von Oliver Cruzcampo
   

Blockade vermiest NPD-„Bürgerprotest“ in Berlin

Die NPD wollte in Berlin gegen einen neu eingerichtete Flüchtlingsunterkunft mobil machen und rief zu einem „Bürgerprotest“ auf. Diese fanden sich jedoch nicht auf der Demo ein, zudem blockierten Hunderte Neonazi-Gegner den Aufzug, der bereits nach wenigen Hundert Meter kehrt machen musste.

Außergewöhnlich breit mobilisierte die NPD für eine Demonstration in Berlin Schöneweide am Montagabend – neben dem Berliner Landesverband beteiligten sich auch die brandenburgische Gliederung und die Bundespartei an den Aufrufen. Parteichef Frank Franz veröffentlichte gar eine Videobotschaft auf Facebook.

Gebracht hat es letztendlich wenig. Rund 40 Anhänger fanden sich am Montagabend am Treffpunkt in Berlin Schöneweide ein, als der Landeschef Sebastian Schmidtke und anschließend der Bundesvorsitzende Frank Franz vor das Mikrofon trat. Der Saarländer fand mit seiner Rede über die politische Großwetterlage kaum Anklang bei den wenigen Dutzend NPD-Sympathisanten; Im kommenden Jahr würden etliche Wahlen anstehen – Franz warb für seine Partei, vergaß aber bei der Aufzählung der Bundesländer ausgerechnet Mecklenburg-Vorpommern. Das einzige Bundesland, in dem die Rechtsextremen noch im Landtag vertreten sind.

Währenddessen musste Bundesorganisationsleiter Schmidtke die Anhänger immer wieder vertrösten, weit über eine Stunde nach Beginn der Demonstration erreichten die restlichen Teilnehmer den Treffpunkt, 200 Personen waren es letztendlich. Doch auf sie warteten zu dem Zeitpunkt bereits 800 Neonazi-Gegner, von denen mehrere Hunderte die geplante Strecke zum Flüchtlingsheim blockierten. Die Rechtsextremen sprechen von einer „Blokade von Feinden der Demokratie“. So wurde der NPD-Tross bereits nach 400 Metern gestoppt, Bundesvize Ronny Zasowk schob eine kurze Rede ein – und es ging zurück zum Startpunkt.

Bereits im Vorfeld des Aufmarsches sei es in der neuen Flüchtlingsunterkunft zu mehreren Vorfällen gekommen. „Viermal musste der Sicherheitsdienst die Polizei rufen, weil Böller flogen und Unbekannte auf das Gelände vordrangen. Ein Böller explodierte an der Eingangstür“, schreibt die Initiative „Uffmucken“. Am Abend der Demo wurde zudem ein Kamerateam von einem Teilnehmer der NPD-Demo angegangen, verletzt wurde niemand.  

Kommentare(3)

notatio Dienstag, 03.November 2015, 17:59 Uhr:
Wenn die Nationaldemokraten es schaffen in einer Großstadt 200 Personen zu mobilisieren, ist das für ihre Verhältnisse schon als Erfolg zu werten.
 
Bürger Mittwoch, 04.November 2015, 12:57 Uhr:
@ notatio

Naja, nun ist Schöneweide rund um die Brückenstraße schon die Hochburg der Nazis in Berlin.
Seit Wochen mobilisiert Schmidtke die braunen Spießgesellen. Hat ja sonst nichts anderes zu tun. Sogar der Franz schleppt sich nach Berlin.
Und dann diese Schlappe.
Der Bürgerprotest sah dann wohl anders aus als geplant. ;o)
 
Insider wissen mehr! Freitag, 06.November 2015, 10:50 Uhr:
@ Franz warb für seine Partei, vergaß aber bei der Aufzählung der Bundesländer ausgerechnet Mecklenburg-Vorpommern. Das einzige Bundesland, in dem die Rechtsextremen noch im Landtag vertreten sind.

Wer weiß, vielleicht will der „Firle-Franz“ nur einfach keine überzogenen Erwartungen wecken, an denen er dann bei Nichteintreten gemessen werden könnte. Vielleicht ist der Auszug der Pastörs/Köster-Fraktion aus dem Schweriner Schloß aber auch seine geheime Hoffnung. Denn dann könnten die beiden nämlich nicht seine eigene Erfolglosigkeit zum Anlaß nehmen ihn vom Thron zu stoßen …
 

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