Betrunken und aggressiv: Bilanz des extrem rechten Demo-Wochenendes in M-V

Ein heißes Demonstrations-Wochenende liegt hinter Mecklenburg-Vorpommern. Landesweit gingen extrem rechte Gruppierungen in gleich fünf Städten auf die Straße. Erneut stach die große Bedeutung der NPD für die hiesige Szene heraus. In Stralsund versuchten gewalttätige Anhänger der „MV Patrioten“ zu Gegendemonstranten durchzubrechen.

Montag, 28. September 2015
Redaktion
Der Demonstrations-Marathon der extrem rechten Szene begann bereits am Freitagabend in Burg Stargard im Kreis Mecklenburgische Seenplatte. Dort organisieren lokale Strukturen bereits seit mehreren Wochen einen sogenannten Bürgerprotest. Mit Bettlaken, auf die tiefsinnige Sprüche à la „Wir sind mündige Bürger und nicht eure Sklaven“ geschrieben waren, versammelten sich rund 100 rechte „Spaziergänger“ in der Kleinstadt. Stets dabei: Norman Runge, der örtliche NPD-Stadtvertreter. Nach Informationen der Ostsee-Zeitung standen der Truppe ca. 50 Gegendemonstranten gegenüber. Weiterhin berichtet das Blatt von einigen Flaschenwürfen. Aus dem zuständigen Ordnungsamt waren besorgte Stimmen zu hören, denn erstmals hätten sich Anhänger von Motorrad-Clubs den Demonstranten angeschlossen. In Ueckermünde zerstreute sich ein nicht angemeldeter Aufmarsch, an dem nach Polizeiangaben 60 Personen teilgenommen hätten, beim Eintreffen der Beamten. Offenbar handelte es sich um eine Veranstaltung von Rassisten, denn die dunkel gekleideten Personen führten entsprechende Plakate mit und skandierten „Kein Ort für Asylanten“. Die Kriminalpolizei hat Ermittlungen wegen des Verstoßes gegen das Versammlungsgesetz aufgenommen. Sturm auf Gegendemonstranten Der Aufzug der von Enrico Naumann, dem früheren Mvgida-Frontmann, angeführten „MV Patrioten“ in Stralsund verlief demgegenüber nicht ohne Zwischenfälle. Beobachter berichten von Durchbruchsversuchen gewaltbereiter Personen und von einem Angriff auf Pressevertreter. Wie die Polizei mitteilte, musste sich das Opfer in ärztliche Behandlung begeben. Verletzt wurde darüber hinaus eine Frau, die dem Ruf von Naumann & Co. gefolgt war. Sie sei, so die Stralsunder Polizeiinspektion weiter, von einer Flasche getroffen worden. Die Beamten schrieben vier Anzeigen, u. a. wegen Körperverletzung, und stellten die Identität von mehreren der insgesamt 440 „MV Patrioten“-Anhänger fest. In den Sozialen Medien war außerdem die Rede von Jagdszenen durch die historische Altstadt der Hansestadt. Touristen hätten panisch die Flucht ergriffen. Am Samstag zog es die reisefreudige Szene nach Demmin und Wismar. In Demmin, im Frühjahr stets Austragungsort eines extrem rechten „Trauermarsches“, folgten mehr als 200 Personen dem Aufruf einer „Bürgerwehr“, die zunächst über Facebook den Weg in die Öffentlichkeit gesucht hatte. „Bürgerwehr“ mit NPD-Unterstützung Obwohl die NPD maßgeblichen Einfluss auf die Demonstration nahm – Führungskader übernahmen die Koordination, der Landtagsabgeordnete Michael Andrejewski steuerte einen Redebeitrag bei – schloss sich nach Augenzeugenberichten eine nennenswerte Anzahl sogenannter besorgter Bürger dem Protestmarsch an. Mit einer ähnlichen Strategie und ähnlichem Erfolg ging die NPD seinerzeit auch bei Mvgida vor: Bis sie nur noch die eigenen Anhänger auf die Straße brachte. Längst hatten die Medien das Versteckspiel der Truppe um Stefan Köster und Udo Pastörs, die in Schwerin beide zu den „Spaziergängern“ gehörten, aufgedeckt und damit das absurde Image der Überparteilichkeit eingerissen. Welchen Zweck die „Bürgerwehr Demmin“ genau verfolgt, ist bislang nicht bekannt.

Demonstration in Demmin

Kritik regte sich derweil an den „... wehrt sich“-Gruppierungen, die für die jüngsten Demonstrationen in Wismar und Schwerin verantwortlich zeichnen. In den Kommentarspalten der Facebook-Seite des Wismarer-Ablegers wiesen verärgerte Teilnehmer auf den hohen Alkoholkonsum der „Kameraden“ hin. Tatsächlich führten auffällig viele der 220 Marschierer etwa Coca Cola-Flaschen mit einer klaren Flüssigkeit mit sich. Selbst das Organisatoren-Team räumte das Fehlverhalten ein. Man verstehe nicht, „warum sich einige Teilnehmer bei unseren Veranstaltungen so den Kopf voll dröhnen müssen“. Diese Personen seien nicht erwünscht und einige von ihnen seien ausgeschlossen worden. Die Teilnehmerzahlen waren, verglichen mit der Premiere in der Hansestadt vor drei Wochen, rückläufig. Erneut tat sich David Bühring, dessen stetiger Begleiter Torsten Schramke ebenfalls anwesend war, am Samstag in der Hansestadt hervor. Er steuerte eine Rede bei. Möglicherweise finden Bühring und Schramke heute Abend den Weg nach Wittenburg, wo Mvgida einen „Spaziergang“ angemeldet hat. ENDSTATION RECHTS. ist vor Ort und wird berichten.
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