von Redaktion
   

Aus Angst um ihre Gesundheit: Schiedsrichter und Vereine boykottieren von Neonazis durchsetzten Fußballverein

Laut Verfassungsschutz sind im FC Ostelbien Dornburg, einem Kreisligaverein aus dem Jerichower Land (Sachsen-Anhalt), 15 Neonazis aktiv. Jüngst griffen einige Spieler dieser Mannschaft noch auf dem Platz ihren Gegner an, das Schiedsrichtergespann wurde ebenfalls beleidigt. Nicht der einzige Vorfall dieser Art. Deshalb weigern sich mittlerweile 59 von 65 Unparteiischen, den FC Ostelbien Dornburg zu pfeifen. Mindestens vier Kreisligavereine wollen ebenfalls nicht mehr gegen den Klub antreten.

Dennis Wesemann hat es schon ins Fernsehen geschafft. Kürzlich widmete das MDR-Magazin Exakt den Aktivitäten des mutmaßlichen Mitbegründers der Magdeburger Hooligan-Truppe „Blue White Street Elite“ (BWSE) einem siebenminütigen Beitrag. Dazu besuchten die Reporter den kleinen Ort Stresow, einen Ortsteil von Möckern im Landkreis Jerichower Land. Dort trat Wesemann, der nach Informationen des Deutschlandfunks mit gewaltverherrlichender Szene-Kleidung 280.000 Euro jährlich umsetzten soll, als sozial engagierter Bürger in Erscheinung; bei den letzten Ortsratswahlen im Jahre 2014 erreichte er als Einzelbewerber die meisten Stimmen (71 von 256 Stimmen). Auch die NPD fuhr bei den Landtagswahlen vor vier Jahren hier ein Rekordergebnis ein. Jeder vierte Wähler gab der damals knapp an der Fünf-Prozent-Hürde gescheiterten Partei seine Stimme (25,4 Prozent).

Kampfsport?

Der Film zeigte außerdem die brutalen Szenen eines Kreisligaspiels. Nachdem der FC Ostelbien Dornburg die wichtige Relegationspartie gegen den SC Paplitz verloren hatte, schlugen einige Spieler des mit Neonazis durchsetzten Vereins dazu. Darunter, wie zu sehen, Wesemann, gegen den laut Medienberichten bereits wegen Gefährlicher Körperverletzung, Landfriedensbruchs sowie der Verwendung von Symbolen verfassungswidriger Organisationen ermittelt worden sein soll. Später bedrängten sie die Schiedsrichter.

Längst nicht der einzig Vorfall. Immer wieder bedrohten und bespuckten die Kicker des Neonazi-Vereins ihre Gegner. Weitere tätliche Angriffe und rassistische Beleidigungen, etwa auf einen Spieler des SG Blau-Weiß Niegripp, sind in der Presse dokumentiert. Auf Facebook schickten die Hobby-Fußballer einen Gruß an Blau-Weiß hinterher: „Ihr seid so dumm!“ Die Polizei fuhr bereits häufiger Einsätze bei Spielen mit Beteiligung des FC Ostelbien Dornburg. Der Landesverfassungsschutz stuft mittlerweile 15 der 18 Aktiven als der extrem rechten Szene zugehörig ein. Im Umfeld des 2011 gegründeten Fußballklubs bewegten sich darüber hinaus ehemalige BWSE-Mitglieder, heißt es von den Schlapphüten weiter.

Eingeschüchterte Schiedsrichter und Gegner

Aus Angst um die eigene Gesundheit lehnt mittlerweile die überwiegende Mehrheit der in der Kreisliga Jerichower Land eingesetzten Schiedsrichter ab, bei Spielen des FC Ostelbien Dornburg auf dem Platz zu stehen. Schiedsrichter-Obmann Dietmar Fähse bestätigte Recherchen der Mitteldeutschen Zeitung und von MDR Info, dass nur noch sechs von 65 Referees ihre Bereitschaft erklärt hätten, bei diesen Spielen aufzulaufen. Außerdem wollten mindestens vier Konkurrenten der Neonazi-Kicker auf einen Antritt bei den anstehenden Ligaspielen der neuen Saison verzichten. „Ich will nicht in meiner Freizeit um Leib und Gesundheit fürchten müssen“, begründete der Vereinschef des SV Eiche Redekin und aktive Schiedsrichter, Michael Pieper, diesen Schritt.

Der zuständige Fußballbund verweigerte dem FC Ostelbien Dornburg kurz nach dessen Gründung die Spiellizenz, scheiterte mit dieser Maßnahme allerdings vor Gericht. In diesen Tagen werde nun, womöglich auf Druck aus dem Innenministerium, ein Ausschluss der braunen Mannschaft aus dem Ligabetrieb geprüft, schreibt die Mitteldeutsche Zeitung. Am 6. August werde sich der Landesfußballverband, der bislang ob seiner wenig konsequenten Haltung in der Kritik stand, mit dem Fall befassen.   

Foto: Great Beyond, Lizenz: CC

Kommentare(3)

Dennis Dienstag, 04.August 2015, 15:43 Uhr:
Man kann nur hoffen, dass der Landesfussballverband entsprechend hart durchgreift und diese brutale Treter-Mannschaft aus dem Verkehr zieht.
Solche kriminellen Treter haben auf einem Fussballplatz nichts zu suchen.

Dass Gegner und Schiedsrichter Angst um ihre Gesundheit und ihr Leben haben,
ist bei so einer Ansammlung von rechten Schlägern absolut nachvollziehbar.
 
Roichi Dienstag, 04.August 2015, 17:34 Uhr:
Die friedlichen Kamerraden mal wieder in Hochform.
Egal, wo es nicht nach ihrem Gusto geht, wird Gewalt angewandt. Und dann rumgeopfert, dass man ja in die Ecke gestellt wird.
 
Dariusz Mittwoch, 05.August 2015, 08:35 Uhr:
Und die Feiglinge hätten sich nur benehmen müssen, zumindest auf dem Platz, dann wäre alles gut gewesen, aber nein. Dünnpfiff im Hirn. Dass die Braunen schlechte Verlierer sind, wissen wir ja schon aus dem Geschichtsunterricht.
 

Die Diskussion wurde geschlossen