kampagne Dortmunder Neonazis (bnr.de berichtete): „Inspiriert durch das Erfolgsmodell des ,Rechten Stadtschutzes’ in Dortmund, war man sich schnell einig, diese Aktionsform zu übernehmen.“ Angeblich als „Antwort auf Scharia-Polizei, Hausbesetzer und Multikriminelle“ wurde ein halbes Dutzend Neonazis, einheitlich in rötlichen T-Shirts, auf Patrouille geschickt. Wuppertals Polizei reagierte, wie im Fall der „Shariah Police“, mit der Ankündigung, solche Auftritte nicht ungeahndet lassen zu wollen. Gegen Neonazis, die Ende voriger Woche bei einem ihrer „Streifengänge“ kontrolliert wurden, seien Strafverfahren wegen eines Verstoßes gegen das Versammlungsgesetz eingeleitet worden, berichtete die Polizei. „Die Rechte“, so Polizeipräsidentin Birgitta Radermacher, wolle „Ängste schüren und provozieren“.

„Grundsteine für einen gemeinsamen Weg gelegt“

In Bedrängnis bringen könnten die Berichte über das laufende Gerichtsverfahren und über die Gründung des „Stadtschutzes“ auch die regionale NPD. Wuppertals „Rechte“ hatte am vorigen Sonntag behauptet, bei einem Treffen mit Vertretern der NPD seien „alte Zwistigkeiten aus dem Weg geräumt und die Grundsteine für einen gemeinsamen Weg“ gelegt worden. Der Landesverband der NPD und ihr Kreisverband Wuppertal/Ennepe-Ruhr würden eine Kundgebung der „Rechten“ für ein „Nationales Jugendzentrum” am 18. Oktober unterstützen. Tags darauf berichtete „Die Rechte“ zudem über eine „große Aufklärungsaktion der nationalen Opposition“: Mitglieder beider Parteien hätten in Wuppertal gemeinsam Tausende Flugblätter verteilt.

Die NPD hat sich dazu noch nicht geäußert. Völlig unwahrscheinlich wäre eine Wiederannäherung beider Parteien in der Region aber nicht: Erst vor knapp drei Wochen hatte NPD-Landeschef Claus Cremer an Kundgebungen der „Rechten“ in Dortmund teilgenommen. (bnr.de berichtete) Gegenüber ihren Parteioberen hätten die NPDler in NRW aber wohl einen verstärkten Erklärungsbedarf, weil dem „Rechte“-Vorsitzenden Christian Worch aktuell szeneintern vorgeworfen wird, der NPD kurz vor dem Wahltag in Thüringen in den Rücken zu fallen. (bnr.de berichtete)

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