Braune "Kaderschmiede"

Die Neonaziszene in Bremen wird von einflussreichen Kadern dominiert.

Mittwoch, 16. März 2005
Andrea Röpke

m kleinsten Bundesland, der Hansestadt Bremen, existiert seit Jahren eine kleine, aber gefestigte Neonazi-Szene. Neonazistische Skinheads, NPDler, Freie Nationalisten, Hammerskins und Hooligans werden von etwa einer Handvoll Männer angeführt, die seit Jahrzehnten Einfluss haben: Jörg Hendrik Wrieden, Michael Kurzeja, Andreas Hackmann, André Sagemann und Henrik Ostendorf. Auch der ehemalige FAP-Landesvorsitzende Markus Privenau mischt in Bremen wieder mit, seitdem er aus den neuen Bundesländern zurückgekehrt ist. Daniel Fürstenberg und Florian Cordes sind die Ansprechpartner für die Jungen Nationaldemokraten. Offiziell wird die NPD von Horst Görmann aus Bremerhaven geführt, aber der wird auch für die aktuelle Bedeutungslosigkeit der Partei verantwortlich gemacht. Gemeinsam planen die Neonazis seit kurzem künftige Aktionen für die Hansestadt und ihre nähere Umgebung. Schwache rechtsextreme Parteistrukturen treffen hier auf einen harten neonazistischen Untergrund. Und der wird versuchen, die legalen NPD-Strukturen zu nutzen.
Szenekenner schrieben dem 36-jährigen Hooligan-Anführer Henrik Ostendorf seit langem ehrgeizige Karrierebestrebungen innerhalb des rechtsextremen Spektrums zu. Ostendorf, der einen „harten Trupp“ von 20 Mann, „Standarte“ genannt, koordiniert, soll inzwischen nach Angaben des „Weser-Kurier“ in der Lage sein „ganz locker“ mehr als 50 Anhänger zu mobilisieren.

Vor einigen Jahren distanzierten sich die Hools in Bremen noch von den Neonazis, das ist jetzt vorbei. Ostendorf und seine Leute begnügen sich nicht mit Schlägereien zur „dritten Halbzeit“. Sie fahren zu Konzerten, lauschen NS-Filmen oder Vorträgen von SS-Veteranen. Ostendorf scheint auch im braunen Gemischtwarenladen mitzumischen, einen seiner patentierten Slogans, „Sport frei“, nutzt Händler und Hooligan Martin Elsner für seinen „Sieg oder Spielabbruch“-Laden in Bremen-Hastedt. Elsner wirbt auch für die Band des Ostendorf-Bruders Hannes „KC-Hungrige Wölfe“. Als ein Konzert der Band in Lüneburg im Februar abgesagt wird, mobilisieren Hools und Bremer Kameradschaftsanhänger zur Gegenaktion. Trotz Aufmarschverbotes reisen die Bremer Hooligans und Kameradschaftsanhänger in die niedersächsische Salzstadt und randalieren. Es kommt zu zehn vorübergehenden Festnahmen, die Polizei ermittelt wegen Landfriedensbruchs.

Der ehemalige Politikstudent Henrik Ostendorf, der in Bremen als fanatischer Neonazi mit bundesweiten und internationalen Kontakten bekannt ist, gilt als Waffennarr. Beim Neonazi-Aufmarsch in Dresden marschierte er an der Seite von Manfred Börm als Ordner an der Spitze mit. In der Woche soll sich Ostendorf häufig im sächsischen Riesa aufhalten und im Verlag der „Deutschen Stimme“ tätig sein. Dessen Geschäftsführer, der Ex-Bremer Jens Pühse, kennt Ostendorf seit Jahren. Gemeinsam mit DS-Redakteur Karl Richter interviewte Ostendorf den Holocaust-Leugner David Irving für die Februar-Ausgabe der NPD-Zeitung.

Wichtige Multiplikatoren zwischen den braunen Gruppen in Bremen sind Andreas Hackmann und André Sagemann. Der vorbestrafte Gewalttäter Hackmann führt die „Freien Nationalisten“ an und arbeitet eng mit dem „Aktionsbüro“ in Hamburg und Christian Worch zusammen. Bei der ersten Schulungsveranstaltung der Jungen Nationaldemo-kraten mit Peter Naumann auf dem „Heisenhof“ in Dörverden stellten Hackmann und seine Leute, unter anderem von der Kameradschaft „Hanseatic“, den Ordnerdienst. Auch bei den zahlreichen Mahnwachen in Hamburg-Harburg ist der rührige Bremer, der früher in der Berliner Weitlingstraße mitmischte, aktiv. Als „Landser“-Sänger Lunikoff Anfang März in Hamburg auftrat waren Bremer Neonazis dabei. Zum dritten „Blood&Honour“-nahen Konzert in der Hansestadt reisten über 300 Neonazis an, um Bands wie „Legion of Thor“, „Faustrecht“ und „Nordfront“ aus Hannover zu hören.

Der harte Kern der Bremer Kameradschaftsszene besteht zum großen Teil aus „Veteranen“. Sie verstehen sich laut Verfassungsschutz als neonazistische „Kaderschmiede“, ständig bemüht, rechte Skinheads und andere rechtsorientierte Jugendliche zu ideologisieren. Beste Kontakte pflegen die Akteure der Hansestadt dabei traditionell auch zur Altnazi-Szene, die deren Bemühungen vor allem mit finanziellen Mitteln unterstützen soll.

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