Braune Kundgebung für die „Meinungsfreiheit“

Am Samstag hat die Neonazi-Partei „Die Rechte“ in Bremerhaven ihren ersten öffentlichen Auftritt seit Ausbruch der Corona-Pandemie absolviert.

Montag, 27. April 2020
Redaktion

Das Arrangement war theatralisch. Mit Gesichtsmasken verhüllte Männer stellten sich starr und in Pose mit schwarz-weiß-roten Fahnen und Transparenten vor maritimer Kulisse auf. Heinz Rühmann trällerte aus den Lautsprechern dazu: „Das kann doch einen Seemann nicht erschüttern“. Am Samstagnachmittag diente der Lloyd- Platz an der Weser in Bremerhaven der Dortmunder Kleinstpartei „Die Rechte“ für ihren ersten öffentlichen Auftritt seit Ausbruch der Corona-Pandemie.

Per Eilverfahren hatten Christian Worch, Siegfried Borchardt und deren Anhänger juristisch die Aufhebung eines Versammlungsverbots der Stadt Bremerhaven und eine Veranstaltung mit bis zu 20 Teilnehmern erwirkt. Diese Zahl wurde knapp überschritten. Vor allem Szene-bekannte Aktivisten aus Nordrhein-Westfalen wie Michael Brück, Robin Schmiemann und Sascha Krolzig hatten sich auf den Weg in den Norden gemacht um den mitgliedsschwachen Kreisverband um Alexander von Malek zu verstärken. „Es gehe um nichts anderes als artikulierten Widerstand“, sagte Redner Sven Skoda. Die Kundgebung sei „eine Art Auftakt für die Rückkehr der offen geforderten Meinungsfreiheit“.

NPD-Aktivist als interessierter Zuhörer

Tatsächlich war das Grundrecht auf Versammlungsfreiheit in den Wochen zuvor stark eingeschränkt worden, das Bundesverfassungsgericht hatte Mitte April in einem Beschluss deutlich gemacht, dass pauschale Verbote von Demonstrationen nicht verfassungskonform sind. „Covid 19“ sei in Wirklichkeit Covid 1984“, schrie Sven Skoda ins Mikrophon, kritisierte daraufhin, die Bundesrepublik habe die Grenzen viel zu spät geschlossen. Unter Buhrufen und Protest von rund drei Dutzend Gegendemonstranten in Sichtnähe verlief die Aktion am 25. April fast eine Stunde lang, bis die Anhänger von „Die Rechte“ anschließend in Richtung Columbuscenter wegeskortiert wurden.

Parteimitbegründer Christian Worch aus Parchim hatte bei seinem Redebeitrag zuvor Probleme mit dem Mundschutz, zog ihn bis über die Augen. Worch erinnerte daran, dass er aufgrund seiner Ausbildung Verständnis für Seuchenschutzmaßnahmen habe, kritisierte dann aber Unsicherheiten in Politik und Wissenschaft. Eine eigene Position zeigten die Neonazis nicht. Als interessierter Zuhörer bezog der langjährige Bremerhavener NPD-Aktivist Horst Görmann auf der gegenüberliegenden Straßenseite Position. Bei den wenigen Bremerhavener Zuhörern kam dann ein Satz des Dortmunder Schlussredners Brück wenig gut an. Der lästerte als Borussen-Fan nicht nur über die Ultras der Hansestadt, sondern auch über das abstiegsbedrohte Heiligtum der Bremer, den Bundesligisten SV Werder. Mit diesem Auftritt punktete „Die Rechte“ nicht an der Waterkant. (ar)

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