Braune Hass-Musik auf dem Index

Rechtsrock und andere Musik von Neonazis erfreuen sich in der braunen Szene ungebrochener Beliebtheit. Als Gegenmaßnahme hat das Land Brandenburg im vergangenen Jahr die Indizierung Dutzender Tonträger mit entsprechenden Inhalten beantragt.

Donnerstag, 05. Januar 2017
Kai Budler

Das Landeskriminalamt (LKA) in Brandenburg hat 2016 bei der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien (BPjM) die Indizierung von 58 Tonträgern mit rechtsextremer Musik beantragt. Das teilte jetzt das Innenministerium in Potsdam mit. Davon wurden im Laufe des vergangenen Jahres knapp 30 Tonträger indiziert, 28 Verfahren laufen noch und bei drei CDs mit rechtsextremem Inhalt folgte die Bundesprüfstelle den Indizierungsanregungen nicht. 

14 Tonträger setzte die BPjM auf die Liste A des Index. Sie dürfen so Kindern und Jugendlichen nicht zugänglich gemacht und außerdem nicht über den Versandhandel vertrieben, am Kiosk verkauft oder irgendwo verteilt werden. Auch Werbung dafür ist untersagt. Darunter befinden sich beispielsweise die CD „Ebola im Jobcenter“ der „Lunikoff Verschwörung“ um den früheren Sänger der verbotenen Band „Landser“ und eine CD der Hatecore-Band „Brainwash“. Auch eine Produktion der Combo „Blutslinie“ landete in der Gruppe A. In dem darin enthaltenen Lied „Im Osten pfeift der Wind“ heißt es: „Als Soldaten Adolf Hitlers ziehen wir zum Kampfe aus. (…) Deutsche Frauen und Kameraden streitet alle tapfer mit. Nieder mit den Bolschewisten. Mit dem Juden und dem Britt´ …”.

Hitler-Reden mit Technorythmen unterlegt

Auf der Liste B des Index landeten auf Anregung des LKA Brandenburg im vergangenen Jahr 13 braune Tonträger: Sie sind verboten, weil sie jugendgefährdend sind und strafrechtlich relevante Inhalte aufweisen. Dazu gehört unter anderem die CD „Der Untergrund marschiert – 4. Streich“ der Rechtsrock-Band „Preußen Standarte“. In einem darin veröffentlichten antisemitischen Lied grölt der Sänger: „Hier kommt der Vollstreckungsschlag, verdammtes Parasitenpack. Hier kommt der Vollstreckungsschlag, die Glieder trenn´ ich euch ab. Hier kommt der Vollstreckungsschlag für euch Untermenschenpack“. Neben solchen klassischen Rechtsrock-CDs wurden aber auch für die Szene ungewöhnliche Produktionen verboten wie die von „DJ Reichskanzler“, der Reden von Adolf Hitler mit Technorhythmen unterlegt.

Nach 62 beantragten Indizierungen 2015 ist Brandenburg damit erneut Spitzenreiter bei Anträgen, um braune Musik auf den Index zu setzen. Seit einer Änderung des entsprechenden Bundesgesetzes im Jahr 2004 hat das LKA nach Angaben des Ministeriums mehr als 700 eigenständige Indizierungsanträge an die BPjM gerichtet. Durchschnittlich würden 90 Prozent der Anregungen aus Brandenburg in die Liste der jugendgefährdenden Medien aufgenommen.

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