Braune „Brigaden“

Die militante „Brigade Halle“ ruft für  Samstag zu einer Demonstration in Halle auf. Für den 1. Mai nächsten Jahres hat dort die Neonazi-Partei „Die Rechte“ bereits einen Aufmarsch angemeldet.

Dienstag, 24. Mai 2016
Horst Freires

Der Tag der Arbeit bleibt ein Pflichttermin im Kalender der rechten Szene. Früher als von allen anderen kommt aus dem Umfeld der Splitterpartei „Die Rechte“ (DR) die Mitteilung, dass ein Aufmarsch zum 1. Mai 2017 für Halle/Saale bereits angemeldet wurde. Es gibt dazu einen Aufruf, in dem von „amerikanisch-israelischen Ausbeutungsbestrebungen“ gesprochen wird. Als Redner werden schon jetzt die beiden „Die Rechte“-Kader Alexander Kurth (Sachsen) und Michel Fischer (Thüringen) angekündigt, ferner Marcel Kretschmer vom Sachsen-Anhalt-Ableger der rechtsübergreifenden, den Holocaust abstreitenden Organisation „Europäischen Aktion“, der aber auch maßgeblicher DR-Kader im Kreisverband Harz ist.

Zur Mobilisierung zum 1. Mai nächsten Jahres in Halle wurde eigens eine Homepage eingerichtet. Dafür verantwortlich zeichnet Ingo Zimmermann aus Burg bei Magdeburg, ebenso wie Kretschmer DR-Kandidat bei den Landtagswahlen im März. Auch für die diesjährige Mai-Demonstration der Partei „Die Rechte“ in Erfurt, (bnr.de berichtete) zu der sich laut Polizei rund 250 Anhänger einfanden, startete die Vorbereitung extrem früh. Anmelder dafür war Fischer im Juli 2015. Die umtriebige wie reisefreudige „Aktionsgruppe Nordheide“ aus der niedersächsischen Region Buchholz, die mit Aktivisten zuletzt bei größeren Neonazi-Aufmärschen in verschiedenen Bundesländern auftauchte, hat als erste Gruppierung ihre Unterstützung mitgeteilt.

Ultrafans vom Halleschen FC dabei

Offenkundig eine Art Testballon für das nächste Jahr könnte bereits eine in Halle am 28. Mai von der wie eine neonazistische Kameradschaft agierenden Gruppierung „Brigade Halle“ angemeldete Demonstration sein. Auch dort sollen Kurth und Fischer als Redner auftreten, dazu David Köckert, seit vielen Monaten fester Bestandteil der rechtsextremen „Thügida“-Demonstrationen und NPD-Funktionär, der Ende Februar allerdings seinen Rücktritt als Thüringer Landesorganisationsleiter der Nationaldemokraten verkündete und damit zumindest offiziell den Rückzug aus der ersten Reihe der Partei.

Der „Brigade Halle“ werden auch Ultrafans des Fußballvereins Hallescher FC zugerechnet. Sie war bei den ersten Aktivitäten von HoGeSa („Hooligans gegen Salafisten“) in Köln und Hannover anzutreffen. Wohl auch deshalb, gepaart mit fremdenfeindlichen und den Nationalsozialismus verherrlichenden Aussagen im Internet, hat der Verfassungsschutz sie unter Beobachtung genommen. „Brigade Halle“ gilt als gewaltorientiert. Bei einem augenscheinlich organisierten Angriff auf diverse Objekte der linken Szene in Leipzig Anfang des Jahres sollen auch Teilnehmer aus besagten Hooligan-Strukturen Halles mitgemischt haben. Auch in Bitterfeld hat sich bereits seit längerem eine so genannte „Brigade“ gebildet. Neuerdings taucht in besagter Region propagandistisch ein Personenkreis namens „Nationales Kollektiv Anhalt“ (NKA) auf. Dort federführend aktiv ist Robert Klug aus Bitterfeld. Er war zuletzt Versammlungsleiter einer von den „Freien Kräften Burgenlandkreis“ angezettelten Anti-Asyl-Demonstration am 23. April in Weißenfels. Neben Klug ergriff dort Michel Fischer das Wort.

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