von Oliver Cruzcampo
   

Boxverein: Neonazi trainiert Jugendliche mit Migrationshintergrund

Er gilt nicht nur als einer der aktivsten Kader der Rostocker Kameradschaftsszene, sondern beteiligt sich auch regelmäßig an Neonazi-Kampfsportevents. Seit einigen Monaten ist David Mallow jetzt auch in einem Güstrower Boxverein aktiv – und trainiert dort viele Jugendliche mit Migrationshintergrund. Der Verein hat Schwierigkeiten, sich eindeutig zu positionieren.

"Auf eine gemeinsame Zukunft" - die Boxabteilung posiert mit dem Neonazi David Mallow

„Wir gratulieren dir und freuen uns auf eine gemeinsame Zukunft“, heißt es auf der Seite der Boxabteilung des SV Einheit Güstrow e.V. Die Zeilen sind gerichtet an David Mallow, der zuvor die C-Lizenz bestanden hat und seit Februar offenbar als Boxtrainer aktiv ist. Seitdem wurden mehrere Fotos und Videos veröffentlicht, auf denen der Neonazi zu erkennen ist, umgeben von mehreren Jugendlichen.

Auffällig ist, mehrere der Kinder haben einen Migrationshintergrund, dies bestätigen zudem mehrere Personen. Finanzielle Unterstützung bekommt der SV Einheit Güstrow u.a. vom Landessportbund Mecklenburg-Vorpommern e.V., dem Dachverband für organisierten Sport. Unter den Förderrichtlinien werden dort auch integrative Maßnahmen aufgeführt, Vielfalt und interkulturelle Kompetenzen sollen so thematisiert werden.

„Heldengedenken“ und Störaktionen

Wie lässt sich dies vereinen mit dem Engagement Mallows außerhalb des Vereins? In der Rostocker Neonazi-Szene in der Kampfsportler bereits seit Jahren aktiv. Er wird der Gruppierung „Aktionsblog“ zugerechnet, die zuvor unter dem Label „Nationale Sozialisten Rostock“ firmierte, der Kameradschaft werden im aktuellen Verfassungsschutzbericht über zwei Seiten gewidmet.

Mallow ist oft maßgeblich an der Organisation und Durchführung vieler Aktionen der Neonazi-Gruppierung beteiligt. Am 1. Mai 2017 befand er sich unter einer Gruppe Rechtsextremer, die in Rostock eine DGB-Demo störte. Am Volkstrauertag 2017 versammelten sich rund 30 Neonazis auf dem städtischen Friedhof für ein „Heldengedenken“ - Mallow verlas Gedichte mit eindeutiger Ausrichtung.


Mallow (links) nahm 2017 an einer Störaktion einer DGB-Demo teil

Vor allem ist der rechtsextreme Boxtrainer jedoch für seine Aktivitäten im Bereich des Kampfsport bekannt. So gründete der „Aktionsblog“ vor einigen Monaten mit „Baltik Korps“ einen laut Eigenaussage „sportlichen Arm unseres Netzwerkes“. So will man sich gegen „den kranken Geist der einhergehenden Gesellschaft (…)  stellen, der sich durch eiserne Machteliten und Ströme fremder Ethnien, inmitten unseres Seins manifestiert hat.“

Das selbsternannte Ziel der Gruppierung: „Nur ein Volk, das rein und gesund ist, kann leben, hat eine Berechtigung weiter zu leben, hat das Recht, Kinder, gesunde Kinder, in die Welt zu setzen!“ Mitglieder der Neonazi-Kampfsport-Truppe trainierten erst kürzlich im Thinghaus in Grevesmühlen, seit Monaten laufen Mallow und weitere Anhänger zudem auf den Demonstrationen der AfD in Rostock mit. Ein Problem damit scheint dort niemand zu haben, obwohl aus dem Kreis bereits mehrfach Medienvertreter bedroht wurden.

„Leibeszucht“ und „Straßenkampf“

Der mittlerweile in Güstrow wohnhafte Neonazi ist über die Grenzen Mecklenburg-Vorpommerns hinaus aktiv. Seit geraumer Zeit tritt er auf Kampfsport-Events der rechtsextremen Szene auf. Im April 2018 fand er sich auf dem Neonazi-Festival „Schild und Schwer“ von NPD-Vize Thorsten Heise ein, später gab er dem rechten YouTuber Nikolai Nerling ein Interview, auf der nächsten Veranstaltung präsentierte sich dort der Aktionsblog, warb mit Fotos für „Leibeszucht“ und „Straßenkampf“.

Viele der Aktivitäten sind mittlerweile auch dem Güstrower Sportverein bekannt, es soll bereits Vorstandssitzungen gegeben haben, auf denen der Neonazi thematisiert wurde. Doch eine deutliche Positionierung scheint dem SV Einheit Güstrow schwerzufallen. Mallow ist dort weiterhin aktiv.

Kommentare(1)

Roichi Montag, 20.Mai 2019, 22:11 Uhr:
Der Typ scheint nicht integrierbar. Vielleicht sollte man dann auch trotz Förderrichtlinien mal die Grenzen ziehen.
 

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