Betriebsrat und Musiker

Christlicher Gewerkschafter spielt bei Rechtsrockband.

Donnerstag, 02. August 2007
Anton Maegerle

In rechtsextremen Szene-Kreisen ist Oliver Hilburger als Bandmitglied der 1987 gegründeten baden-württembergischen Skinband „Noie Werte“ bekannt. Zu den ehemaligen langjährigen Band-Mitgliedern gehört auch der zeitweilige NPD-Landesvorsitzende Michael Wendland. Die 1991 veröffentlichte „Noie Werte“-LP „Kraft für Deutschland“ wurde 1992 durch die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften indiziert. Bekannt ist in rechtsextremen Kreisen auch, dass Hilburger gemeinsam mit seinem „Noie Werte“-Bandmitglied Steffen Hammer das einschlägige Label GBF-Records (Reutlingen) betreibt. Eine CD von GFB-Records namens „Willkommen in Deutschland“ der Skinband „Ultima Ratio“ wurde wegen Verharmlosung des Nationalsozialismus und Leugnung von NS-Verbrechen indiziert.
Seine politischen Aktivitäten hatten für Hilburger jetzt Konsequenzen. Die IG Metall im DaimlerChrysler-Werk Untertürkheim machte öffentlich, dass sich Hilburger, freigestellter Betriebsrat von der Christlichen Gewerkschaft Metall (CGM) und Landesvorstandsmitglied der CGM, in seiner Freizeit rechtsextrem betätigt. Aufgrund öffentlichen Drucks sah sich Hilburger nun gezwungen, sowohl sein Betriebsratsmandat als auch sein CGM-Landesvorstandsmandat niederzulegen. Ins Zwielicht geriet dadurch auch die CGM. Gegründet wurde die CGM im Kaiserreich als Alternative zur sozialdemokratischen Gewerkshaftsbewegung. Heute ist die CGM eine von 16 Einzelgewerkschaften, die unter dem Dach des Christlichen Gewerkschaftsbundes Deutschlands (CGB) firmieren. Der CGB fühlt sich dem Kampf gegen das „DGB-Gewerkschaftsmonopol“ verpflichtet und versteht sich als „freiheitliche Konkurrenz zu den sozialistisch geprägten Einheitsgewerkschaften des DGB“. Der CGB fungiert, so eine Einschätzung der IG Metall, als „willfähriger Vollstrecker der Interessen der Arbeitgeberseite“. 1996 machte der damalige CGB-Vorsitzende Peter Konstroffer negativ auf sich aufmerksam, als er in der „Jungen Freiheit“ forderte, die Rentenversicherung „von allen Fremdleistungen, wie zum Beispiel den Ausgleich für Juden aus der früheren Sowjetunion, zu befreien“.

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