Autoritäre Kader-Truppe

Die neurechte „Identitäre Bewegung“ ist  nach innen straff organisiert – sämtliche Aktionen verlaufen nach strengen Vorgaben.

Mittwoch, 01. März 2017
Sebastian Lipp

Kürzlich geleakte Dokumente der „Identitären Bewegung“ zeigen, wie straff die extrem rechte Gruppe organisiert ist. Das berichtet „Der Störungsmelder“ über die mehr als 50 Seiten starken internen Papiere. Vom Facebook-Posting bis zur Wortergreifungsstrategie bei Veranstaltungen werde alles erklärt, was die Öffentlichkeitsarbeit der „Identitären“ ausmache. Flugblätter müssten bei einer „nationalen Leitung“ abgesegnet werden, für das Design gebe es genaue Anweisungen. Beim Verteilen von Flugblättern würde  bei den „Identitären“ ein „Leiter“, eine Person, die für die „Sicherheit“ zuständig sei und ein „Beobachter“ benötigt. Bei einer in Memmingen im Allgäu durchgeführten Plakataktion setzten die Rechten offenbar sogar mit Walkie-Talkies ausgerüstete Wachposten ein.

Aus den veröffentlichten Dokumenten geht hervor, wie sich die Neurechten von „Feinden“ und Verschwörungen umgeben sehen. Etwa sei die Regierung „von Stalinisten“ unterwandert. Folglich müsse man „das Regime“ destabilisieren. Auch in Debatten geht es um Sieg oder Niederlage, nicht Argumentation: „Beherrsche das Gespräch“, heißt es im Leitfaden. Dabei habe man eine „Mehrheit“ bereits schweigend hinter sich, müsse aber diese „Leute an die Hand nehmen, dorthin ‚runtergehen‘, wo sie gerade stehen, und sie die Treppe ‚aufwärts‘ begleiten zum identitären Verständnis “.

„Die Heimatkämpfer in die Flucht geschlagen“

Antifaschisten behaupten, die Dokumente am 17. Februar an sich genommen zu haben. An dem Tag hatten sich demnach Mitglieder der „Identitären Bewegung Allgäu“ im schwäbischen Memmingen getroffen, ohne ihren „Stammtisch“ öffentlich anzukündigen. Laut einem auf Indymedia veröffentlichten Bericht tauchten aber Gegner der rechten Truppe vor dem Veranstaltungsort auf. Man habe „die Heimatkämpfer in die Flucht“ geschlagen, indem man von außen an die Scheibe des Lokals klopfte und Photos der „sechs Rechten“ schoss, hieß es in dem Indymedia-Text.  Die „Identitären“ sollen bei der Flucht über den Hinterausgang die internen Dokumente hinterlassen haben, die dann auf der Plattform veröffentlicht wurden.

Die „Identitäre Bewegung Schwaben“, der das Material abhanden gekommen ist, will bis zum 11. März dieses Jahres die „aktivste patriotische Gruppe in Schwaben werden und sich mit der AfD, ihrer Jugendorganisation „Junge Alternative“, Burschenschaften und anderen patriotischen Gruppen vernetzen.

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