von Marc Brandstetter
   

Bayern NPD droht Desaster bei der Sammlung von Unterstützerunterschriften

Eine Woche vor der Bundestagswahl am 22. September werden in Bayern die Wählerinnen und Wähler an die Urne gerufen, um ein neues Landesparlament zu wählen. Der Wahlkampf der NPD scheint kaum in Tritt zu kommen, mancherorts droht sogar ein Scheitern beim Sammeln von Unterstützungsunterschriften. Deshalb richtet Parteichef Holger Apfel einen Appell an die anderen Landesverbände, den „Kameraden“ beizuspringen.

„Die widrigen Wetterbedingungen der letzten Wochen und die Flutkatastrophe, die vielerorts ein Sammeln zeitweilig unmöglich machte, führte allerdings dazu, daß vor allem im Regierungsbezirk Oberbayern noch erhebliche Lücken klaffen“, erklärt NPD-Bundeschef Holger Apfel in einem Schreiben, das er über die Webseiten der Partei an die eigenen Anhänger richtet. Offensichtlich kommen die „Kameraden“ bei der Sammlung von Unterstützungsunterschriften nicht wie geplant voran. 10.000 davon müsse man sammeln, so Apfel weiter, um bei den bayerischen Landtagswahlen am 15. September flächendeckend antreten zu können.

Die Schuld für den schleppenden Verlauf treffe nicht die NPD – natürlich nicht. Verantwortlich hierfür sei vielmehr das Wetter. Eine Masche, die von der NPD gut bekannt ist. Schuld sind immer die anderen: Demokraten, Linke, Ausländer, Juden oder wie in diesem Fall – die Naturgewalten. Ganz unrecht hat er damit freilich nicht. Denn landauf, landab stellen sich engagierte Demokratinnen und Demokraten den Rechtsextremisten in den Weg, um deren Werbebemühungen Sand ins Getriebe zu streuen.  

Der Parteivorstand rufe alle Gliederungen und Aktivisten zu Unterstützungsmaßnahmen auf, heißt es weiter in dem Appell. Denn der Schuh drückt an allen Ecken und Enden. Bereits kommenden Donnerstag müssen die Unterlagen vorliegen. Nicht nur Unterschriftensammler würden benötigt, sondern auch „motorisierte Fahrer zur Einholung letzter Bestätigungen auf den Gemeinden“. Für Unterkünfte werde gesorgt, verspricht der sächsische Fraktionsvorsitzende potentiellen Interessenten. Die bisherigen Bemühungen, Wahlkampfhelfer zu gewinnen, fruchten nämlich kaum. Da helfen auch die sechs Euro nicht, die die Partei dem "blick nach rechts" zufolge für eine Unterschrift zahlen soll. 

Zwar sind einige mehr oder weniger bekannte NPD-Kader wie Bundespressesprecher Frank Franz oder der rheinland-pfälzische Aktivist Sascha Wagner, dem derzeit einige Parteikameraden vorwerfen, in die Kasse gegriffen zu haben, im Freistaat unterwegs, um den örtlichen Wahlkämpfern unter die Arme zu greifen. Doch reicht diese Manpower in dem Flächenbundesland beileibe nicht aus. Auf die Unterstützung der „freien“ Szene kann sich der Landesverband von Bundesvize Karl Richter zudem nur eingeschränkt verlassen – vor allem mit dem „Freien Netz Süd“, einem der bundesweit größten und aktivsten Neonazi-Netzwerke, gibt es atmosphärische Störungen. 

Apfel beschwört deshalb die „nationale Solidarität“ in seiner Partei und erinnert an die Aktivitäten der Bayern NPD, die „sich in den letzten Jahrzehnten an nahezu allen Wahlkampf-Fronten“ eingebracht habe. Ob die Worte des 42-Jährigen reichen, um kurz vor Abgabeschluss das Steuer herumzureißen, bleibt fraglich. Ein Scheitern des mit 850 Mitgliedern größten NPD-Landesverbandes jedenfalls wäre eine Blamage, die auch auf den ohnehin angeschlagenen Apfel zurückfallen würde.

Kommentare(1)

Junger Fritz Dienstag, 02.Juli 2013, 13:11 Uhr:
Es hängt alles an Oberbayern. Selbst wenn es in letzter Sekunde noch klappen sollte, wäre es eine Blamage. Vor fünf Jahren konnte die NPD Bayern noch aus eigener Kraft einen flächendeckenden Wahlkampf gewährleisten. Jetzt pfeift sie aus dem letzten Loch. Wenn einer der sieben Bezirke ausfällt, ist die 1%-Hürde unerreichbar und der Landesverband mangels Wahlkampfkostenerstattung auf Jahre hinaus pleite.
 

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