von Oliver Cruzcampo
   

„Autonomer Nationalist“ übernimmt Landesverband der NPD Berlin

Der alte Landeschef zog seine Kandidatur zurück und machte somit den Weg frei für Sebastian Schmidtke. Seit Sonnabend hat die Berlin NPD einen neuen Landesvorsitzenden. Der neue Kurs unter Schmidtke, der den „Autonomen Nationalisten“ zugerechnet wird – ist ungewiss.

Ursprünglich wollte der Berliner Landesverband der NPD in einem Restaurant in Reinickendorf tagen, doch daraus wurde nichts. Mehrere linke Initiativen bekamen Wind vom Veranstaltungsort, der Eigentümer der Lokalität machte in letzter Sekunde einen Rückzieher. So sah mal sich dazu gezwungen, in der Bundeszentrale in der Seelenbinderstraße zu tagen. Auch dort warteten bereits einige Dutzend Gegendemonstranten, um ihren Unmut ob des NPD-Treffens kundzutun.

Mit 86 Prozent der Stimmen wurde Sebastian Schmidtke schließlich zum neuen Landesvorsitzenden gewählt. Zuvor war spekuliert worden, dass es zwischen dem 26-Jährigen und Uwe Meenen, dem alten Landesvorsitzenden, zu einer Kampf-Kandidatur kommen könnte. Dies blieb jedoch aus. Wie die NPD in einer äußerst spärlichen Nachricht mitteilte, zog Meenen seine erneute Kandidatur zurück. 

Die beiden Rechtsextremen haben somit ihre Posten getauscht. Schmidtke war bis zum Sonnabend noch stellvertretender Landesvorsitzender, dieses Amt hat nun Meenen inne. Und auch der ehemalige Bundeschef der NPD, Udo Voigt, fungiert ab sofort als Vize-Landeschef der Berliner NPD.

Sebastian Schmidtke wird nun also die Geschicke des Landesverbandes in die Hände nehmen. Der 26-Jährige, der zu den „Autonomen Nationalisten“ zählt, ist laut „taz“ einer der „führenden Köpfe des gewaltbereiten Rechtsextremismus in Berlin“, der „Berliner-Kurier“ nannte ihn gar „Berlins gefährlichsten Neonazi“. Wie gefährlich Schmidtke ist, wird sich zeigen. Klar ist, dass der Neonazi bereits seit Jahren als wichtiges Bindeglied zwischen parteifreien Kräften und der NPD agiert. Auf Demonstrationen in der Hauptstadt war Schmidtke oft Anmelder und Redner.

Vom NPD-Vorsitzenden Holger Apfel gibt es bisher keine Stellungnahme zu dem neuen Landesvorsitzenden. Gut möglich, dass Apfel durchaus gespaltener Meinung ist. Als potentiell gewaltbereiter Landesvorsitzender passt er kaum in das neue NPD-Konzept der „radikalen Seriösität“. Berlins Innensenator Frank Henkel (CDU) warnte nach der Wahl Schmidtkes dann auch vor einer zunehmenden Radikalisierung der rechtsextremen Partei. „Die Berliner NPD lässt damit immer weiter ihre Maske fallen. Wir werden diese Entwicklung sehr aufmerksam verfolgen“, so Henkel. 

In einem Interview gab sich Schmidtke kürzlich jedoch recht handzahm. Mit seiner Arbeit wolle er an den „Bedürfnissen und Nöten unseres Volkes orientieren“ Zudem will der neue Landeschef dafür Sorge tragen, dass die NPD in der Hauptstadt als „Wahlpartei und keine Spaßpartei“ wahrgenommen wird, „die nur den eigenen Leuten gefallen soll.“ Gegenüber dem Kurs von Meenen sehe Schmidtke jedoch keine politisch-inhaltlichen, sondern eher „taktische Unterschiede“.

Eine neue Taktik ist für die hiesige NPD dringend vonnöten. Zur Abgeordnetenhaus-Wahl im September vergangenen Jahres kam die NPD nur auf magere 2,1 Prozent, in den Bezirksverordnetenversammlungen verlor sie den Fraktions-Status. Mit fragwürdigen Kampagnen wie dem „Adolf-Kreuzworträtsel“ oder dem Hängen von „Gas geben“-Plakaten u.a. vor dem Jüdischen Museum wird man unter dem neuen Landesvorsitzenden in Zukunft wohl kaum rechnen dürfen.

Kommentare(1)

Bertl Freitag, 10.Februar 2012, 23:38 Uhr:
Die Initialen von Sebastian Schmidtke: SS :O

Wenn das mal keine von diesen neonazistischen Botschaften ist ;)
 

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