Neue Studie
Baden-Württemberg: Zulauf für rechtsextreme Jugendgruppierungen
Die neue Studie „Alles fürs Vaterland. Rechtsextremistische Jugendliche in Baden-Württemberg“ des Landesamts für Verfassungsschutz untersucht, wie sich aktuell junge Menschen in der rechtsextremen Szene im Ländle organisieren und betätigen, und versucht, diese Entwicklung zu erklären.
Der rund 80-seitigen Studie zufolge seien immer mehr junge Menschen in der rechtsextremen Szene im Südwesten aktiv. Geschätzt wird das rechtsextreme Personenpotenzial im Land auf etwa 3.140 Personen. Rund 13 Prozent, also ca. 400 Personen (vorwiegend männlich), stelle das Altersspektrum zwischen 14 und 24 Jahren. Der Anteil der unter 30-jährigen Rechtsextremisten wuchs laut Studie von 2023 auf 2025 um fünf Prozentpunkte an. Gegenüber den Jahren 2021 und 2022 sei dies eine neue Entwicklung – denn damals sei der Anteil der unter 30-Jährigen rückläufig gewesen.
Auch im Parteienspektrum Baden-Württembergs sind rechtsextreme Jugendorganisationen aktiv. Im Fokus stehen die „Jungen Nationalisten“ (JN; Jugendorganisation der Partei „Die Heimat“) und die „Nationalrevolutionäre Jugend“ (NRJ, Jugendorganisation der Partei „Der Dritte Weg“). Aufgelistet wird auch die „Junge Alternative“ (JA, rechtsextremer Verdachtsfall). Die AfD-Jugend gründete sich nach ihrer bundesweiten Auflösung Anfang 2025 im November 2025 unter dem Namen „Generation Deutschland“ neu. Die Gründung des baden-württembergischen Landesverbands soll allerdings erst dieses Wochenende erfolgen.
„Untereinander hochgradig vernetzt“
Aufgeführt im parteiungebundenen Spektrum wird vor allem die „Identitäre Bewegung“ (IB), die bis vor Kurzem in Baden-Württemberg unter dem Namen „Reconquista 21“ (R21) auftrat. Im Februar kehrte sie zu ihrem alten Namen „Identitäre Bewegung Schwaben“ (IB Schwaben) zurück. Im Sommer 2024 erschienen in Baden-Württemberg mit „Unitas Germanica“ und „Zollernjugend Aktiv“ zwei neonazistische Gruppierungen neu auf der Bildfläche. Neben klassischen Propagandaaktionen böten diese einen Freizeitwert und stärkten das Gruppengefühl unter anderem mittels Wanderungen und Kampfsporttrainings. Die rechtsextremen Organisationen und Gruppierungen sind nach Erkenntnissen der Verfassungsschützer „untereinander hochgradig vernetzt, auch Doppelmitgliedschaften liegen vor.“
Das LfV weist in der Studie darauf hin, dass es auch rechtsextreme Gruppen wie die bundesweit aktive Gruppierung „Der Störtrupp“ (DST) gebe, die sich nicht dezidiert als Jugendorganisationen verstehe, der aber auch junge Menschen angehören. Das DST-Altersspektrum reiche von Anfang 20 bis Mitte 30.
Kampf gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung
Konstatiert wird, dass rechtsextreme Radikalisierungsprozesse „multikausal und individuell“ seien. Insgesamt erscheine die Zuwendung von jungen Menschen zur rechtsextremen Szene „auch als Politisierung“ und offenbare einen „gewissen Gestaltungswillen“.
Das LfV bilanziert, dass die „hochgradig radikalisierten Heranwachsenden“ sich mit „großer Ernsthaftigkeit dem Kampf gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung“ widmen. Im Umkehrschluss könne man ihnen und ihren Gleichgesinnten „nur mit der notwendigen Ernsthaftigkeit und mit Entschlossenheit“ begegnen.
Ausgangspunkt der Studie „#Alles fürsVaterland. Rechtsextremistische Jugendliche in Baden-Württemberg“ war Ende vergangenen Jahres die Anklageerhebung der Bundesanwaltschaft gegen mehrere mutmaßliche Rechtsterroristen, die sich unter dem Namen „Letzte Verteidigungswelle“ zusammengefunden haben sollen. Das Ziel der Gruppe sei es gewesen, durch „Gewalttaten vornehmlich gegen Migranten und politische Gegner einen Zusammenbruch des demokratischen Systems in der Bundesrepublik Deutschland herbeizuführen“. Als die Gruppe zerschlagen wurde, waren die Beschuldigten zwischen 14 und 21 Jahre alt.