von Oliver Cruzcampo
   

Berliner Thor-Steinar-Laden darf bis 2015 bleiben – Proteste gehen weiter

Der Prozess um die Räumungsklage gegen den letzten Thor Steinar-Laden in Berlin endete vor einem Berliner Gericht mit einem Vergleich. Zwar darf der Betreiber den Namen Tromsø nicht länger verwenden, die Marke darf jedoch weiter vertrieben werden. Bereits heute starten die nächsten Proteste.

Das Berufungsverfahren vor dem 12. Zivilsenat des Kammergerichts Berlin ist mit einem Vergleich zu Ende gegangen. Die Prozessparteien hätten sich auf die Beendigung des Mietverhältnisses über die Geschäftsräume zum 31. Januar 2015 verständigt, erklärte die Präsidentin des Kammergerichts in einer Pressemitteilung. Weiterhin muss der Ladenbetreiber, die Skytec GmbH, ab November auf den gegenwärtigen Geschäftsnamen verzichten und darf auch künftig keinen skandinavischen Orts- oder Vornamen als Geschäftsbezeichnung verwenden.

Als Gewinner aus dem langwierigen Rechtsstreit dürfte vor allem der Betreiber herausgehen. So muss die Skytec GmbH lediglich den Namen des Geschäfts ändern. Auch die Nutzung skandinavischer Namen ist weiterhin möglich, es darf sich lediglich um keinen Orts- oder Vornamen handeln. Den Betreibern bleiben nun über drei Jahre, um eine weitere Lokalität in der Hauptstadt ausfindig zu machen. Die Klientel kann weiterhin wie gewohnt in die Petersburger Straße in Friedrichshain ziehen, um sich dort mit Thor Steinar-Klamotten einzudecken. 

Markus Roth von der Antifa Friedrichshain scheint dies ähnlich zu sehen. Gegenüber der „taz“ kritisierte er die langwierige gerichtliche Auseinandersetzung. Ein anderer Name ändere nichts an der Attraktivität des Ladens für eine rechte und rechtsoffene Zielgruppe. Zugleich kündigte Roth wieder verstärkt zivilgesellschaftlichen Widerstand an.

Dieser beginnt bereits am heutigen Freitag – nur einen Tag nach Verkündung des Urteils. Die „Initiative gegen Rechts Friedrichshain“ lädt zu einem Konzert der Band „Washington“ am Frankfurter Tor ein. Die Musiker, die aus der norwegischen Hafenstadt Tromsø kommen, wollen so ihrem Protest gegen den bei Neonazis beliebten Klamottenladen Gehör verschaffen. Die Initiative hat unterdessen bereits angekündigt, bis zur Schließung im Jahr 2015 mit verschiedenen Aktionen über die Hintergründe der Marke aufzuklären.

Foto: Indymedia, Lizenz: CC

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