von Tim Mönch
   

Berlin: Hunderte Neonazis bei revisionistischem Heß-Marsch

Am Samstag zogen zwischen 600 und 800 Neonazis durch Friedrichshain und Lichtenberg, um dem Stellvertreter Adolf Hitlers zu gedenken. Mehrere Tausend Gegendemonstranten versuchten sich dem entgegen zu stellen. Im Vorfeld war durch mehrere Anmeldungen unklar, wo die Neonazis tatsächlich aufmarschieren wollen. Die Szene scheint ihre Schlüsse aus dem Fiasko des letzten "Gedenkmarsches" gezogen zu haben.

Eine der möglichen Neonazi-Routen lag in Spandau. Dort demonstrierten am Samstagvormittag etwa 3.000 Menschen gegen die Verherrlichung des Hitler-Stellvertreters Rudolf Heß. Zur angemeldeten rechten Kundgebung erschienen allerdings nur etwa 50 Personen. Alle anderen Neonazis hatten sich vorher am Olympiastadion getroffen, und während sich der Gegenprotest in Spandau ballte, fuhren die Rechtsextremen mit der S-Bahn zur zweiten angemeldeten Demonstration nach Friedrichshain.

Wie bereits im letzten Jahr war der Dresscode vorgegeben. In weißen T-Shirts oder Hemden sammelten sich die meisten Neonazis am Platz der Vereinten Nationen, um dann in streng organisierten Reihen durch Berlin zu marschieren. Neben der Kleiderordnung zeigten auch das interne Alkohol- und Rauchverbot, wie sehr sich die Organisatoren um ihre Außenwahrnehmung sorgten. Kontrolliert wurde die Einhaltung der Regeln von den Ordnern oder Szenegrößen wie Thomas Wulff. Trotzdem reagierten Teilnehmer immer wieder auf Provokationen der Gegendemonstranten verließen die Formation.

Rudolf Heß-Gedenkmarsch & GegenprotesteFotoalbum der gestrigen Neonazi-Demo

Zusätzlich zu den eigenen Regeln hatte es auch von öffentlicher Seite strikte Auflagen gegeben. So war jede Verherrlichung von Rudolf Heß in Wort, Bild oder Schrift untersagt und auch die Anzahl der schwarz-weiß-roten Fahnen wurde beschränkt. Eine Route vorbei an dem Ort des abgerissenen Gefängnisses, in dem Heß bis zu seinem Suizid saß, wurde den Neonazis zudem untersagt. 

Bundesweite Anreise

Dem Aufruf des Anmelders und NPD-Bundesorganisationsleiters Sebastian Schmitdke waren Neonazis aus dem gesamten Bundesgebiet gefolgt. Mit den langjährigen Neonazis Dieter Riefling, Christian Worch und Thomas Wulff sowie dem Dortmunder Siegfried Borchardt war auch einiges an Szeneprominenz anwesend. Aus dem Umfeld von Borchardt, der Dortmunder Sektion der Partei „Die Rechte“, wurden auch Teile der Ordner gestellt. Weitere Ordner, wie der Stadtratsabgeordnete aus Döbeln, Stefan Trautmann, kamen aus dem Kreis der NPD. Daneben fanden sich eine Reihe bekannterer Funktionäre der angeschlagenen Partei auf der Demonstration ein, etwa Bundesvize Thorsten Heise oder die ehemalige DS-TV-Moderatorin Nele S. Kaum verwunderlich, schließlich gilt das Heß-Gedenken als „Pflichttermin“ in der Neonazi-Szene.  

Rechtsextreme umgehen Gegendemonstrationen

Die Organisatoren des Gegenprotestes waren trotz der zweiten Anmeldung in Friedrichshain davon ausgegangen, dass es sich die Neonazis nicht nehmen lassen würden, in Spandau in der Nähe des ehemaligen Kriegsverbrechergefängnisses zu demonstrieren. Dort hatte sich Heß vor 31 Jahren das Leben genommen. Doch während sich der Protest auf Spandau konzentrierte, entscheiden sich die Rechtsextremen für die Route durch Friedrichshain und Lichtenberg. Dort wurde die rechte Demonstration zwar fast durchgängig von lautstarkem Protest begleitet, zu erfolgreichen Blockaden wie im vergangenen Jahr kam es allerdings nicht. Zwar kam es zu mehreren Blockadeversuchen und vereinzelt auch zu Flaschen- und Steinwürfen, aber die Heß-Verehrer konnten ihre Route wie geplant laufen.

So zeigte sich Sebastian Schmidtke bei der Abschlusskundgebung auch sichtlich zufrieden: Die Demonstration sei ein Erfolg, denn das Gedenken an Rudolf Heß sei durch diese Aktion in der Öffentlichkeit. Dass man nicht in Spandau gewesen sei, wäre daher zu vernachlässigen. Sven Skoda, der nach Thomas Wulff als letzter Redner sprach, ging noch weiter und bezeichnete die Route durch Friedrichshain als Demütigung für die linke Szene.   

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Kommentare(1)

Dennis Dienstag, 21.August 2018, 14:13 Uhr:
Das Bild mit dem Hitler-Double sagt doch schon mal alles.
Den Nazis geht es nicht um "Trauer" oder "Gedenken".
Es geht einzig und allein um die Verehrung von Massenmördern
und Kriegsverbrechern.
Und die NPD als Organisator ganz vorne mit dabei....
 

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