Berüchtigter rechtsextremer Veteran

Im Alter von 89 Jahren ist der US-amerikanische Holocaust-Leugner Willis Carto jetzt in Virginia verstorben.

Dienstag, 17. November 2015
Anton Maegerle

Der militante Antisemit, Rassist, Sozialistenhasser und rechtsextreme Verleger-Veteran Willis Carto (Jg. 1926) war einer der berüchtigsten Rechtsextremisten in den USA. Maßgeblich beeinflusst wurde Carto durch Schriften von dem 1960 verstorbenen US-amerikanischen rechtsextremen Kulturphilosophen Francis Parker Yockey.

1955 gründete Carto die in Washington ansässige millionenschwere rechtsextreme Organisation „Liberty Lobby“, die zwischen 1975 und 2001 die Zeitschrift „The Spotlight“ herausgab. Innerhalb von 26 Jahren erschienen 1350 Ausgaben von „The Spotlight“. Das Blatt erreichte zeitweilig rund eine Million Leser. Nach der Einstellung von „The Spotlight“ baute Carto die Wochenzeitung „American Free Press“ (AFP) auf. In einem Nachruf wird Carto dort als Mann gefeiert, der fünf Jahrzehnte lang sein Augenmerk auf die „neue Weltordnung“ gerichtet habe und seinen Idealen treu geblieben sei.

Ideologischer Ziehvater von William Pierce

Im Jahr 1979 hatte Carto das geschichtsrevisionistische „Institute for Historical Review“ (IHR) ins Leben gerufen. Die international ausgerichtete Truppe von Holocaust-Leugnern existiert noch heute. Als Sprachrohr diente die Quartalsschrift „Journal of Historical Review“. 1994 wurde von Carto auch die antisemitische Zeitschrift „The Barnes Review“ (TBR) gegründet. Auf der TBR-Homepage wird aktuell unter anderem das unsägliche Machwerk „The Protocols Of The Learned Elders Of Zion“ und Hitlers „Mein Kampf“ offeriert.

Carto gilt als ideologischer Ziehvater von bekannten Rechtsextremisten wie David Duke und William Pierce. Duke, einst Grand Wizard der „Knights of the Ku Klux Klan“, veröffentlichte 2014 die antisemitische Hetzschrift „The Illustrated Protocols of Zion“. Im August 2002 war Duke beim 2. Pressefest der NPD-Parteizeitung „Deutsche Stimme“ in der Nähe von Hannover als Redner aufgetreten. Der 2002 verstorbene Pierce war Anführer der „National Alliance“, der zeitweilig mitgliederstärksten rechtsextremen Vereinigung in den USA. Im Jahr 1978 publizierte Pierce unter dem Pseudonym Andrew Mac Donald den rechtsterroristisch ausgerichteten Roman „The Turner Diaries“. Das Buch inspirierte die rassistische „White Power“-Bewegung weltweit. Gelesen wurde es auch von den NSU-Terroristen ebenso wie dem rechtsextremen Massenmörder Timothy McVeigh (Anschlag in Oklahoma City im April 1995) und der rechtsterroristischen Truppe „The Order“.

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