Braune Hass-Musik „omnipräsent“

Trotz des Anstiegs der Zahl indizierter Tonträger mit Rechtsrock hat sich die braune Musikszene noch stärker ausgebreitet. Dies gilt auch für die Bedeutung rechtsextremer Veranstaltungen mit Live-Musik.

Freitag, 27. März 2020
Kai Budler

Die Zahl indizierter Tonträger mit Rechtsrock ist 2019 erneut angestiegen. Das geht aus der Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der FDP-Fraktion im Bundestag hervor. Nachdem die Zahlen 2017 und 2018 leicht zurückgegangen waren, wurden im vergangenen Jahr 80 Tonträger mit rechtsextremer Musik auf den Index gesetzt. Damit wurde durchschnittlich etwa an jedem vierten Tag ein Tonträger mit brauner Hassmusik indiziert.

Trotzdem sei „eine verstärkte Verbreitung jugendschutzrelevanter, menschenverachtender und auch strafbarer Inhalte – auch durch Musik – so leicht wie noch nie geworden“, heißt es in der Antwort. Die Regierung stützt sich dabei auf die Einschätzung des Kompetenzzentrums „jugendschutz.net“ für den Schutz von Kindern und Jugendlichen im Netz. Demnach habe „die Weiterentwicklung des Internets die Verbreitung und den Konsum multimedialer Inhalte stetig vereinfacht und omnipräsent gemacht“. Bundesweit existieren nach Angaben der Bundesregierung etwa 150 Rechtsrock-Gruppen, hinzu kommen etwa 60 braune „Liedermacher“ und Solisten aus der neonazistischen Szene.

Rechte Veranstaltungen mit Live-Musik

Besonders die stetig steigende Zahl der Einzelinterpreten führe zu einer Zunahme extrem rechter Liederabende. Hier rechnen die Behörden ebenso mit einer Fortsetzung des Trends wie bei angemeldeten Veranstaltungen der rechten Szene, bei deinen zusätzlich Live-Musik gespielt wird. Diese Arten der rechten Musikveranstaltungen hätten die „klassischen Konzerte“ mit Auftritten einer oder mehrerer Bands inzwischen zahlenmäßig überholt. Insgesamt geht die Regierung von 270 solcher Events im Jahr 2018 aus. Damit fanden bundesweit an jedem zweiten Tag ein bis zwei rechtsextreme Musikveranstaltungen statt.

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