Auftritt in Rollkommando-Manier

Husum – Der brutale Überfall einer zum Teil vermummten Gruppe von Neonazis auf Stände der DGB-Kundgebung am 1. Mai 2011 in Husum ist in seiner strafrechtlichen Würdigung nunmehr abgeschlossen. Das teilte die Staatsanwaltschaft auf Anfrage mit.

Freitag, 15. Februar 2013
Redaktion

In Flensburg wurde jetzt ein Amtsgerichtsverfahren gegen einen jungen Mann gegen Auflagen vorläufig eingestellt. Dieser hatte in einer Erklärung zuvor eingeräumt, dass er an dem Angriff in Husum am 1. Mai  in Hafennähe beteiligt gewesen sei. Dabei hatte es nach Stockschlägen auch einen Verletzten, ein Mitglied der Linkspartei, gegeben. Er selbst habe sich aber an keiner körperlichen Attacke auf das Angriffsopfer beteiligt, fügte der Angeklagte hinzu. Der Flensburger gab an, damals NPD-Mitglied gewesen zu sein. Inzwischen sei er aber aus der Partei ausgetreten. Nach Beziehungsproblemen habe er sich zudem aus der rechten Szene zurückgezogen. Nun ordnete das Gericht an, dass er dem damaligen Opfer 800 Euro zu zahlen habe sowie 1000 Euro an die Amadeu-Antonio-Stiftung.

Mehrere Rechtsextremisten aus Schleswig-Holstein und Hamburg hatten sich am 1. Mai 2011 zu einem Autokonvoi mit dem Ziel Husum getroffen. Trotz anfänglicher Beobachtung durch die Polizei formierte sich die 40- bis 50-köpfige Gruppe ungestört in Hafennähe und verschwand nach ihrem gewalttätigen Auftritt in Rollkommando-Manier auf Stände der DGB-Kundgebung wieder blitzartig. Zum Teil gab es auf der Rückfahrt noch Polizeikontrollen.

Zweieinhalb Wochen nach der Aktion fanden dann diverse Hausdurchsuchungen bei Aktivisten aus der Neonazi-Szene statt, so auch beim Angeklagten. Nach und nach erhielten mehrere in Husum identifizierte Teilnehmer Strafbefehle, denen die Empfänger auch Folge leisteten. Ermittelt wurde auch gegen den NPD-Kader Jens Lütke, der mittlerweile von Ingo Stawitz als NPD-Landesvorsitzender in Schleswig-Holstein abgelöst wurde. Das Verfahren wurde aber eingestellt. (hf)

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