von Robert Scholz
   

Bayern: Neonazis treten scharenweise aus der NPD aus

Einem Bericht der Sueddeutschen Zeitung zufolge treten derzeit mittelfränkische Neonazis scharenweise aus der NPD aus. Vor allem der Austritt des Bezirksvorsitzenden, Matthias Fischer, löste offenbar einen Domino-Effekt aus.

Fischer ist bereits Mitte November von seinem Amt als Vorsitzender des NPD-Jugendverbandes Junge Nationaldemokraten nach einem Zerwürfnis mit dem Landesvorsitzenden Ralf Ollert zurückgetreten. Die Konsequenzen zeigen sich dem Bericht der SZ zufolge nun allmählich. Mitte November erklärten  angebliche Anhänger Fischers auf einer bekannten einschlägigen Internetseite: „Wir werden (...) unsere Kraft und Energie nicht mehr für Aktionen und eine Landespolitik mißbrauchen lassen, hinter der wir aus elementaren Gründen der Anständigkeit nicht mehr stehen können und der wir auch keine relevanten Erfolgsaussichten im Kampf um die Befreiung Deutschlands einräumen.“

Diesen Ankündigungen sind nun offenbar auch Taten gefolgt. So musste NPD-Landeschef Ollert einräumen, dass ein großer Teil der NPD-Organisationsstruktur in Mittelfranken zusammengebrochen ist. Durch den Wegfall der „Kristallisationsfigur Fischer“ gebe es „momentan eine Vakanz“, sagt Ollert gegenüber der SZ. Mehr als zwei Dutzend Mitglieder seien aus der Partei ausgetreten. Zudem sollen sich nach Angaben der Sueddeutschen Zeitung die Führungsspitze mehrerer mittelfränkischer NPD-Kreisverbände aufgelöst haben.

Mittelfranken gilt als das Zentrum des organisierten Rechtsextremismus in Bayern. Vor allem die Aufmärsche in Gräfenberg ziehen regelmäßig Rechtsextremisten aus dem gesamten Bundesgebiet an. Als Anmelder fungierte meist der 31-jährige Fischer. Auch für heute war eine Demonstration angemeldet, die das Landratsamt Forchheim aber bereits am Montag untersagte. Fischer soll daraufhin erklärte haben, gegen den Bescheid keine Rechtsmittel einzulegen - was er zuvor offenbar regelmäßig getan habe, so die SZ. „Offenkundig“, vermutet ein Sprecher des Bürgerforums daher, „bekommen die Neonazis keine finanzielle Unterstützung von der NPD mehr“.

Für Jubel in Gräfenberg sei es aber noch zu früh. So befürchten Verfassungsschützer durch die Abspaltung der Kameradschaften von der NPD eine Radikalisierung der Märsche. Wie zum Beweis soll Fischer bereits damit gedroht haben, Gräfenberg auch künftig heimsuchen zu wollen –  gemeinsam mit freien Nationalisten.

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