Bewusste NPD-Provokation? AfD-Abgeordneter Weber wünscht 
migrantischen Unternehmerinnen „gute Heimreise“

Fast zwei Jahre ist es her, dass die NPD in Mecklenburg-Vorpommern aus dem Landtag flog. Nicht zuletzt geschah dies aufgrund einer deutlich erstarkten „Alternative für Deutschland“. Jüngst spalteten sich vier Abgeordnete von der AfD im Schweriner Parlament ab und gründeten eine eigene, gemäßigtere Fraktion. „Zu radikal“, so die Begründung. Was damit gemeint sein könnte, veranschaulichte in der gestrigen Plenarsitzung der AfD-Abgeordnete Ralph Weber. Am Rednerpult bediente er sich einer alltäglichen Formulierung, mit der zuvor die NPD in zahllose fremdenfeindliche Wahlkämpfe zog.

Vor Webers Rede hatte die Sitzungsleitung auf den Besucherrängen des Landtags eine neue Gruppe begrüßt, die der Plenardebatte rund eine Stunde lauschen wollte. Neben Seniorinnen und Senioren bestand die Gruppe aus rund zwei Dutzend selbständigen Unternehmerinnen aus Rostock. Diese verfügen nicht nur über vietnamesische Wurzeln, sondern großteils auch die deutsche Staatsbürgerschaft. Einzelne leben und arbeiten seit über 30 Jahren in Mecklenburg-Vorpommern, zahlen Steuern und schaffen Arbeitsplätze. Über 30 Jahre – so lange lebt übrigens nicht mal der südwestdeutsche Universitätsprofessor und heutige AfD-Politiker Weber in Mecklenburg-Vorpommern.

Fester Blick in Richtung Besuchergruppe: „Gute Heimreise“

Diese Zuschauerinnen der Plenardebatte kamen anschließend in den Genuss einer – zumindest zweifelhaften – Begrüßung durch AfD-Weber, der bezüglich seiner Grußformeln ohnehin im Dauerclinch mit dem Präsidium liegt. So redet er die Präsidentinnen des Landtages notorisch mit „Frau Präsident“ an und lässt offen, ob es sich bei seiner konsequenten verbalen Trennung des Bindestrich-Namens „Mecklenburg-Vorpommern“ in die Landesteile „Mecklenburg und Vorpommern“ um eine bewusste Reminiszenz an ehemalige NPD-Redner handelt.

Zu Beginn seiner Rede zu einer Beschlussempfehlung des Rechtsausschusses sagte Weber: „Liebe Bürger von Mecklenburg und Vorpommern, Frau Präsident, werte Kollegen und sehr geehrte Gäste“, um dann mit festem Blick in Richtung der Unternehmerinnen anzufügen: „denen ich im Anschluss an den Besuch hier im Landtag eine gute Heimreise wünsche.“ Eine Reaktion des Auditoriums blieb aus, lediglich Landtagspräsidentin Mignon Schwenke ließ sich ansehen, dass sie die Aussage eigentümlich fand.

Wahlkampfschlager von der NPD

Nun hat jeder natürlich sofort die mögliche Reaktion von AfD-Weber im Ohr, warum er diese Worte gewählt hat. Man wisse nicht, was daran zu kritisieren sei, Gästen des hohen Hauses eine gute Heimreise zu wünschen. Das gebiete schließlich die Höflichkeit. Das zu kritisieren sei linke Hysterie. Oder so ähnlich. Klar.

Ganz so einfach ist es aber natürlich nicht. Schließlich ist es erstens auch in Deutschland unüblich, Gästen bei der Begrüßung „gute Heimreise“ zu wünschen. Hinzu kommt zweitens, dass die Formulierung „gute Heimreise“ – auch von Ralph Weber – im Landtag ansonsten gar nicht verwendet wird. Eine Argumentation, es sei einfach normal, Besuchergruppen schon zu Beginn mit guten Wünschen für die Abreise auszustatten, verfinge nicht. Drittens handelt es sich bei der Formulierung „gute Heimreise“ im Kontext von Menschen mit Migrationshintergrund um den wohl berühmtesten Slogan der rechtsextremen NPD, die mit dieser Aussage und stereotypen Bildern von Migrantinnen und Migranten zahlreiche Wahlkämpfe bestritt.     

Kommentare(2)

Irmela Mensah-Schramm Freitag, 29.Juni 2018, 07:00 Uhr:
Da kann man nur noch Ekel empfinden!
Nun jener NPD-Sympathisant und AfD Abgeordneter bedient sich mit dem Grundrecht der Meinungsfreiheit - aber besudelt sie mit seinem braunen Dreck!
Dies im Landtag von MVP - ohne Konsequenz!
 
Dennis Freitag, 29.Juni 2018, 10:31 Uhr:
Und wieder einmal zeigt sich, dass die AFD nur noch ein billiger Abklatsch der NPD ist. Dabei ganz besonders der komische Herr Weber. Irgendwie erinnert der mich an den alten NPD-Kasper Raimund Bormann. Der war ja auch nie in der Lage, das Parlament vernünftig anzusprechen. Dazu passt natürlich auch die Formulierung "Mecklenburg und Vorpommern", sowie das dauernde Gerede über einen angeblichen Bevölkerungsaustausch.
Dieser Verschwörungstheorie rennt ja auch die NPD hinterher. Naja, wennn man sonst nichts hat......
 

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